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Dass die Kröten immer früher aktiv werden, ist für einige Experten ein alarmierendes Signal. (Foto: Haase)

Wenn Straßen zur Todesfalle werden

Lüneburg/Bad Bevensen. Meteorologisch und kalendarisch gesehen herrscht noch tiefster Winter. Trotzdem: Die Temperaturen der vergangenen Tage machen bereits Lust auf Frühling. Der Bad Bevenser Siegfried Tippel vom BUND mahnt deshalb schon jetzt Autofahrer zu erhöhter Wachsamkeit, denn: „Die ungewöhnlich warmen Temperaturen der vergangenen Tage locken mancherorts bereits die Amphibien aus den Winterverstecken hervor“, beobachtet der Umweltschützer.

Im Landkreis Lüneburg dagegen sind noch keine Meldungen bekannt, „dass sich Amphibien schon jetzt wieder auf den Weg zu den Laichgewässern machen“, sagt auf LZ-Anfrage Burkhard Jäkel von der Unteren Naturschutzbehörde.

Frühester Zeitpunkt 22. Februar

„Sicherlich werden einige ‚vorwitzige‘ Amphibien tagsüber in ihren Winterverstecken aufgrund der ungewöhnlichen Temperaturen aufgeweckt. Aber die Wanderfreudigkeit ist noch eingeschränkt“, erklärt Jäkel: „Es fehlt die entsprechende Tageslänge, die Nächte sind zu kühl, 8 bis 12 Grad sollten es schon sein und die trockenen Nächte tun ein Übriges. Gleichwohl wissen wir, dass bei anhaltenden warmfeuchten Nächten die sogenannte Krötenwanderung einsetzen kann.“ Grasfrosch und einige Molcharten gelten dabei als die ersten Wanderfreudigen.

Bisher galt im Landkreis Lüneburg der 22. Februar als der früheste Zeitpunkt, an dem sich Kröte, Frosch und Co. auf die Wanderschaft begeben haben. Deshalb haben die Landschaftspflegetrupps des Landkreises sowie viele Amphibienfreunde jetzt schon mit dem Bau von Amphibienschutzzäunen begonnen. „Wir arbeiten mit Hochdruck an dieser Aufgabe“, sagt Jäkel.

Das bestätigt Nabu-Kreisvorsitzender Thomas Mitschke: „Unsere Leute stellen gerade am Hasenburger Teich, am Hasenburger Weg, am Ochtmisser Kirchsteig und in der Soltauer Straße entsprechende Zäune auf.“

Amphibien werden früher aktiv

Dass die Amphibien immer früher aktiv werden, ist für Mitschke ein alarmierendes Signal – und ein Beleg für den von Menschen zu verantwortenden Klimawandel. Bereits während der Kaulquappenphase werden die Amphibien auf das jeweilige Laichgewässer geprägt, in das sie dann zur Fortpflanzung jedes Jahr zurückkehren.

,,Die Winterquartiere wie Hecken, Kiesgruben, Wälder und Gärten liegen in bis zu 500 Metern Entfernung von den Laichgewässern“, berichten Naturschutz-Experten. Sie bitten die Verkehrsteilnehmer mit Blick auf die bevorstehenden Krötenwanderungen um besondere Aufmerksamkeit, denn bereits bei Tempo 30 tötet der Strömungsdruck des Fahrzeuges. Die plattgefahrene Kröte ist dann nur das Resultat, das auf der Straße zu sehen ist.

Doch genau das sollen die Amphibienschutzzäune verhindern, die derzeit an neuralgischen Punkten aufgestellt werden. So, wie beispielsweise an der Kreisstraße 17 zwischen Rettmer und Oerzen. Der rund 400 Meter lange Schutzzaun leitet die Amphibien zu zwei Krötentunneln, die unter der Straße hindurch auf die andere Straßenseite führen. Finanziert wurde das Projekt seinerzeit übrigens vom ADAC als eine der Ausgleichsmaßnahmen für den Bau des 21 Hektar großen Fahrsicherheitszentrums. Doch so komfortabel wie an der K 17 können nur die wenigsten Amphibien die Straße durch einen Tunnel queren. Die meisten plumpsen auf ihrem Weg zum Laichgewässer in Eimer, die die Helfer entlang der Krötenzäune eingegraben haben. Dort werden sie morgens und abends von den Amphibienfreunden eingesammelt und über die Straße gebracht.

Fuß vom Gas und achtsam fahren

Trotzdem: „Wenn Schilder mit dem Warnhinweis ‚Krötenwanderung‘ auftauchen, bitte Fuß vom Gaspedal nehmen und die Geschwindigkeit reduzieren“, bittet auch Siegfried Tippel die Autofahrer um Rücksicht auf die Amphibien. Denn die Wanderung über die Straße verläuft nur langsam, da Erdkröten nicht hüpfen sondern nur kriechen können. Hinzu komme, dass bei Gefahr die Tiere erstarren und eine Schreckstellung einnehmen – und somit noch mehr Gefahr laufen, unter die Räder zu geraten.

Von Klaus Reschke