Aktuell
Home | Lokales | Genuss mit gutem Gewissen
Juliane Fribus, Mike Dunst (l.) und Leon Moewe hoffen auf den Erfolg ihres Becher-Projektes. Foto: t&w

Genuss mit gutem Gewissen

Lüneburg. Es ist eine kurze Karriere. 15, vielleicht 20 Minuten, dann ist der Zweck erfüllt und der Nutzwert gen Null gesunken. Der Pappbecher für den Kaffee un terwegs fristet eine traurige Existenz. Schon nach kurzem Gebrauch landet er im Müll oder wird sogar einfach achtlos in die Gegend geworfen, wo es angesichts seiner Beschichtung Jahrzehnte dauert, bis er verrottet. Sinnvoll ist das nicht. Finden auch Juliane Fribus, Mike Dunst und Leon Moewe. Sie wollen deshalb dafür sorgen, dass möglichst viele Lüneburger Cafés auf Mehrwegbecher mit Pfandsystem umstellen. „So könnte jeder Becher statt einmal bis zu 500 Mal genutzt werden“, schätzt Juliane Fribus.

In der eigenen Familie fündig geworden

Kommende Woche will das Trio losziehen und die Café-Betreiber in der Innenstadt von seiner Idee überzeugen. Mehr als 30 Lokalitäten kämen infrage, haben sie recherchiert. Dabei treibt sie nicht in erster Linie der Umweltgedanke an, der wäre quasi angenehmer Nebeneffekt, sondern ein schulischer Auftrag. Denn für die drei 18 beziehungsweise 19 Jahre alten Lüneburger, die an den Berufsbildenden Schulen I ihr Abitur machen wollen, ist das Becher-Projekt ein Teil ihrer Facharbeit. Mike Dunst erläutert die Aufgabenstellung: „Wir müssen für ein reales Unternehmen einen Mehrwert erzeugen, und das Ganze muss etwas mit Marketing zu tun haben.“

Die Lösung lag nah – zumindest für Juliane, die in ihrer Familie fündig wurde: „Mein Cousin hat in Bremen das Unternehmen Cup2date, die genau den Mehrwegbecher mit Pfand dort schon erfolgreich eingeführt haben“, erzählt sie. Zusammen mit ihren beiden Mitschülern möchte sie das Bremer Becherpfandsystem nun nach Lüneburg holen. Die ersten Becher in den Größen 0,25, 0,3 und 0,4 Liter Fassungsvermögen haben die drei bereits, um damit als Muster durch die Cafés zu ziehen. Das Prinzip: Der Käufer bezahlt zusätzlich zum Preis für seinen Kaffee einen Euro für den Becher, den er zurückbekommt, wenn er den leeren Becher wieder abgibt. Weil in Bremen viele Cafés mitmachen, kann man dort seinen leeren Becher auch an vielen Stellen wieder abgeben, muss also nicht zwangsläufig dasselbe Café ansteuern. „Oder man bringt ihn ausgewaschen einfach am nächsten Tag wieder mit“, sagt Juliane, die selbst übrigens eher Tee bevorzugt.

Becher sind aus Polypropylen

Die Becher sind aus Polypropylen, ein thermoplastischer Kunststoff, sie haben, wenn sie als Kaffeebecher dann doch mal ausgedient haben, ein zweites Leben und werden recycelt. Einen weiteren Vorteil nennt das Trio: „Unsere Becher werden nicht so wabbelig.“

Ihr Ziel haben sie zunächst bescheiden formuliert, Mike sagt: „Wir wollen erstmal ein Café dafür gewinnen, mitzumachen.“ Doch ganz egal, ob es klappt oder es am Ende sogar deutlich mehr werden, auf die Note ihrer Facharbeit, für die sie bis zum 29. April Zeit haben, habe das keine Auswirkungen, erläutert Leon: „Wichtig ist nur die Selbstreflexion: Dass wir erkennen, woran es gelegen haben könnte, wo wir eventuell Fehler gemacht haben und wie wir es hätten besser machen können.“

Mehr Informationen über das Becherpfandsystem gibt es unter www.cup2date.de im Internet.

Von Alexander Hempelmann