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Der wegen schwerer Brandstiftung angeklagte Sudanese mit seinem Verteidiger Eike Waechter kurz vor Prozessstart in Saal 121 des Landgerichts. Foto: Michael Behns

Plante Brandstifter Selbstmord?

Lüneburg. 80 Feuerwehrleute löschen am Freitag, 5. Oktober 2018, ein Feuer in der Melbecker Asylbewerberunterkunft an der Uelzener Straße, dem ehemaligen Hotel Lindenhof. Durch Verrußungen und Löschwasser wird das Gebäude, in dem bis zu zehn Flüchtlinge lebten, unbewohnbar. Zwei Bewohner kommen mit Verletzungen ins Städtische Klinikum, darunter ein 32 Jahre alter Mann aus dem Sudan – und der gestand am Montag zum Prozess­auftakt vor der 3. großen Strafkammer am Landgericht Lüneburg, das Feuer gelegt zu haben.

32-Jähriger wollte Hilfe unterbinden

Die Anklage geht von schwerer Brandstiftung und folgendem Geschehen aus: Der 32-Jährige steckte um 17.41 Uhr zunächst das Sofa in seinem Zimmer in Brand, wirft später ein brennendes Stück Stoff in das Zimmer eines anderen Bewohners, dort fingen ein Sofa und der Teppich Feuer. Einer der Bewohner griff zum Handy, um die Polizei zu alarmieren, der 32-Jährige wollte es ihm wegnehmen, damit das Feuer hätte weiterbrennen können. Doch schließlich gelang der Anruf, Feuerwehr und Polizei waren schnell zur Stelle.

Der Angeklagte räumte am Montag lediglich ein, den Brand gelegt zu haben. Zum Tathergang, seinem Motiv und seiner Vorgeschichte samt Flucht aus dem Sudan äußerte er sich noch nicht, da zum Auftakt der psychiatrische Gutachter nicht dabei war, der seine Ausführungen am nächsten Prozesstag hören soll.

Pulsadern vor der Tat aufgeschnitten

Sein Verteidiger Eike Waechter allerdings gab eine Erklärung ab, nach der Selbstmordgedanken das Motiv sein könnten: „Unmittelbar vor der Tat hatte er sich die Pulsadern geöffnet.“ Anschließend habe er versucht, sich durch das Feuer zu töten. Das Städtische Klinikum habe dem Mann attestiert, dass er sich tiefe Schnittwunden zugefügt habe. Und ein Amtsrichter habe ihn wegen Eigengefährdung in der Psychiatrischen Klinik (PKL) unterbringen lassen: „Dort wurde ihm eine akute, vorwiegend wahnhafte Störung attestiert.“ Inzwischen allerdings sitzt er in Untersuchungshaft.

Rechtsanwalt Waechter ging auch auf die allgemeine Situation von Flüchtlingen aus dem Sudan und Äthiopien ein: „Viele verzweifeln am Asylverfahren, das drei, vier, manchmal fünf Jahre dauert.“ In dieser Zeit dürften sie nicht einmal Deutsch-Kurse belegen. Diesen Menschen könne das PKL auch aufgrund der Sprachbarrieren „bei allem Engagement nicht helfen“.

Vor dem Landgericht läuft noch ein zweites Verfahren gegen den 32-Jährigen. Das Amtsgericht hatte ihn wegen des betrügerischen Erlangens von Geld zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, er hatte falsche Identitäten angegeben. Gegen diese Entscheidung zog er in die Berufung.

Von Rainer Schubert