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Die Glasfaserleitungen laufen an Brietlingen vorbei. Angeschlossen werden die Haushalte des Ortes an die als zukunftssicher geltende Technik nicht. (Foto: t&w)

Brietlingen steckt fest auf Datenautobahn

Brietlingen. Fußwegplatten stapeln sich am Wegesrand, kleine Bagger heben Schächte aus, Arbeiter ziehen bunte Strippen hinein. Es tut sich derzeit einiges in Dörfern im Landkreis Lüneburg. Denn der Glasfaser-Ausbau durch die Telekom geht zügig voran. Doch nicht überall. Einige Orte in der Fläche erhalten keinen Anschluss an das moderne neue Glasfasernetz, wie etwa die Gemeinde Brietlingen. Dort werden bis auf einen Straßenzug keine weiteren Glasfaserleitungen verlegt. Das gilt auch für Bereiche in Artlenburg, Hohnstorf/Elbe und Scharnebeck.
Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn sagt, dass von den 6500 Haushalten in der Samtgemeinde Scharnebeck bis zu 2500 keinen Anschluss an das jetzt im Aufbau befindliche Glasfasernetz haben werden, davon alleine rund 1400 in Brietlingen.

1400

Haushalte in Brietlingen werden nicht an das Glasfasernetz angeschlossen. Insgesamt sind es 2500 von 6500 Haushalten in der Samtgemeinde Scharnebeck.

Grund dafür, dass sie außen vor bleiben, sind die Förderrichtlinien für das Projekt. Orte, in denen schnelles Internet etwa dank der Vectoring-Technik VDSL mit Bandbreiten von mehr als 30 Mbit/Sekunde im Download möglich sind, gelten als versorgt. Das trifft neben Brietlingen auch auf Kommunen im Vorwahlbereich 04131 zu. Das Vectoring ermöglicht auf den alten Telefonleitungen aus Kupfer Geschwindigkeiten von bis zu 250 Mbit/Sekunde und wird inzwischen mancherorts als Super-Vectoring angeboten und vermarktet.

15 400 Haushalte sollen Glasfaser-Internet erhalten

Der Landkreis fördert indes eine sogenannte Wirtschaftlichkeitslücke beim Aufbau eines Glasfasernetzes. Das bedeutet, dass er einen Betrag an die Telekom als beauftragtes Unternehmen zahlt, um ein schnelles Internet in der Fläche zu realisieren. Das sind insgesamt 16,7 Millionen Euro. Der Bund fördert das Projekt zur Hälfte mit knapp 8,4 Millionen Euro. Das Land gibt zwei Millionen Euro dazu. Der Landkreis und die Kommunen übernehmen jeweils 3,17 Millionen Euro. Das Projektgebiet für den Breitbandausbau umfasst die Stadt Bleckede, die Samtgemeinden Dahlenburg, Ilmenau (ohne Gemeinde Deutsch Evern), Ostheide (ohne Gemeinde Wendisch Evern), Scharnebeck sowie die Gemeinde Amelinghausen und den Ortsteil Stiepelse der Gemeinde Amt Neuhaus. Rund 15 400 Haushalte werden laut Landkreis einen zeitgemäßen Glasfaser-Internetzugang erhalten.

Glasfaser gilt als Königsdisziplin der Breitbandtechnik und als zukunftssicher. Es hat aus heutiger Sicht fast grenzenlose Übertragungsreserven, kein VDSL, kein Kabelanschluss und kein LTE kann technisch mithalten. Das weiß auch Laars Gerstenkorn. „Unser Ziel ist es deshalb schon immer gewesen, alle Haushalte in der Samtgemeinde zukunftssicher mit Glasfaser zu versorgen – das gilt auch für die in den etwas abseits liegenden Siedlungen Fischhausen, Ahrenschulter oder Bennerstedt“, sagt der Verwaltungschef.

Nicht mehr als Gespräche möglich

„Wir reden beim Thema schnelles Internet inzwischen über Daseinsvorsorge für die Bürger“, meint er ergänzend. Denn nicht nur das Freizeitverhalten im Entertainbereich in Privathaushalten mit beispielsweise TV, Film- und Musikstreaming sowie Onlinespielen wird sich seinen Worten nach weiter dahingehend verändern, dass noch größere Datenströme künftig noch schneller transportiert werden. Auch im Arbeitsleben werden Internetverbindungen jenseits der 30 Mbit/Sekunde im ländlichen Raum wichtiger. „Schon heute verbergen sich hinter den Fassaden von Wohnhäusern zahlreiche Büros und es gibt Prognosen, wonach die Zahl der Menschen, die in einem Homeoffice arbeiten, deutlich steigen werden“, so der Verwaltungschef. Zudem benötigen Handwerk und Gewerbe ein verlässlich schnelles Internet, um konkurrenzfähig zu sein, ergänzt er.

Doch bislang hat die Samtgemeinde noch keine Mittel und Wege gefunden, die weißen Flecken auf der Glasfaser-Landkarte in ihrem Gebiet zu beseitigen. „Wir geben uns damit nicht zufrieden und führen deshalb auch viele Gespräche. Aber zurzeit ist mehr nicht möglich“, räumt Gerstenkorn ein. Er hofft, dass neue Förderprogramme aufgelegt werden, um Glasfaser tatsächlich flächendeckend ausbauen zu können. „Denn ohne Förderprogramme geht es nicht, weil kommunale Mittel nach derzeitiger Rechtslage nicht in als versorgt geltenden Gebieten eingesetzt werden dürfen“, verdeutlicht er, dass eine Subvention auf diese Weise nicht möglich ist. Dennoch lote die Samtgemeinde Lösungen jenseits von Förderprogrammen aus, etwa mithilfe eines eigenen kommunalen Unternehmens ans Ziel zu kommen. „Ich glaube, das würde bei der Bevölkerung auf Akzeptanz stoßen“, so der Bürgermeister.

Ausbau in Eigenregie lohnt sich für Telekom nicht

Dass die Telekom die noch fehlenden Glasfaserleitungen in eigener Regie legt, schließt Unternehmens-Sprecherin Stefanie Halle aus. „Der Ausbau im ländlichen Raum ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern, Kommunen und privaten Unternehmen“, erklärt sie. Überdies müsse ein solches Vorhaben wirtschaftlich darstellbar sein, es muss sich lohnen. Tut es aber offenkundig nicht. „Bei einer guten Förderkulisse sind wir zum weiteren Ausbau bereit.“

Von Stefan Bohlmann