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Das Bleckeder Fährhaus steht bereits im vierten Jahr leer, der Besitzer findet keinen Pächter. Foto: t&w

Ein Geisterhaus am Anleger

Bleckede. Fenster und Treppenhandläufe sind verschmutzt durch Vogelkot. Im Aushang, in dem eigentlich die Speisekarte über die Spezialitäten des Hauses informie ren sollte, hängt ein reichlich vergilbter Zettel: „Wir gehen ab dem 21.09.2015 in die Winterpause… Ihr Fährhaus-Team.“ Seit fast vier Jahren steht das „Fährhaus“ am Bleckeder Hafen leer, ist sozusagen ein gastronomisches Geisterhaus. Das ärgert Bleckedes Bürgermeister Jens Böther (CDU), der sagt: „Dass bis heute kein neuer Pächter gefunden wurde, können auch viele Bürger nicht nachvollziehen.“ Besitzer der Immobilie mit Elbblick ist der Bleckeder Christian Breese. Der gibt für den jahrelangen Leerstand des Fährhauses in erster Linie der Stadt die Schuld.

Schuld hat aus Sicht des Besitzers auch die Stadt

Die will den Bleckeder Hafen attraktiver machen: Insgesamt wird die Aufwertung des Ports mit etwa 560.000 Euro zu Buche schlagen. Das Gesamtvorhaben ist in fünf Teile untergliedert, von denen zwei jetzt umgesetzt werden sollen: Die Herrichtung eines gestuften wassernahen Aufenthaltsbereichs mit Blick auf die Elbe und das „Anhübschen“ des Pontons „Johann“. Um das Vorhaben zu finanzieren, hatte die Stadt bereits vor zwei Jahren einen entsprechenden Förderantrag gestellt, der jetzt bewilligt wurde.

Fährhaus-Besitzer und Kommunalpolitiker Christian Breese sitzt für die UWB im Bleckeder Stadtrat – die Hafen-Umbaupläne findet er aber im Gegensatz zu seinen Ratskollegen gar nicht gut: „Wenn das Konzept wie geplant umgesetzt wird, gehen vor dem Fährhaus 26 Parkplätze verloren“, kritisiert der staatlich geprüfte Bautechniker. Ein gastronomischer Betrieb im Fährhaus funktioniere aber nur, wenn es vor dem Haus eben auch genügend Parkplätze gebe. Breese sagt: „Ich hätte einen Pächter an der Hand. Aber nur, wenn es auch genügend Parkplätze gibt!“

„Jetzt sind also wir das Hindernis? Das kann ja wohl nicht sein Ernst sein“, weist Böther Breeses Vorwürfe scharf zurück. Zur Parkplatzfrage sagt der Rathauschef: „Das sind Parkplätze im öffentlichen Raum, auf die Herr Breese gar keinen Anspruch erheben kann.“ Ziel der von der Ratsmehrheit beschlossenen Hafen-Aufwertung sei unter anderem auch, den Parkplatzsuchverkehr einzuschränken. Künftig werde es dort nur noch wenige Behinderten- und Kurzzeit-Parkplätze geben. Wer sein Auto länger abstellen wolle, könne dies auf dem nahe gelegenen Parkplatz am Bleckeder Haus tun.

Ausbleibende Gäste, ausbleibende Einnahmen

Im Übrigen glaubt Böther nicht, dass das künftige Hafen- und Parkplatz-Konzept schuld daran sei, dass das Fährhaus nunmehr schon im vierten Jahr leerstehe, noch immer kein Pächter gefunden sei: „Womöglich ist die von Breese geforderte Pacht zu hoch?“, mutmaßt der Bürgermeister.

Es ist nicht der erste Leerstand des Hauses, seit Breese das Gebäude 2010 in marodem Zustand gekauft hatte: Vom Schandfleck zum Schmuckstück wollte er die Gaststätte machen, die zuvor schon über drei Jahre leer gestanden hatte. Er ließ Teile abreißen, auf den Betonwänden des alten Gebäudes ein Café in drei Metern Höhe bauen.

Doch bereits 2013 gab der damalige Pächter Florian Casper auf. Das Hochwasser im Frühjahr habe ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht, berichtete er damals. „Insgesamt war ich sieben Wochen in der Hauptsaison von der Außenwelt abgeschlossen gewesen.“ Ausbleibende Gäste, ausbleibende Einnahmen. Er zog die Reißleine, betrieb das Lokal nicht weiter.

Rechtliche Schritte angekündigt

Als neue Gastronomin habe dann seine Frau das Lokal geführt, sagt Breese. Zwei Jahre lang, ehe auch sie aufgegeben hat. Seitdem steht das Fährhaus leer.

Verkaufen will Breese die Immobilie aktuell nicht. Obwohl es bestimmt genügend Interessenten gäbe, ist sich Böther sicher. „Wenn, dann möchte ich das Haus gut verkaufen“, sagt Breese, der es seit nunmehr acht Jahren besitzt. Er kündigt stattdessen an, notfalls wegen der Parkplatzfrage gegen die Stadt rechtliche Schritte einzuleiten. „Wenn die Baugenehmigung des Landkreises für den Umbau des Hafens vorliegt, werde ich Widerspruch einlegen“, gibt sich der Fährhausbesitzer kämpferisch: „Das lasse ich mir nicht gefallen!“

Von Klaus Reschke