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An der Lüneburger Herderschule gibt es bereits Tabletklassen. Das ist der Weg, den Bund und Länder mit dem Digitalpakt beschleunigen wollen. Jede Schule in Niedersachsen soll 30 000 Euro bekommen. Das freut natürlich auch Lüneburgs Schulleiter. (Foto: t&w)

Oft gibt es nicht mal WLAN

Lüneburg. Ob Englisch-Vokabeln, Grammatik-Regeln in Deutsch oder binomische Formeln – wenn Lehrer im Unterricht etwas vermitteln wollen, dann greifen die allermeisten von ihnen auch im Jahr 2019 noch regelmäßig zur Kreide und schreiben an die Tafel, was sich die Schüler einprägen sollen. Dagegen ist zwar grundsätzlich nichts einzuwenden, viele Pädagogen würden aber gern häufiger auf modernere Geräte zurückgreifen, die deutlich mehr Möglichkeiten bieten – für Lehrer, aber auch für Schüler. In vielen Schulen fehlt jedoch das technische Equipment dafür. Mit dem in dieser Woche beschlossenen Digitalpakt von Bund und Land soll sich das nun ändern. Das freut auch Lüneburger Schulleiter.

Die Bundesregierung macht fünf Milliarden Euro locker für die bessere Ausstattung der Schulen mit schnellem Internet, WLAN oder auch neueren Computern. In Niedersachsen soll jede Schule 30 000 Euro bekommen.

Nur ein Computerraum für die ganze Schule

Henning Torp, Rektor der Lüneburger Igelschule , sagt: „Diese Initiative ist schon lange überfällig. Der größte Bedarf besteht an unserer Schule an einer stabilen flächendeckenden WLAN-Abdeckung im gesamten Gebäude und auf dem Schulgelände sowie sichere bedienerfreundliche Software für den Unterricht. Darüber hinaus würden mobile Endgeräte die Einsatzmöglichkeiten erheblich erweitern und erleichtern. Die genannte Summe ist sicherlich nur ein Anfang, denn auch Folgekosten müssen berücksichtigt werden.“

Ideen, wie die Grundschule das Geld einsetzen könnte, gebe es bereits, „allerdings wurde die Zusage der Mittel so häufig verschoben, dass eine konkrete Planung ohne genaue Zahlen bislang nicht sinnvoll erschien“. Aber die Igelschule verfüge nur über einen Computerraum „mit 20 (meistens) funktionierenden Computern“, bei mehr als 250 Schülern ist das nicht viel. Und nicht jeder Klassenraum verfüge über einen Computer.

Viola Fischer, Leiterin der Hanseschule Oedeme , kündigt an: „Wir möchten den Unterricht digitaler gestalten. In den naturwissenschaftlichen Räumen haben wir bereits mehrere Jahre interaktive Tafeln, und die Kollegen setzen dieses inzwischen ganz selbstverständlich ein. Die anschließende Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern, die zur Weiterleitung der Ergebnisse notwendig ist, läuft über unseren Schulserver. Ziel sollte sein, dass der Unterricht in allen Klassenräumen mit interaktiven Tafeln stattfinden kann. Wobei ich auch deutlich sagen möchte, dass nicht der gesamte Unterricht digitalisiert werden kann. Die Mischung macht’s.“

„In den Fremdsprachen steht Filmanalyse auf dem Lehrplan. Dazu brauche ich ein Gerät, auf dem man die Filme abspielen kann.“
Stefan Schulz, Direktor des Gymnasiums Oedeme

Doch um die Pläne in allen Klassenräumen umsetzen zu können, sei die Grundvoraussetzung, dass in jedem Klassenraum ein Computer und eine Möglichkeit zur digitalen Präsentation mit Beamer zur Verfügung steht. Die Schüler könnten mit schuleigenen oder privaten Tablets oder Smartphones arbeiten. „Dazu benötigen wir WLAN in allen Räumen, was es noch nicht gibt.“ Angesichts von rund 40 Räumen, die damit an der Oberschule auszustatten wären, sei das Geld hier gut angelegt, werde aber nicht einmal dafür reichen. „Und dann haben wir noch nicht über Fortbildung der Lehrkräfte, Materialien, Software und Administration gesprochen.“

Froh über die Entscheidung zum Digitalpakt ist auch Thorsten Schnell, Direktor der Herderschule : Seine Schule habe gute Erfahrungen mit den sogenannten Tabletklassen gemacht, in denen alle Schüler ein eigenes Tablet nutzen können, ganz egal in welchem Fach. Schnell sagt deshalb: „Wir werden jeweils eine der kommenden 7. Klassen als Tabletklasse einrichten.“ Die 30 000 Euro könnten für die notwendige Infrastruktur verwendet werden, zum Beispiel die weitere WLAN-Ausstattung. „Das kommt den Tabletklassen, aber auch allen anderen Unterrichtsgruppen zugute.“

Stefan Schulz, Direktor des Gymnasiums Oedeme , ist ebenfalls glücklich über die Finanzspritze: „Wir brauchen das Geld dringend, denn wir haben großen Nachholbedarf, es fehlt an elementaren Dingen.“ Er nennt ein Beispiel. „In den Fremdsprachen steht Filmanalyse auf dem Lehrplan. Dazu brauche ich ein Gerät, auf dem man die Filme abspielen kann, möglichst in jedem Klassenraum. Ein entsprechend ausgestatteter Fachraum reicht da nicht.“ Mit den 30 000 Euro zusätzlich könne er sicher acht bis zwölf weitere Klassenräume jeweils mit Mikro-PC, Dokumentenkamera, Blue-Ray-Player und Beamer ausstatten. Tablets und Smartboards dagegen stehen nicht ganz oben auf seiner Wunschliste.

Er lobt das IT-Konzept des Landkreises als Schulträger, doch was den technischen Support angeht, seien die Schulen weitgehend auf sich allein gestellt. Meist kümmere sich der Lehrer mit dem meisten Fachwissen um die IT – und bekommt im Gegenzug ein paar Entlastungsstunden, die dafür selten reichen. „Das ist schon eine enorme Belastung, und da helfen die 30 000 Euro nicht viel weiter“, sagt Schulz.

Von Alexander Hempelmann