Donnerstag , 17. Oktober 2019
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Für einen Geburtstagsbesuch bei einer 90-Jährigen gibt es im Seniorenheim Lüner Hof keinen Raum. (Foto: A/t&w)

Kein Platz für alte Freunde

Lüneburg. Es sollte eine schöne Überraschung zum 90. Geburtstag werden, doch die wurde von weniger schönen Momenten überschattet. Ingrid Peter und drei weitere Damen der Sportgruppe des MTV Treubund wollten ihrer früheren Turnschwester Trixi Krage einen Geburtstagsbesuch im Seniorenheim Lüner Hof abstatten, doch ein Platz für die Fünf in einem der Gemeinschaftsräume wurde ihnen von der Heimleitung nicht angeboten.

Turnerinnen sollten in Café

„Uns wurde empfohlen, in ein nahes Café zu gehen, im Heim gebe es dafür keinen Platz“, berichtet Ingrid Peter, die sich nicht nur über die Absage, sondern auch über den „barschen Ton der Heimleitung“ sehr gewundert hatte. Das Ansinnen, mit ihrer früheren Mitturnerin in ein Café gehen zu müssen, nur um für ein paar Minuten zusammen zu sitzen und die Glückwünsche überbringen zu können, kann die 83-Jährige noch immer nicht nachvollziehen, „zumal sie füßig nicht mehr belastbar ist, trotz Rollator“.

Gemeinschaftsraum nur für Bewohner

Einrichtungsleiterin Andrea Peters rechtfertigt die Haltung ihres Hauses, sie könne sich zudem noch gut an die „unfreundliche Person, die hier hereinplatzte“, erinnern. Zwar sei man ein offenes Haus, in dem Besuche auch immer möglich seien, „für Extra-Aktivitäten mit mehr als zwei oder drei Personen ist aber leider kein Platz“. Besuche müssten dann auf den Zimmern der Heimbewohner stattfinden. Der einzige Gemeinschaftsraum sei den Heimbewohnern vorbehalten – erstaunlich, wo das Heim sich auf seiner Internetseite gleich mit „diversen Gemeinschaftsräumen“ sowie einem Speisesaal und einem Gemeinschaftsfernsehraum brüstet.

Warum es nicht auch einen Raum für Besuche und Feiern gebe, begründete Peters mit Hinweis auf die erforderliche Wirtschaftlichkeit für ihr Haus. Diese würde gefährdet, wenn von den vorhandenen 44 Bewohnerplätzen Räume für andere Zwecke abgezweigt würden.

Die vier Turnerinnen hatten sich letztlich doch für einen Besuch im Heim entschieden, „wir sind an ihrem Geburtstag einfach zu ihr aufs Zimmer gegangen“. Dort hätten sie „auf dem Bett, dem Rollator und dem Fußboden“ gesessen und gemeinsam „wunderschöne Minuten mit unserer alten Turnschwester gehabt, die sich riesig gefreut hat“.

Von Ulf Stüwe