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Westbahnhof
Die Betonelemente für den Umbau von Gleis 301 liegen am Westbahnhof schon bereit. (Foto: us)

Auch ein Tunnel wäre denkbar

Lüneburg. Es ist zwar nur ein kleiner Gleisübergang am Westbahnhof, allerdings einer mit gewisser Sprengkraft. Denn die Pläne der Bahn, ihn im Zuge der Umbaumaßnahmen an Gleis 301 zu beseitigen, haben bei den Verwaltungsspitzen von Stadt und Landkreis Lüneburg kürzlich die Alarmglocken klingen lassen. Sie befürchten, dass sich mit seinem Wegfall auch ihre Überlegungen zur Reaktivierung der Bahnstrecke Amelinghausen-Lüneburg für den Personenverkehr in Luft auflösen. Gegenüber der LZ erklärte die Bahn nun, zu Gesprächen bereit zu sein und überraschte mit neuen Vorschlägen. An ihrem Vorhaben will sie dennoch festhalten.

Bahn verschließt sich Gesprächen nicht

„Wir verschließen uns nicht Gesprächen, aber es geht hier um rechtliche Rahmenbedingungen, die man nicht negieren kann“, sagt Bahn-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis. Er reagiert damit auf den vor wenigen Tagen aus Lüneburg ausgesendeten Appell, sich vor den anstehenden Umbaumaßnahmen am Westbahnhof mit allen Beteiligten an einen Tisch zu setzen, „um ­konstruktiv an einer gemeinsamen Lösung“ zu arbeiten, wie Oberbürgermeister Ulrich Mädge gefordert hatte (LZ berichtete).

Hintergrund ist die Befürchtung von Stadt und Kreis, aber auch der Osthannoverschen Eisenbahnen AG (OHE), dass durch die Umbaumaßnahmen an Gleis 301 der Zugang zum benachbarten Gleis 302 nicht mehr möglich sein wird. Das aber würde Plänen entgegenstehen, dieses Gleis für die Zugverbindung nach Amelinghausen und weiter nach Soltau zu nutzen.

Der Mittelbahnsteig bleibt erstmal

Zwar versichert Meyer-Lovis, bei den Umbaumaßnahmen gehe es nur um die Ertüchtigung des Hausbahnsteigs 301 ­– „der Mittelbahnsteig bleibt erstmal liegen“ –, zugleich aber weist er darauf hin, dass es mit dem Rückbau des Gleisübergangs auch um die „Beseitigung einer Gefahrenquelle“ gehe. Meyer-Lovis: „Ein solcher höhengleicher Gleisübergang würde niemals vom Eisenbahnbundesamt genehmigt werden.“

„Hier sollten nicht vorschnell vollendete Tatsachen geschaffen werden“, mahnt Sebastian Schülke, Bahnbetriebsleiter der OHE, der die Strecke nach Soltau gehört. Schließlich liefen derzeit Überlegungen, wie die Zugführung durch Lüneburg auch vor dem Hintergrund von Alpha-E aussehen soll. „Dabei gibt es derzeit auch Überlegungen, am Westbahnhof wieder ein drittes Gleis zu errichten, das es vor Jahren dort schon einmal gab“ – eine Variante, die Schülke begrüßen würde, da der Güterverkehr, der jetzt bereits über Gleis 302 geführt wird, den Personenverkehr nicht behindern würde.

Gleisübergänge auch an anderen Bahnhöfen

Die Option, die aus Soltau kommenden Züge ebenfalls auf Gleis 301 zu führen, mache aus OHE-Sicht keinen Sinn. „Pendler, die nach Hamburg weiterfahren wollen, müssten zu lange auf den nächsten Anschlusszug warten, das ist wenig attraktiv.“

Nicht nachvollziehen kann Schülke auch das Argument der Bahn, höhengleiche Gleisübergänge seien nicht zulässig. „Solche Gleisübergänge wurden gerade erst an den Bahnhöfen in Wittingen und Bad Bodenteich neu gebaut, natürlich mit entsprechender Sicherung.“

Schülke plädiert daher für die Beibehaltung des Mittelbahnsteigs, „wir wären auch bereit, ihn komplett zu übernehmen“. Der Übergang könnte dann dort eingerichtet werden, wo die beiden Züge Kopf an Kopf an Gleis 301 halten werden. „Da muss es ohnehin einen Sicherheitsabstand geben.“

Bahn: „Beseitigung einer Gefahrenquelle“

Für Bahnsprecher Meyer-Lovis ist dies keine sinnvolle Variante. Wenn der Bahnsteig zugänglich bleiben soll, kämen für ihn nur zwei Lösungen in Frage: „Entweder über eine Fußgängerbrücke oder einen Tunnel.“ Auch vom Altenbrücker Damm aus sei ein Zugang denkbar. Auch das könne Thema der gemeinsamen Gespräche sein.

Meyer-Lovis versprach auch, dass der Landkreis in Kürze mit einer Antwort der DB Station und Service GmbH rechnen dürfe. Die Kreisverwaltung hatte sich an den Vorstandsvorsitzenden der für Bahnsteige zuständigen Bahn-Tochter DB Station mit der Bitte gewandt, die Rückbaupläne zu stoppen.

Von Ulf Stüwe