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Jugend forscht
Marie Brendemühl (l.) und Vivian Paul haben für „Jugend forscht“ verschiedene Holzleime unter die Lupe genommen und damit den ersten Platz in der Kategorie Chemie belegt. (Foto: t&w)

Die Überflieger

Bleckede. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Mit neun Gruppen startete das Gymnasium Bleckede beim Wettbewerb „Jugend forscht“ inklusive der Juniorsparte „Schüler experimentieren“ und wurde elf Mal ausgezeichnet. Darunter waren auch zwei erste Plätze. Anders als die Lüneburger mussten die Bleckeder zum Regionalentscheid nach Celle reisen.

Luftschiff zickt beim großen Auftritt

Er fliegt nicht. Zwei Jahre Arbeit haben Knut Schwarze und Gustav Jansen in ihren ferngesteuerten Zeppelin gesteckt. Zwei Jahre, in denen sie Informationen sammelten, forschten, bastelten, optimierten. Doch jetzt, kurz vor ihrem großen Auftritt bei „Schüler experimentieren“ bleibt der Heliumballon am Boden. Dabei flog ihr Luftschiff den Tag zuvor doch noch, drehte gehorsam seine Runden.

Die Idee zum selbstgebauten Zeppelin hatte Knut Schwarze schon als Grundschüler, als er einen Zeppelin über den Sportplatz fliegen sah. „Ich dachte mir, ich baue den einfach nach. Aber es ist gar nicht so einfach“, sagt er. Vor allem der Leichtbau stellte den inzwischen Zehnjährigen und seinen Mitschüler Gustav Jansen vor Herausforderungen. „Es muss unheimlich leicht gebaut werden und an jeden fünf Gramm gespart werden.“ Zahllose Tests und Verbesserungen waren erforderlich, bis der Schüler-Zeppelin aus Bleckede erstmals in die Luft ging.

„Es war viel Arbeit“, weiß auch Lehrerin Sonja Schwarze, die die Schülerprojekte betreute. Zum zweiten Mal hat sie mit einer Schüler-AG und einer Seminargruppe am Wettbewerb teilgenommen. „Ich finde den Wettbewerb ganz toll, weil er von den Ideen der Schüler ausgeht und man daran wissenschaftliches Arbeiten lernt. Das Selbermachen dürfen, liebe ich sehr“, sagt die Chemie-Lehrerin. Man hört den Stolz in ihrer Stimme, wenn sie von ihren Schülern erzählt und deren Engagement.

Klebkraft auf den Leim gegangen

So, wie von Vivian Paul und Marie Brendemühl. Die Zwölftklässlerinnen haben Holzleime auf ihre Klebkraft hin geprüft und verglichen. „Wir hatten einen weiten Weg bis zu dem Thema“, erinnern sie sich. Der Weg lohnte sich: Für ihre Forschung erhielten die 17-Jährigen den ersten Platz in der Kategorie Chemie des Jugend-forscht-Wettbewerbs sowie einen Sonderpreis.

Die Mädchen haben den Leim auf seine chemische Zusammensetzung hin untersucht, Formeln hergeleitet und in einem praktischen Belastungstest ihre theoretischen Hypothesen überprüft. „Das Schwerste war erst einmal einen Überblick zu bekommen, welche verschiedenen Kräfte wirken. Wenn man einmal im Kopf hat, an welchen Punkten was stattfindet, kann man sich gut weiter darüber informieren“, sagt Marie Brendemühl.

Dabei setzten die Abiturientinnen auf Teamwork und Arbeitsteilung. Während sich Brendemühl besonders der mathematischen Fehlerbetrachtung widmete, ließ Vivian Paul ihr Wissen aus dem Chemie-Leistungskursus einfließen. Ende März präsentieren sie ihre Arbeit beim Jugend-forscht-Wettbewerb auf Landesebene. „Das macht mich schon ein bisschen nervös, muss ich sagen“, gesteht Vivian Paul. Nicht zuletzt, weil die Mädchen schon acht Tage später in ihrer ersten Abiturprüfung sitzen.

Zeppelin wird aufgerüstet

Auch Knut Schwarze und Gustav Jansen präsentieren ihren Zeppelin nochmals der Fachjury. Denn, die Fünftklässler wären keine echten Forscher, wüssten sie nicht mit Problemen umzugehen. Und so brachten sie den schwermütigen Zeppelin schließlich doch noch in die Luft. Zu viel Helium war aus-, zu viel Sauerstoff eingetreten. Ein Gaswechsel half und führte die Jungs fliegend zum ersten Platz in der Kategorie „Technik“.

Auch sie treten nun beim Landeswettbewerb von „Schüler experimentieren“ an. „Wir sind einfach froh, dass wir dabei sind. Wir treten dort auch gegen Achtklässler an, das wird schwierig“, sagt Gustav Jansen. Deshalb wollen sie ihr Luftschiff auch nochmal aufrüsten: Größer soll es werden, mit Kamera und vielleicht einem Kran. Von gut dreieinhalb Metern Länge hört man ihn reden, eben so, „dass er noch knapp in Papas Auto passt“.

Von Anke Dankers