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Die Jobsuche im LZ-Stellenmarkt wird immer vielversprechender. In der Region gibt es es so wenig Arbeitslose wie zuletzt vor 27 Jahren. Foto: A/ahe

Der endlos scheinende Boom

Lüneburg. Die Wirtschaft boomt, davon profitiert der Arbeitsmarkt in Hansestadt und Landkreis Lüneburg. Bei einer Pressekonferenz präsentierten Kerstin Kuechler -Kakoschke, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen, und Angelika Brauer, Geschäftsführerin des Jobcenters, am Montag neue Rekordzahlen. „Die Arbeitslosenquote lag 2018 mit 5,4 Prozent um 0,2 Prozent unter dem 2017er-Rekordwert, durchschnittlich wurden 5165 Arbeitslose registriert, 115 weniger gegenüber 2017. Es ist der niedrigste Wert seit dem Jahr 1992“, sagt Kuechler-Kakoschke. Zum Vergleich: Im Bund lag die Quote bei 5,2, im Land Niedersachsen bei 5,3 Prozent.

Positiver Trend trägt bis in dieses Jahr

Diese positive Tendenz wird laut der Agentur-Chefin im laufenden Jahr fortgesetzt: „Nach der Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung geht die Arbeitslosigkeit in unserem kompletten Bezirk inklusive der Landkreise Uelzen, Harburg und Lüchow-Dannenberg 2019 um 5,5 Prozent zurück, die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten steigt gleichzeitig um 2,3 Prozent.“

Es gibt viel diskutierte Fragen: Welche Folgen bringt der Brexit? Und welche die US-Strafzölle auf Autos und der Handelskrieg mit China? Hier sagt Kuechler-Kakoschke klar: „Ich mache mir da keine Sorgen.“ In den Unternehmen sei ein anderes Thema deutlich wichtiger: „Der Fachkräftebedarf. Die Wirtschaft könnte eigentlich mehr Aufträge annehmen, dafür fehlt aber Personal.“ Ähnliche Erfahrungen hat Angelika Brauer bei Gesprächen mit Arbeitgebern gemacht. „Ich höre immer wieder: ,Wir brauchen nicht die Zuschüsse, wir brauchen die Leute.‘ Gefordert werden etwa Hausmeister, Elektriker und Monteure mit bestimmten Voraussetzungen, Qualifikationen. Die habe ich nicht“, sagt Brauer überspitzt. Zu diesen Voraussetzungen gehören beispielsweise beim Hausmeister, dass er auch mal abends oder nachts kommen und in Kauf nehmen muss, dass sein Arbeitsplatz nicht gleich um die Ecke liegt.

Mehr Chancen für Langzeitarbeitslose

Dass Agentur und Jobcenter Arbeitsmarktferne besser erreichen muss, ihnen die Chance zur Beteiligung am gesellschaftlichen und Arbeitsleben ermöglichen will, sodass die Betroffenen auch Vorbilder für ihre Kinder sind, da sind sich die Geschäftsführerinnen einig. Seit dem 1. Januar gibt es neue Förderinstrumente für den Bereich der Langzeitarbeitslosen mit deutlich höheren Zuschüssen als bisher: So erhalten Unternehmen, die Personen mit einem mehr als sechs Jahre dauernden ALG II-Bezug einstellen, in den ersten zwei Jahren 100 Prozent des Gehalts, danach eine niedrigere Staffelung für weitere drei Jahre. Für Personen, die mehr als zwei Jahre arbeitslos waren, gibt es zwei Jahre lang bis zu 75 Prozent Zuschuss. Und ganz neu: Gefördert werden jetzt auch Qualifizierungen, Praktika und Coachings auf der ersten Strecke im neuen Job.

Der Agentur Lüneburg-Uelzen steht für das Jahr 2019 für ihren kompletten Bezirk für ihre Angebote von der Berufsorientierung über die Weiterbildung bis zur Förderung von Beschäftigten ein Budget von 21,4 Millionen Euro zur Verfügung, was dem Vorjahresniveau entspricht, dem Lüneburger Jobcenter für Eingliederungsleistungen mit 9,7 Millionen Euro ein leichtes Plus. Bei Bedarf können die Etats aufgestockt werden.

Von Rainer Schubert

Hintergrund

Deutliches Plus bei Beschäftigten

58.362 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gab es mit Stand Juni 2018 in Hansestadt und Landkreis Lüneburg, ein Plus von 1749 Stellen oder 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Agentur registrierte dabei 16 096 Einpendler, also Arbeitnehmer, die andernorts leben, aber in Stadt und Kreis arbeiten.

68.479 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Wohnsitz in Stadt und Kreis Lüneburg wurden im Juni 2018 registriert, 1465 Personen oder 2,12 Prozent mehr gegenüber dem Vorjahr. 26.142 von ihnen waren Auspendler, also Arbeitnehmer, die hier leben, aber andernorts arbeiten – etwa in Hamburg, Winsen oder Uelzen.