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Der Vorstand der LCM blickt trotz Herausforderungen optimistisch in die Zukunft: (v.l.) Cornelius Schnabel, Vorsitzender Heiko Meyer, Ines Kruse und Eberhard Wedler. (Foto: Steinbrenner)

Der Einzelhandel setzt auf die richtige Mischung

Lüneburg. Die Sülzwiesen sollten als gebührenfreier Parkplatz für Mitarbeiter und Kunden erhalten bleiben – eine klare Ansage machte der Vorsitzende der Handelsorganisation LCM, Heiko Meyer, am Mittwochabend in Richtung Politik. Zur Jahresversammlung des Vereins in der bestens gefüllten Diele der „Krone“ waren neben den Geschäftsleuten auch Vertreter der Ratsparteien gekommen. Er sehe nicht, dass – wie von LCM-Mitgliedern gefordert – mehr Stellflächen in der Innenstadt oder längere Parkzeiten geschaffen würden. Eher gelte es, beispielsweise Parkplätze am Stadtrand anzulegen und dann einen Shuttleservice mit Bussen anzubieten.

Stadt will Lieferzeiten womöglich einschränken

Stadtkämmerin Gabriele Lukoschek betonte in ihrem Grußwort, dass das „Kaufhaus Lüneburg“ ein Motor der Wirtschaft ist: „Hier kauft man ein.“ Aktionen und Beratung lockten Besucher. Gleichwohl erklärte sie mit Blick auf die Diskussion um die Diesel-Fahrverbote, die Stadt werde der Entwicklung Rechnung tragen. So überlege sie, die Lieferzeiten von morgens bis 11 auf bis 10 Uhr zu kürzen, für Lieferanten könne man Vorgaben für Elektro-Fahrzeuge und die sogenannte Euro-6-Norm für Diesel machen. Umweltschutz und saubere Luft gehörten auch zu einer attraktiven Stadt.

Heiko Meyer warf einen Blick auf die Herausforderungen des Handels und zeichnete ein durchwachsenes Bild: Die Arbeitslosigkeit sinke, Löhne stiegen in vielen Branchen, die Kauflaune sei gut, gleichzeitig verdüsterten sich die Konjunkturprognosen, ein Stichwort sei der Brexit. Meyer ging erneut auf die Konkurrenz durch den Internethandel ein: Inzwischen werde jedes vierte Kleidungsstück in Deutschland online bestellt. Eine Alternative sei die App Kaufhaus Lüneburg: Ein Portal von Einzelhändlern, deren Kunden im Netz bestellen und die Ware dann über den Dienst Lüneboten nach Hause geliefert bekommen. Die Landeszeitung und andere Partner arbeiten hier mit der LCM zusammen. Meyer ist sich sicher: „Die Mischung macht’s.“

Dreiklang „Herzlichkeit, Begeisterung und Professionalität“

Welche Wege der stationäre Handel auch einschlagen kann, zeichnete Referent Stefan Richter auf, einer von drei Geschäftsführern der „Pier-14-Stores“, die an der mecklenburgischen Ostseeküste 18 Geschäfte mit 130 Mitarbeiter betreiben. In dem Angebot verbinde man Handel und Gastronomie in verschiedenen Variationen und Geschäften. Kunden können sich unter anderem in einem Sterne-Restaurant verwöhnen lassen, sich zuvor einkleiden und die passenden Kosmetikartikel dazu kaufen.

Man setzte auf den Dreiklang „Herzlichkeit, Begeisterung und Professionalität“, nach Persönlichkeitstests ausgewählte Mitarbeiter würden geschult und übertariflich bezahlt, um den Besuchern deren „Wünsche von den Augen abzulesen“. Die Unternehmensgruppe plant den Weg ins Internet.

Appell zur Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr

Getroffen habe die Kette die neue Bäderordnung. Konnten Geschäftsleute an der Küste bislang quasi jeden Sonntag öffnen, hat die Landesregierung in Schwerin die Tage verkürzt: „Das hat uns 700 000 Euro Umsatz gekostet, wir mussten 30 Leute freisetzen.“ Richter plädierte dafür, den Handel allein über Öffnungszeiten bestimmen zu lassen, der Gesetzgeber solle lediglich gute Rahmenbedingungen für die Beschäftigten vorgeben: Ausgleichstage, Zuschläge und ähnliches. Wie wichtig verkaufsoffene Sonntage auch in Lüneburg sind, machte Meyer deutlich: Im Vergleich zu anderen Tagen kommen dann doppelt so viele Kunden in die Läden.

Eine „Werbeblock“ für die Feuerwehr schoben der stellvertretende Stadtbrandmeister Volker Gätjens und Erich Hansen für den Stadtfeuerwehrverband, also den Förderverein der Brandbekämpfer. Die beiden baten um finanzielle Unterstützung für die Helfer und appellierten bei den Arbeitgebern für Verständnis dafür, dass Feuerwehrleute während des Jobs zum Einsatz gerufen werden können – auch um die Geschäfte in der Innenstadt zu schützen.

Von Carlo Eggeling