Aktuell
Home | Lokales | Dahlenburg | Die Lust am Laufen mit Hund
Bei dieser Sportart müssen Hunde mitziehen: Canicross ist ein Geländelauf, bei dem Sportler wie Ingo Babbel mit einem oder zwei Hunden durch eine flexible Leine verbunden sind. Im März findet in Dahlenburg ein Wettbewerb statt. (Foto: t&w)

Die Lust am Laufen mit Hund

Lemgrabe. Ein Leben ohne Hund ist möglich, aber sinnlos: Vicco von Bülow – bekannt als Loriot – war es, der diesen Satz geprägt hat – wenn auch mit dem Mops als spezifische Rasse. Ingo Babbel aus Lemgrabe kann dieser Erkenntnis ohne Wenn und Aber zustimmen: Der beste Freund des Menschen sei eben der Hund. „Vierbeiner stellen keine Leistungserwartung an Herrchen oder Frauchen – die Beziehung Hund-Mensch funktioniert bedingungslos“, findet der Lemgrabener: „Das ist etwas, was dem Menschen gut tut.“

Der 47-Jährige muss es wissen. Noch vor wenigen Jahren ging es ihm nämlich alles andere als gut: Körperlich und seelisch war er sprichwörtlich „auf den Hund gekommen.“ Dreifacher Burn-Out. Den Dienst als Bundespolizist musste Babbel aus gesundheitlichen Gründen quittieren. Vor acht Jahren wurde er frühpensioniert. Es war die Arbeit mit Hunden, die ihm aus dem körperlichen und seelischen Tief holte. „Die tägliche Arbeit mit den Hunden hat mein Leben bewusster gemacht und bereichert“, sagt Babbel wohlwissend, dass es noch immer Tage gibt, an denen sich die Krankheit wie ein großer, dunkler Schatten über sein Leben legen kann.

Läufer und Hund mit Leine verbunden

Doch dagegen arbeitet der Lemgraber an – getreu dem Motto: Mens sana in corpore sano – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Sport hat Ingo Babbel schon immer gern gemacht. Und der Umgang mit Hunden tut ihm gut. Warum also nicht beides miteinander verbinden? „Canicross“ nennt sich die Sportart, die Babbel für sich entdeckt hat. Was genau darunter zu verstehen ist, können interessierte Hundebesitzer und Zuschauer bei den „1. Dryland Masters“ am 23./24. März in Dahlenburg sehen und selbst ausprobieren.

„Canicross ist ein Geländelauf, bei dem der Sportler mit einem oder zwei Hunden durch eine flexible Leine verbunden ist“, erklärt Babbel. Die Rollen sind dabei klar verteilt: Führen darf nur der Hund. Der Zweibeiner hat zu folgen.

Teilnehmer aus ganz Europa

Die „1. Dryland Masters Gut Horn Dahlenburg“ – ein international besetztes Canicross-Event für Einsteiger – finden am 23./24. März jeweils in der Zeit von 9 bis 16 Uhr statt. Treffpunkt ist am Dahlenburger Sportzentrum. Erwartet werden bis zu 500 Teilnehmer aus ganz Europa an beiden Tagen. Daneben gibt es Infostände und einen Marktplatz mit Hundefutterartikeln und Hundezubehör.

Weitere Informationen: www.canicross-outdoorsports.de

„Diese Sportart erfreut sich auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit“. Mehr als 4500 aktive Sportler üben seinen Worten zufolge bundesweit den Sport aus. Viele treffen sich in regionalen Laufgruppen auf dem Hundeplatz oder ganz spontan in der Nachbarschaft. Selbst eine deutsche Nationalmannschaft gibt es inzwischen.

Neben Canicross gibt es auch noch Skijöring und Bikejöring. hier sind die Sportler auf Skiern oder auf dem Fahrrad mit den Hunden auf der Strecke.

Das Event in Dahlenburg tituliert Babbel als „Einsteiger- und Kennenlern-Veranstaltung“. Hier kann jeder Läufer mit jedem Hund teilnehmen.“ Zwei Streckenlängen stehen zur Wahl: 2,9 beziehungsweise 4,2 Kilometer lang, wobei die Läufer einzeln auf die Strecke geschickt werden. „Damit es nicht zu Rivaitätskämpfen und Beißereien zwischen den Hunden kommt“, erklärt Babbel.

Bewegung, nicht Bestleistung das Ziel

Der gut trainierte Hund zieht den Läufer. Etwa vier km/h schneller als man ohne Hund unterwegs wäre. Dadurch wird der Laufschritt länger. Das beansprucht die Oberschenkelmuskulatur. „Außerdem sind Bauch- und Rückenmuskulatur gefordert, denn die Leine wird an einem Geschirr, ähnlich einem Klettergurt, eingehakt, der auf den Lenden sitzt“, wissen erfahrene Läufer zu berichten. Wichtig sei, dass der Hund immer Zug verspüre. Denn der Vierbeiner merke sofort, wenn man das Tempo nicht mehr halten könne. Dann werde der Zug stärker und der Hund reduziere die Geschwindigkeit.

Aber nicht Bestleistungen sollen im März das Ziel sein – Ingo Babbel und seine Mitstreiter wollen vielmehr die allgemeine Lust auf mehr Bewegung wecken: Bei Zwei- und Vierbeinern. „Wir wollen Bewegungsangebote machen, ohne dabei missionieren zu wollen“, erklärt der 47-Jährige, der in seiner Zeit als Polizist auch zum Kreis der Personenschützer von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und Bundespräsident Roman Herzog (CDU) gehörte.

Dass Mensch und Hund viele Gemeinsamkeiten haben, davon ist Babbel überzeugt. „Um zu überleben und Beute machen zu können, musste der Mensch früher viel laufen“. Beim Hund, der schließlich vom Wolf abstammt, sei das nicht anders. Auch das Sozialverhalten von Hund und Mensch sei vergleichbar: „Beide leben in Gemeinschaften. Und beide könne auch schnell den Annehmlichkeiten der Wohlstandsgesellschaft verfallen – und bewegungsfaul werden: Unser Ziel ist es, Hund und Herrchen vom Sofa zu holen“, sagt Babbel schmunzelnd, getreu dem Motto: Fit und gesund durch Sport mit dem Hund.

Von Klaus Reschke