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Der Umbau und die Erweiterung des Feuerwehrhauses Heiligenthal ist der größte Posten im Nachtragshaushalt der Samtgemeinde Gellersen. Foto: t&w

„Alles schön“ – oder was?

Reppenstedt. „Alles schön“ – die beiden Worte hatte Dietmar Meyer groß unter die Zahlen geschrieben. Während der jüngsten Sitzung des Gellerser Samtgemeinderate s präsentierte der Kämmerer die Eckdaten zur Finanzlage. Grund für die positive Sicht: Dank sprudelnder Steuereinnahmen kann Gellersen finanziell aus dem Vollen schöpfen. Der Rat nutzt den Spielraum für weitere Investitionen und zeigte sich dabei geschlossen: Einstimmig wurde der Nachtragshaushalt 2019 abgesegnet.

Kämmerer sieht Risiken für kommende Haushalte

Sein „alles schön“ wollte Meyer allerdings bewusst nicht so stehen lassen. Er werde auch Wasser in den Wein gießen, hatte er zu Beginn angekündigt. Schön seien zuerst die Überschüsse im Ergebnishaushalt, die Erträge klettern um 526.000 Euro auf 13,9 Millionen Euro. Steigende Umlagen und Zuweisungen spülen 829.000 Euro mehr in die Kasse. „Die Wirtschaft brummt“, so Meyer. Allerdings gebe es Risiken: Ein Schwächeln der Konjunktur, die Reform der Einkommenssteuer, sinkende Gewerbesteuer. Auch die Gebührenfreiheit für die Kitas belaste den Haushalt mit zusätzlichen 200.000 Euro. Und künftig sei mit Zusatzkosten zu rechnen, etwa für mehr Nachmittagsplätze in den Kitas, die deutlich stärker nachgefragt würden. Da die Investitionen überwiegend durch Kredite finanziert werden, klettert der Schuldenstand um weitere 2,3 auf 12,2 Millionen Euro. Zinsen und Tilgung belasteten den Haushalt immer stärker, so Meyer: „Das ist nicht so schön. Die Zukunft kann ganz anders aussehen.“

In ihren Stellungnahmen blieben die Fraktionssprecher überwiegend im „Alles schön“ – Modus. Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers (parteilos) legte vor: „Wir haben hier eine Toplandschaft, was Schulen und Kitas angeht, darauf können wir stolz sein. Das wird auch von den Eltern hoch anerkannt.“ Für die Mehrheitsgruppe CDU/SPD lobte Dr. Hinrich Bonin (SPD) die entstandene Infrastruktur als „Qualitätsprodukt“ und „zukünftige Messlatte“. Jürgen Hesse (SOLI) ging mit: „Unsere Einrichtungen sind über dem Durchschnitt.“ Johanna Al-Majmaie (Grüne) bezeichnete den Haushalt als „zukunftssichere Sache“, freute sich über „ein superschönes Feuerwehrhaus“ für Heiligenthal und sagte: „Wir sind nicht dazu da, auf Teufel komm raus Ausgaben zu vermeiden.“

Liberale kritisieren Finanzierung auf Pump

Auch Oliver Glodzei (Grüne) lobte die Familienfreundlichkeit der Kommune wie die Investition in Heiligenthal: „Wir bauen einen kleinen Feuerwehr-Standort aus und halten ihn attraktiv, indem wir ein Top-Equipment und eine Top-Immobilie bieten. Die Sache soll ja auch Spaß machen.“ Gedämpfter war die Begeisterung bei Anikó Hauch (FDP), die Investitionen in Schulen, Feuerwehr und Turnhallen zwar befürwortete, aber zugleich deren Finanzierung kritisierte: „Kredite müssen irgendwann auch wieder zurückgezahlt werden.“

Der ehemalige Gemeindebrandmeister Frank Thieme konnte sich mit den zahlreich erschienenen Feuerwehrleuten nicht nur über den Beschluss zum Bau des neuen Gerätehauses freuen, sondern auch über eine besondere Ehrung: Der Rat ernannte den Reppenstedter, der 16 Jahre an der Spitze der Gellerser Wehr gestanden hatte, zum Ehrenbrandmeister. Thieme habe sich herausragende Verdienste erworben, sagte Röttgers: „Dass die Feuerwehr so schlagkräftig ist, ist auch dein Verdienst. Du hast die Wehr in die Neuzeit geführt.“

Von Ute Klingberg-Strunk

Hintergrund

Nachtrag in Zahlen

Die größten Einzelposten bei den Investitionen: 600.000 Euro für den Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Heiligenthal, 380.000 Euro für den Bau der Schulmensa Kirchgellersen, 350.000 Euro für den Umbau des Westergellerser Kindergartens zu Schulräumen, 50.000 Euro für einen Löschwasserbrunnen in Heiligenthal, 140.000 Euro für einen Sportboden in der Schulturnhalle Reppenstedt, 95.000 Euro für die Erneuerung der Beleuchtung in der Gellersenhalle.