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Die Touristikklasse der BBS I mit ihrer Lehrerin Cornelia Landwehr. Foto: t&w

Die Zukunft der Reise

Lüneburg. Das hätte sich die Touristikklasse der BBS I nicht träumen lassen: Klassen aus ganz Norddeutschland sind ihrer Einladung zur Veranstaltung „We meet! Reiseexperten von morgen“ gefolgt. Milena März und Markus Schardt aus der TK16A moderieren die Eröffnungsveranstaltung in einer voll besetzten Aula, Touristik-Azubis aus Hamburg, Göttingen, Oldenburg, Bad Malente, Bremen und Hannover sitzen im Publikum. Deutlich wird: Die Tourismusbranche scheint vor allem für Frauen attraktiv zu sein, sie sind klar in der Überzahl.

„Wir sind überwältigt von der Resonanz“, begrüßt Milena März das Publikum, „wir haben mit 50 bis 60 Besuchern gerechnet, nun sind es über 200 und wir mussten sogar Schulen absagen.“

Mehr Anmeldungen als Kapazitäten

Bis zum späten Nachmittag können die Auszubildenden Vorträge zu Themen wie Online-Vermarktung von Reisen, Nachhaltigkeit und Krisenmanagement besuchen, die Referenten sind Größen aus der Tourismus-Branche, wie zum Beispiel Prof. Dr. Edgar Kreilkamp, der bis zum letzten Jahr den Lehrstuhl für Tourismusmanagement an der Leuphana innehatte, und Ulrich von dem Bruch, Geschäftsführer der Lüneburger Heide GmbH. Einen Schwerpunkt der Veranstaltung soll aber vor allem das Vernetzen der jungen Touristiker untereinander bilden, eine Veranstaltung dieser Art extra für sie hat es bislang noch nicht gegeben. Die Lüneburger Berufsschulklasse hat den Tag mit Unterstützung ihrer Lehrerin Cornelia Landwehr ganz alleine auf die Beine gestellt, Schulleiter Heiko Lüdemann zeigt sich beeindruckt: „Ich bin sehr stolz, was hier im Rahmen eines Unterrichtsprojekts zustande gekommen ist“, so Lüdemann. „Viele Eltern und auch Schüler denken, Jobs in der Tourismusbranche hätten keine Zukunft, der Tag heute trägt dazu bei, dass sich dieses Bild ändert.“

Junge Touristiker sollen sich vernetzen

Die Online-Buchung sei zwar eine Herausforderung, viele Menschen wüssten inzwischen aber wieder die qualitativ hochwertige Beratung im Reisebüro zu schätzen. „Die Touristiker dürfen ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen, persönliche Erfahrung und Kompetenz kann das Internet nicht ersetzen.“

Diese Einschätzung bekräftigt Ulrich von dem Bruch. „In diesem Job gibt es so viele Entwicklungsmöglichkeiten. Vor der Digitalisierung müssen wir keine Angst haben.“ Ihm sei es wichtig, die Vielseitigkeit der Branche herauszustellen und insbesondere den Deutschlandtourismus zu bewerben. „Die Welt besteht nicht nur aus Mallorca und Mauritius – wir haben hier in der Region mit Fachkräftemangel zu kämpfen.“ Auch Tourismus-Lehrerin Cornelia Landwehr weiß: „Viele Betriebe wollen wieder mehr ausbilden, finden aber keine Leute.“

„Wir erhoffen uns einen regen Austausch“

Die TK16A hat schon im August angefangen, ihr Projekt zu planen, viel Herzblut hineingesteckt. „Unsere erster Impuls war eine Reisemesse, aber das ist irgendwie das Standardprojekt, wir wollten mal etwas ganz Anderes machen“, erzählt Markus Schardt. Ihnen gehe es um Innovationen, das Reisebüro von morgen.“ Wir erhoffen uns einen regen Austausch, dass die Leute hier richtig viel Input mitnehmen und auch zuhause noch darüber sprechen.“ Auch er glaubt an den Erhalt seiner Branche. „Wir wissen was wir können- das gilt es eben zu vermitteln. Das Produkt, die Reise, mag austauschbar sein, aber nicht das, was wir leisten.“

Die Vorbereitung habe einen Riesenspaß gemacht, vor allem aber seien sie alle sehr an ihrer Aufgabe gewachsen. „Wir sind ja keine Veranstaltungskaufleute. Im Rahmen der Planung haben wir viele Kompetenzen dazu gewonnen, dafür sind wir dankbar.“ Auch zu improvisieren haben die Schüler gelernt, eine ihrer Referentinnen sprang in letzter Minute ab. „Das gehört wahrscheinlich dazu. Und trotzdem hat alles geklappt“, freut sich Schardt. Sollte der Tag sich als Erfolg herausstellen, könnte es eine Wiederholung geben, „der Zuspruch war ja auf jeden Fall da“.

Von Lea Schulze