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Auch das Nadelwehr bei Wittorf gilt als marode. (Foto: t&w)

Bund hält an seinen Plänen für die Ilmenau fest

Wittorf. Still ruht die Ilmenau. „Politisch haben wir lange nichts Neues aus Berlin gehört“, sagt Gustav Rieckmann, Vorsitzender des Förder vereins Historische Ilmenau, der jetzt seine Jahresversammlung hatte. Dabei würde der Wittorfer gerne wissen, wie es denn nun weiter gehen soll mit der Bundeswasserstraße.

„Ich befürchte, der Bund will das Problem so lange aussitzen, bis die Nadelwehre und Schleusen noch maroder sind als ohnehin schon, sodass deren Sanierung überhaupt nicht mehr zu bezahlen ist“, kritisiert Rieckmann. „Es sollen Fakten geschaffen werden für den Abriss der Bauwerke.“

„Ohne Flussregulierung säuft die Landschaft ab oder fällt trocken“

Das zuständige Bundesverkehrsministerium plant, die Ilmenau als Bundeswasserstraße zu entwidmen und die Verantwortung für die Unterhaltung an das Land Niedersachsen abzugeben, Schleusen und Wehre zu entfernen und stattdessen Sohlgleiten einzubauen. Grund ist, dass der Fluss nicht mehr relevant für die Schifffahrt ist. Der Plan des Ministeriums stößt jedoch auf Widerstand in der Region. So hatte sich etwa der Förderverein gegründet, als diese Vorschläge für die Umgestaltung aus einer 2012 erstellten Machbarkeitsstudie bekannt geworden waren.
Zur Regulierung des Wasserstandes wurden bereits vor mehr als 125 Jahren die Nadelwehre in Wittorf und in Fahrenholz sowie 1934 in Bardowick errichtet. Sie funktionieren noch heute. „Wir fordern, die Wehre zu erhalten“, betont Rieckmann. Denn die Regulierung des Wasserstandes der Ilmenau durch Wehre sei enorm wichtig. „Gibt es keine Fluss-Regulierung mehr wie bisher, säuft die Landschaft entweder ab, oder sie fällt trocken“, sagt er. Das hätte fatale Folgen für die Kulturlandschaft entlang des Flusses zwischen Lüneburg und Hoopte an der Einmündung in die Elbe, ergänzt er. Mit dem funktionierenden System Ilmenau hänge untrennbar zusammen der Hochwasserschutz, die Beregnung für die Landwirtschaft und der Naturschutz – wie etwa ein Schutzprogramm für Fischotter im Bereich Hohensand zwischen Bardowick und Wittorf.

Schleusendienst als Ehrenamt?

„Alles könnte so einfach sein. Der Bund nimmt das nötige Geld in die Hand für den Erhalt der Schleusen und die Sanierung der Wehre, überträgt die Ilmenau ans Land und wir sorgen dafür, dass der Schleusendienst ehrenamtlich betrieben wird“, bietet er einen Lösungsvorschlag an, für den der Verein auf Landesebene werben wird. Rieckmann betont zudem, dass über die Bauart der Wehre noch diskutiert werden kann.

Über die Zukunft der Ilmenau hat unterdessen der Lüneburger CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols mit Hans-Heinrich Witte, dem Präsidenten der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt in Bonn, diskutiert. Der Chef der Bundesbehörde, die ein Geschäftsbereich des Bundesverkehrsministeriums ist, machte bei dem Gespräch klar, dass der Bund an den bisherigen Planungen festhalte. Ihm zufolge laufe die Abgabe der Ilmenau so ab, dass der Bund, sobald er den Fluss aus seiner Sicht zukunftsfest mit Sohlgleiten umgestaltet hat, diesen dann an das Land abgibt.

Forderung nach gemeinsamer Informations-Veranstaltung

Das Land wiederum soll die Ilmenau an den Ilmenauverband weiterreichen, heißt es in einem Gesprächsprotokoll vom 31. Januar. Das Vorgehen orientiere sich daran, so der Behördenleiter, wie in der Machbarkeitsstudie von 2012 durch die Wasserschifffahrtsverwaltung (WSV) empfohlen. Über einen Zeitplan wurde nicht gesprochen.
Für Witte sei es nicht erstrebenswert, dass der Bund eine Wasserstraße abgibt und diese Maßnahme für Unmut bei der Bevölkerung sorgt. Deshalb schlägt Witte eine Informationsveranstaltung in der Region Lüneburg vor, bei der er selber und Mitarbeiter der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung Rede und Antwort stehen. Eckhard Pols kündigte an, nach der Landratswahl am 26. Mai mit Witte einen Termin auszuloten.

Von Stefan Bohlmann