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Jens Wischmann (v. l.) lehnte trotz Mehrheit seine Wahl zum Vorsitzenden des Bauernverbandes ab – eine überraschende Entwicklung auch für Vorstandsmitglied Hubertus Meyer und Geschäftsführer Johannes Heuer (vorn). Foto: be

Bauern suchen neuen Chef

Erbstorf. Paukenschlag beim Bauernverband: Jens Wischmann, in den vergangenen zwölf Jahren Vorsitzender des Kreisverbands Lüneburg im Bauernverband Nordostniede rsachsen, lehnte am Donnerstag nach erfolgter Wahl für weitere drei Jahre die Annahme des Amtes ab. In geheimer Abstimmung hatten von den 55 anwesenden stimmberechtigten Mitgliedern 34 für den Landwirt aus Dehnsen gestimmt, elf Mitglieder hatten gegen ihn votiert, weitere zehn Mitglieder hatten sich enthalten.

Wischmann war völlig konsterniert: „Das ist sehr, sehr ernüchternd. In den vergangenen zwölf Jahren habe ich immer 100 Prozent der Stimmen bekommen. Der Rückhalt jetzt ist nicht so groß, wie ich es mir wünsche. Ich nehme die Wahl nicht an.“ Er habe in den kommenden drei Jahren für einen „vernünftigen Übergang“ an der Spitze des Verbands sorgen wollen. „Aber wenn das Vertrauen so gering ist, dann kann ich die Wahl nicht annehmen.“

Ein Jahr ohne Vorsitzenden

Ein Kandidat für die Nachfolge von Jens Wischmann fand sich in der Versammlung nicht. Bis zur nächsten Kreisversammlung im kommenden Jahr, so kam der Vorschlag aus der Runde der Mitglieder, solle der Verband von den drei verbleibenden Vorstandsmitgliedern geführt werden. Angesichts der guten Arbeit der hauptamtlichen Mitarbeiter in der Geschäftsstelle, so ein Landwirt weiter, sollte das auch kein Problem sein: „Dann haben wir ein Jahr Zeit, uns mit der Nachfolge zu beschäftigen.“

Vorwürfe gegen Wischmann auf Grund seiner geleisteten Vorstandsarbeit hatte es nicht gegeben – dafür Andeutungen. Man brauche jemanden als Vorsitzenden, der „alle mitnehmen kann, der alle eint“, meinte ein Landwirt in der Diskussion. Ob er, Wischmann, sich überlegt habe, das Amt weiter auszuführen?

Während die meisten Landwirte, vor allem auch angesichts des verregneten Jahres 2017 und des Dürrejahrs 2018, in Schwierigkeiten stecken, geht es Wischmann, Inhaber eines großen Betriebs in Dehnsen, gut. Gute Geschäfte habe er auch mit Grundstücksverkäufen und -käufen gemacht – einen Interessenkonflikt zwischen seiner Tätigkeit als Vorsitzender des Kreisverbands Lüneburg im Bauernverband Nordostniedersachsen und als Landwirt bestritt er vehement.

Hövermann neu im Vorstand

„Entscheidend für die Übernahme des Amtes ist, dass er engagiert ist. Dass er wirtschaftlichen Erfolg hat, kann doch nicht ausschlaggebend sein“, warf sich ein anderer Landwirt für Jens Wischmann in die Bresche. Die Mehrheit der Mitglieder des Bauernverbands sah das auch so. „Und zwei, drei vier Gegenstimmen hätte ich auch akzeptiert, aber elf Gegenstimmen und zehn Enthaltungen sind zuviel“, sagte Wischmann, der noch lange nach der Versammlung „völlig geplättet“ war.

Den Vorstand des Kreisverbands Lüneburg im Bauernverband Nordostniedersachsen bilden künftig die Vorstandsmitglieder Hubertus Meyer (Barskamp) und Werner Oldenburg (Artlenburg – beide wie bisher) sowie Carsten Hövermann (Kirchgellersen).

Hövermann wurde von den Mitgliedern einstimmig als Nachfolger von Alfred Ritters (Barförde) gewählt worden, der aus gesundheitlichen Gründen auf eine Wiederwahl in den Vorstand verzichtet hatte. Ritters wurde, in Abwesenheit, mit der Ehrenurkunde und der Silbernen Ehrennadel des Bauernverbands Nordostniedersachsen ausgezeichnet.

Von Ingo Petersen

Politische Gäste beim Bauernverband

Landwirtschaft mit vielen Problemen

Angesichts der Querelen um die Wahl des Vorsitzenden rückten die weiteren Themen der Kreisversammlung des Kreisverbands Lüneburg im Bauernverband Nordostniedersachsen in den Hintergrund. In ihren Grußworten versicherten die Bundestagsabgeordnete Julia Verlinden (Grüne), die Landtagsabgeordneten Uwe Dorendorf (CDU) und Andrea Schröder-Ehlers (SPD) sowie Kreisrätin Sigrid Vossers ihre Unterstützung für die Belange der Landwirtschaft. In ihren ausführlichen Berichten gaben Vorsitzender Jens Wischmann und Johannes Heuer, Geschäftsführer des Bauernverbands Nordostniedersachsen, einen ausführlichen Überblick über die Themen der Landwirtschaft, vom Dürrejahr 2018 über Unsicherheiten bei der Schweinehaltung und Probleme mit dem Wolf und der Düngemittelverordnung bis zu den Tücken der Energieerzeugung. Gastreferent Dr. Rolf Lessing vom Institut DELFI IMM in Potsdam berichtete über künftige Möglichkeiten, äußere Umstände, etwa das Wetter, und notwendige Maßnahmen in der Landwirtschaft, etwa die Aussaat, besser zu koordinieren. Sein Thema: „Wissen, was kommt, bevor es kommt.“