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Vollmondführung
Turmführer Uwe Asmussen steigt mit Besuchern regelmäßig den Kirchturm in St. Nicolai hinauf. (Foto: t&w)

Auf der Suche nach dem Vollmond

Lüneburg. Es ist 16.45 Uhr, wenige Minuten vor Mondaufgang. Uwe Asmussen erklimmt den Turm der Kirche St. Nikolai, dicht gefolgt von einer kleinen Gruppe Lüneburger, die in 49 Metern Höhe Ausschau halten wollen. Es ist „Supermond“; wegen des unüblich geringen Abstands wirkt der Erdbegleiter besonders groß. Allerdings: Er lässt sich nicht blicken – versteckt hinter einer dichten Wolkendecke, ist er kaum auszumachen. Das macht gar nichts, finden die Teilnehmer der Vollmondführung. Wind und Regen zum Trotz genießen sie die Aussicht auf das abendliche Lüneburg. „Selbst, wenn man schon mal hier oben war, ist der Anblick einfach atemberaubend“, schwärmt ein Teilnehmer.

Asmussen, der früher als Fußsoldat gedient und später bei der Lufthansa gearbeitet hat, ist im Jahr 2004 in der Nikolaikirche aktiv geworden und gehört nun seit einem Jahr dem Kirchenvorstand an. Der 76-Jährige leitet die Besichtigung inzwischen zum sechsten Mal. Von nun an soll sie regelmäßig stattfinden, alle 29 Tage. Inspiration war eine Reise zum Tafelberg in Kapstadt: „Dort konnte man Sonne und Vollmond zeitgleich am Himmel sehen. Das war so beeindruckend, dass ich das noch mal erleben wollte. Da dachte ich, vom Turm der Nikolaikirche ginge das sicher auch.“ Glück mit dem Wetter habe er bis jetzt selten gehabt, erst ein Mal seien die Bedingungen ideal gewesen.

Immerhin gibt es auf dem Turm noch einiges mehr zu sehen: Die Besucher können Uhrwerk und Glocken aus nächster Nähe betrachten. „Es macht mich stolz, solche Meisterwerke bei uns in der Kirche zu haben“, sagt Asmussen, der viel zur Geschichte deutscher Handwerkskunst zu berichten hat.

„Faszinierend, wie reibungslos solch alte Technik heute noch funktioniert“, sagt eine Teilnehmerin beeindruckt. Sie gehöre schon lange zur Gemeinde St. Nikolai und freue sich über den Ausflug hinter die Kulissen. „Toll, dass es dazu bei grauem Wetter nicht an Programm mangelt.“

Selbst die Tür zum Kirchengewölbe schließt der Wächter auf und gestattet seiner Gruppe einen seltenen Blick auf das Gerüst über dem Hauptschiff.

Um Punkt 18 Uhr wird die größte der drei Glocken, die „Marienglocke“, per Mechanismus mit einem Hammer zum Läuten gebracht, was dem Rundgang einen passenden Ausklang verleiht. Allein für dieses Erlebnis habe sich die Führung gelohnt, da sind sich alle Besucher einig.

Von Josephine Wabnitz