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Falknerin Ricarda Pietrusky vom Wildpark Müden mit dem europäischen Uhu „Esmeralda“ in der Grundschule im Roten Felde. Foto: t&w

Die mit dem Uhu lernen

Lüneburg. Seit Harry Potter streicheln viele Kinder eine Plüsch-Schleiereule „Hedwig“. Nur die wenigsten dürften aber je einem Uhu, der größten einheimischen Eule, übers weiche Gefieder gestreichelt haben. Für die Viertklässler der Grundschule im Roten Felde gilt dies nicht mehr. Sie bekamen am Dienstag im Klassenraum Besuch vom Wanderfalken-Weibchen „Ziva“ und dem imposanten Uhu „Esmeralda“. Britta Eggers und Ricarda Pietrusky vom Wildpark Müden in der Lüneburger Heide hatten die Raubvögel mitgebracht. Profitiert haben alle: Die gefiederten Lehrer hatten in der Winterpause bis zum offiziellen Flugschaubeginn am 16. März etwas Abwechslung.

Die Schüler lernten aus erster Hand über den „Falkenzahn“ und die orangefarbenen Augen „Esmeraldas“. Zum tierischen Unterricht gehörten auch Schätzaufgaben: Wie viele Kinder würden von einem Straußenei-Omelett satt? Über 20. Wie schnell kann ein Wanderfalke im Sturzflug werden? Fast 400 km/h. Um zu schätzen, wie schwer ein Wanderfalke ist, schlüpften die mutigen Viertklässler in den Falkner-Lederhandschuh und trugen „Ziva“. Schülerin Lele tippte auf 500 Gramm und war dicht dran. Tatsächlich bringt „Ziva“ 700 Gramm auf die Waage.

Aufs Raten verzichten konnten die Schüler bei der Frage nach dem größten Greifvogel. „Der Anden-Kondor“, hieß es umgehend. Der „Falkenzahn“, ein spitzer Auswuchs am Oberschnabel, stellte die Zehn- bis Elfjährigen hingegen vor Rätsel. „Der Wanderfalke ist ein Biss-Töter“, klärte Falknerin Ricarda Pietrusky auf, „mit dem Falkenzahn bricht er seiner Beute, anderen Vögeln, das Genick“.

Das Rätsel um „Hedwigs“ Augen

Das Phänomen, dass Harry Potters „Hedwig“ gelbe Augen hat, Waldkäuze dunkelbraune und Uhus orangefarbene, löste fantasievolle Spekulationen der Schüler aus. Tatsächlich sind dies Anpassungen an die Lebensweise. Nachtaktive Eulen wie Waldkäuze fangen das wenige Sternenlicht mit dunklen Augen ein, Esmeralda jagt auf lautlosen Schwingen in der Dämmerung. Schleiereulen hingegen jagen am Tag, wie die Greifvögel.

Die Grundschüler hatten erkennbar Spaß am tierischen Unterricht, spendeten „Ziva“ und „Esmeralda“ ausgiebig Applaus. Unterrichtsbesuche bietet der Tierpark Müden erst seit diesem Winter an. Eine der ersten Erfahrungen von Falknerin Pietrusky: Auch Greifvögel schwänzen gerne mal. „Wenn die Tiere keine Lust haben, merkt man es ihnen an. Dann schicken wir andere in die Klassen.“

Der Wildpark Müden liegt in der Gemeinde Faßberg. Er ist ganzjährig geöffnet. Infos unter: www.wildpark-müden.de

Von Joachim Zießler