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Neben dem Kernkraftwerk Krümmel befindet sich das Standortzwischenlager mit 41 Castor-Behältern. Außerdem soll noch ein neues Atommülllager gebaut werden. (Foto: tja)

Atommüll für 50 Jahre am Elbufer?

Geesthacht. Am Elbufer bei Geesthacht wird noch auf Jahrzehnte Atommüll liegen bleiben. Das wurde jetzt bei der ersten öffentlichen Informationsveranstaltung der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) im Ratssaal deutlich. Der Betrieb des Zwischenlagers für hochradioaktiven Müll ist bisher bis zum Jahr 2046 genehmigt. Doch frühestens 2051 soll ein geeignetes Endlager für den gefährlichen Müll betriebsbereit seit. Die Befüllung des Lagers dürfte dann Jahre dauern. Denn schon für den Schacht Konrad bei Salzgitter, der ab 2027 nur leicht- und mittelradioaktiven Abfall aufnehmen soll, wird von bis zu 25 Jahren Betriebsdauer ausgegangen. Dass in Geesthacht auch in 50 Jahren noch Atommüll liegen wird, dürfte damit nicht unwahrscheinlich sein.

41 Castor-Behälter im Standortzwischenlager

Zum 1. Januar hatte die BGZ das mit 41 Castor-Behältern voller Brennelementen aus dem Betrieb des Kernkraftwerkes Krümmel belegte Standortzwischenlager (SZL) vom Energiekonzern Vattenfall übernommen. Auch das in Planung befindliche Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Krümmel (LasmAaZ) soll nach Fertigstellung unter der Regie der BGZ betrieben werden. Das Antragsverfahren läuft derzeit, Baubeginn könnte 2020 sein. Das LasmAaZ soll neben dem SZL entstehen. Beide Immobilien werden mit Sicherheit noch stehen, wenn das stillgelegte Kernkraftwerk längst zurückgebaut ist. Und nebenan, auf dem Gelände des Helmholtz-Forschungszentrums, lagern auch noch Bauteile des Atomreaktors des Nuklearschiffes „Otto Hahn“ und strahlende Abfälle der zentralen Landessammelstelle für schwach- und mittelradioaktive Abfälle in 200-Liter-Fässern. Die Betriebszeit für diese Anlage ist unbefristet.

Dialog mit Anwohnern

Ewold Seeba, Vorsitzender der Geschäftsführer der BGZ mit Sitz in Essen, stellte sich mit seinen Mitarbeitern Henning Knigge (SZL-Leiter), Michael Hoffmann (Bereichsleiter Zwischenlagerung) und Burghard Rosen (Pressesprecher) nun erstmals im Ratssaal den Fragen von 30 interessierten Bürgern. Seeba kündigte an, in Zukunft regelmäßig zum Dialog einzuladen. „Wir haben in Geesthacht ja auch eine Vorreiterrolle, was den Dialog angeht. So gut läuft es nicht an allen Standorten“, sagte Bürgermeister Olaf Schulze (SPD). Den ersten Kontakt zur BGZ wertet er als positiv. „Es ist ja eine große Frage, was mit dem Zwischenlager hier in Zukunft passiert“, sagte er.

Atommüll Geesthacht
Ewold Seeba, Chef der BGZ, informierte über die Zukunft der Zwischenlagerung in Geesthacht. (Foto: tja)

2031 Entscheidung über Endlager

„Zwischenlagerung kann wirklich nur ein zwischen sein“, machte Seeba klar. Endgelagert werden kann das strahlende Material nach derzeitigem Wissensstand nur in tiefen geologischen Schichten. 2031 soll entschieden werden, wo sich der geeignete Platz dafür befindet. Dann soll es 20 Jahre dauern, das unterirdische Lager herzurichten. „Ich halte das für machbar“, so Seeba. Sobald die Standortentscheidung gefallen sei, könne man auch besser kalkulieren, wie lange die Zwischenlagerung noch nötig sei. Insgesamt stehen der BGZ 24 Milliarden Euro in einem von den Energieunternehmen gefüllten Fonds zur Verfügung. Notfalls würde der Bund geradestehen, sollte das Geld nicht ausreichen. Für den Betrieb des SZL in Krümmel wurde von Vattenfall Personal übernommen, außerdem ein Dienstleistungsvertrag für die Zusammenarbeit am Standort geschlossen.

Castoren-Einlagerung für länger?

„Das läuft hier mit Vattenfall sehr gut“, sagte Seeba, der sich auch in Endlagerfragen auskennt, weil er vor seinem Antritt bei der BGZ für die Gesellschaft für Endlagerung gearbeitet hatte. Das Standortzwischenlager hält er gemäß dem aktuellen Stand der Technik für sicher, künftig würden gegebenenfalls Anpassungen erfolgen. Behörden und Gutachter würden den Betrieb und die Rahmenbedingungen regelmäßig überprüfen. Den Castor-Behältern traut Seeba auch eine längere Einlagerung als bisher genehmigt zu. „Die stehen in der Halle trocken, ordentlich und sicher, dazu dauerhaft überwacht“, erklärte er. „Wir werden die sichere Zwischenlagerung gewährleisten“, verspricht der Experte.

Voraussichtlich im November soll ein letzte Castor-Behälter in das Krümmeler SZL kommen. Er wird defekte Brennstäbe enthalten. Der schwach- und mittelradioaktive Abfall, der beim Rückbau des einst leistungsstärksten Siedewasserreaktors der Welt anfallen wird, soll im geplanten LasmAaZ zwischengelagert werden. Der Schacht Konrad als Endlagerstätte soll insgesamt ein Volumen von 300 000 Kubikmetern dieser Abfallart aufnehmen. Sobald die dort angelegten Stollen mit den Behältern aus ganz Deutschland gefüllt sind, werden sie für immer mit Abbaumaterial verschlossen.

Zur Sache

Künftig 31 Lager

In der Verantwortung der 2017 gegründeten Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung befinden sich derzeit 13 Standortzwischenlager. 19 Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle sollen zum 1. Januar 2020 übernommen werden. 250 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen mit Hauptsitz in Essen. Sie kümmern sich um die einst zentralen Zwischenlager in Ahaus und Gorleben sowie die in den vergangenen Jahren errichteten dezentralen Zwischenlager an den Kraftwerks-Standorten Krümmel, Emsland, Unterweser, Brokdorf, Grohnde, Grafenrheinfeld, Isar, Gundremmingen, Neckarwestheim, Philippsburg und Biblis. Brunsbüttel würde dazu kommen, sobald eine Betriebserlaubnis für das Zwischenlager vorliegt.

Von Timo Jann