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Auch im Wasserwerk Adendorf des Wasserbeschaffungsverbands Elbmarsch wird Wasser aus über 200 Metern Tiefe aufbereitet. Noch ist der Aufwand vergleichsweise gering. Foto: phs

Sorge um die Qualität des Wassers

Lüneburg. Wegen des extrem trockenen Jahres 2018 waren die Grundwasserstände in Niedersachsen vielerorts auf neue Rekordtiefststände gesunken, das teilte jetzt der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Norden mit. Spürbare Auswirkungen zumindest auf die Trinkwasserversorgung hat das kurzfristig zwar nicht, wie Hinrich Beckmann, Geschäftsführer des kommunalen Trinkwasserversorgers Purena bestätigt: „Unser Grundwasseraufkommen ist stabil. Wir fördern aus großer Tiefe.“ Damit seien die vorhandenen Reserven „nicht von kurzfristigen Wetterzyklen“ beeinflusst. Langfristig macht sich aber auch Beckmann eher Sorgen um die Wasserqualität. Der sinkende Grundwasserspiegel hingegen macht viel mehr den Landwirten in der Region zu schaffen, die aus niedrigeren Bodenschichten das Wasser zur Feldberegnung fördern.

Größte Absenkung in der Lüneburger Geest

Das außergewöhnliche Trockenjahr und seine Auswirkungen auf das wichtige Lebensmittel im Untergrund dokumentiert das NLWKN in einem „Sonderbericht zur Grundwasserstandsituation“. Dafür hat die Behörde 388 Messstellen ausgewertet. Das Ergebnis: Die bisherigen Tiefststände in den Rekord-Trockenjahren 1996/1997 sowie 2015 wurden in mehr als einem Drittel der ausgewerteten Messstellen unterschritten, und zwar im Mittel um 0,25 Meter. Auch die Dauer der Trockenheit bis in den November hinein und die Tatsache, dass das ganze Land von der Dürre betroffen war, unterscheiden 2018 deutlich von früheren Trockenjahren. Die größten Absenkungen um mehr als zwei Meter gab es dem NLWKN zufolge vor allem in der Weser-Aller-Wümme-Niederung, der Stader und Lüneburger Geest sowie dem Weser-Leinebergland. Die Naturregion Lüneburger Geest umfasst unter anderem Teile der Landkreise Lüneburg, Harburg, Uelzen und Heidekreis.

„Direkte Auswirkungen der Grundwasserstandsentwicklung, zum Beispiel auf die Versorgung mit Trinkwasser, sind daraus nicht entstanden“, sagt NLKWN-Sprecher Carsten Lippe auf LZ-Nachfrage. „Jahre extremer Trockenheit treten, auch das zeigt der Bericht, immer wieder auf. Spürbare Auswirkungen könnten in Zukunft dann eintreten, sollte es zu Trockenjahren dieser Ausprägung in kurzer Folge kommen.“

Die Sünden kommen irgendwann unten an

Beckmann von Purena sagt: „Wir schauen gelassen in die Zukuft und sind auch für 2019 zuversichtlich, sollte es wieder so ein trockenes Jahr geben.“ Die Förderbrunnen für das Lüneburger Trinkwasser reichen in Tiefen von mehr als 200 Metern. Dort gibt es unter Ton und Mergel ein Reservoire ursprünglich reinen Grundwassers, das punktuell 1000 Jahre und älter ist. Beckmann: „Dort sind keine Rückstände zu finden, die auf menschliche Einflüsse zurückzuführen sind.“ Dieser Luxus sei aber endlich. Denn: „Im Wasserkreislauf geht nichts verloren. Das gilt auch für die Abbauprodukte von Pflanzenschutz- oder Arzneimitteln. Die ganzen Sünden kommen irgendwann an.“ Zwar würde sich das Grundwasser derzeit noch regelmäßig in der Menge wieder erneuern, aber nicht in der Qualität. Perspektivisch würde sich langfristig die Wasseraufbereitung wohl verteuern.

Ähnlich sieht man das beispielsweise beim Wasserbeschaffungsverband Elbmarsch. Prüfbrunnen hatten in der Vergangenheit auch schon in 15 bis 25 Metern Tiefe beispielsweise Nitratbelastungen registriert. Und von dort machen sich die Stoffe weiter auf den Weg nach unten. Mit der Landwirtschaft gibt es bereits Kooperationen, um die Einträge zu verringern.

„Wirklich dramatisch könnte es für einzelne werden“

Richtig zu kämpfen hatten die Landwirte, die 2018 auf Feldberegnung angewiesen waren. Ulrich Ostermann, Geschäftsführer des Kreisverbands der Wasser- und Bodenverbände Uelzen, sagt: „Auf der Geest können die Landwirte in den trockenen Monaten ohne zusätzliches Wasser keine marktgerechten Produkte herstellen.“ Welcher Kunde wolle schon Kartoffeln im Supermarkt kaufen, die wegen Trockenheit Schorf ausgebildet haben? „Die sind zwar genauso genießbar, sehen im Verkauf aber auch nicht mehr so schön aus.“ Doch die Kosten der Beregnung ging für manche an die finanzielle Schmerzgrenze. Die genehmigte Wasserentnahme ist oft auf einen Zehn-Jahres-Durchschnitt gerechnet. Somit sind die gesunkenen Grundwasserstände auch weniger ein Problem als die Einhaltung der Kontingente. Ostermann: „Wirklich dramatisch könnte es für einzelne werden, wenn das Jahr 2019 ähnliche Verläufe nehmen würde wie das extrem trockene Jahr 2018.“

Von Dennis Thomas