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Die Grundschule Hasenburger Berg kommt nicht aus den Schlagzeilen: Nach den belastenden Bauarbeiten sorgte zuletzt ein Rücktrittsschreiben des Vorstands des Schulelternrats für Aufruhr. Viele Mütter und Väter haben das Gefühl, bei der Ausgestaltung des Ganztagsbetriebs nicht wirklich mitreden zu können. Foto: t&w

Wer muss den ersten Zug machen?

Lüneburg. Mehr als 100 Mütter und Väter hatten in der Mensa der Grundschule am Hasenburger Berg Platz genommen, viele von ihnen waren mit Stift und Zettel ausge stattet. Die große Frage an diesem Abend: Wann geht es endlich los mit der Ganztagsschule? Und vor allem: Wie soll diese inhaltlich aussehen? Eigentlich sollte die Umwandlung schon vor Jahren geschehen, die erste Genehmigung der Landesschulbehörde gab es im Juli 2015. Immer wieder sorgten umfangreiche Bauarbeiten für Verschiebungen des Starts und viel Ärger an der Schule. Da weitere Sanierungen auf Eis gelegt wurden, sollte es nun zum 1. August 2019 losgehen. Doch daraus wird vermutlich wieder nichts.

Bei den Ursachen sind sich Bildungsdezernentin Pia Steinrücke, die am Mittwochabend gemeinsam mit Bereichsleiter Thomas Wiebe zum Infoabend in die Schule gekommen war, und Marianne Borowski uneinig. So hält die Rektorin die Tatsache, dass es an ihrer Schule noch keinen Ganztagskoordinator gibt, für ausschlaggebend. „Die Stadt hat zugesagt, dass die Stelle ein halbes Jahr vor dem Start besetzt wird.“ Eine Ausschreibung gibt es, allerdings listet diese Teilzeitarbeitsplätze an der Anne-Frank-Schule, den Grundschulen Häcklingen, Im Roten Felde, Igel- und St.-Ursula-Schule auf, nicht aber an Lüneburgs größter Grundschule. Die Schulleiterin kann das nicht nachvollziehen und ist damit nicht allein: „Wir haben bei der Schulvorstandssitzung beschlossen, dass es nicht sinnvoll ist, zu beginnen, bevor der Koordinator nicht angefangen hat.“

Weil auch bei einer sofortigen Einstellung der zeitliche Vorlauf unzureichend wäre, herrsche unter Eltern und Lehrern Konsens, dass ein realistischer Beginn der Ganztagsschule erst zum Februar 2020 möglich sei, heißt es im Protokoll von der Februarsitzung. Und: „Es wird geplant, bei der nächsten Schulvorstandssitzung im Mai einen Aussetzungsantrag für die Ganztagsschule für ein halbes Jahr zu stellen.“

Unterschiedliche Auffassung von der Koordinatorenstelle

Dass die Schule den Koordinator so hochhängt, kann wiederum Pia Steinrücke nicht verstehen. Eine solche Funktion sei lediglich als Unterstützung der Schulleitung anzusehen, deren Aufgabe es sei, den Ganztag zu gestalten. „Mit dieser Erwartungshaltung wird das schiefgehen. Davor muss ich meine Mitarbeiter schützen.“ Für die Ganztagskoordinatoren habe sie intern lange kämpfen müssen, sagt sie. „Die Möglichkeiten, die uns vom Land gegeben werden, reichen nicht. Deshalb geben wir über die Koordinationsstellen zusätzliche Kapazitäten in die Schulen.“

Der Grundschule Hasenburger Berg habe die Stadt diese in Aussicht gestellt, „wenn das neue Konzept vorliegt und klar ist, wann der Ganztagsbetrieb startet“. Weil sich auf die bislang ausgeschriebenen Stellen 80 Bewerber gemeldet hätten, sei es kein Problem, auch jemanden für diese Schule zu finden, sagt sie. „Wir stehen bereit und warten auf die Entscheidung, die der Schulvorstand im Mai fällt.“

45 Minuten lang stellten die Eltern Fragen – zum Betreuungsschlüssel, zu den Kosten, zu Erfahrungswerten aus anderen Schulen. Zur Sprache kam auch die Umfrage, die bis zum 13. März läuft. Darin werden zwei Varianten von Ganztagsschule präsentiert: Während die eine Anwesenheitspflicht an drei festen Tagen (Dienstag bis Donnerstag) bis 15 Uhr vorsieht, bietet die andere die Möglichkeit, dass Eltern ihre Kinder zum Beispiel auch nur dienstags anmelden können.

Einfluss der Befragung der Eltern offenbar begrenzt

Schon das zweiseitige Schreiben verrät die Präferenz der Rektorin: Darin heißt es, dass bei der flexiblen Variante die Wahrscheinlichkeit, einen Kooperationspartner für den Ganztag und die Randzeitenbetreuung ab 15 Uhr zu finden, geringer sei. Noch hoffen sowohl Thomas Wiebe als auch die Schule, dass die „Rübe“ als Betreuungseinrichtung am Hasenburger Berg weitermacht. „Die Gespräche sind noch nicht abgeschlossen“, sagt er.

Borowski warb auch am Mittwochabend offensiv für Variante eins, brachte Argumente wie das Stammgruppenprinzip oder eine feste Bezugsperson für die Kinder an. Für ihre Bemerkung, dass die Umfrage keinesfalls als demokratische Abstimmung, sondern lediglich als Meinungsbild der Elternschaft zu verstehen sei, erntete sie Kopfschütteln aus den Reihen. Mütter und Väter fragen sich: Wieso überhaupt eine Befragung starten, wenn diese ohnehin keinen Einfluss auf die Entscheidung hat?

Von Anna Paarmann

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