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LZ-Chefredakteuer Marc Rath. Foto: A/t&w

Es liegt nicht nur an einem

Wolf von Nordheim hat zweifellos Fehler gemacht. Ein Stadtrat ist keine Synode. Der leitungserfahrene Kirchenmann fremdelt nach zweieinhalb Jahren noch im Amt des Ratsvorsitzenden. Andererseits macht es ihm die Verwaltungsspitze und allen voran Oberbürgermeister Ulrich Mädge auch nicht leicht. Auf ein gedeihliches Miteinander ist das Präsidium zu oft nicht ausgerichtet gewesen. Und daran haben beide Seiten ihren Anteil.

Wie so manches in Lüneburgs Politik war und ist die Ratsvorsitzenden-Frage eine allzu sehr aufgeladene. 2016 haben CDU, Grüne und FDP mit den Linken der SPD das Amt aus der Hand geschlagen, um die „Dominanz des Oberbürgermeisters“ zu brechen. Das konnte nicht gut gehen, denn das kann keiner oder keine aus dieser Funktion heraus leisten. So ist der Abwahlantrag eine logische Konsequenz und die späte Rache der über den damaligen Coup zu Recht erzürnten Sozialdemokraten. Denn das ungeschriebene Gesetz, dass der stärksten Fraktion (nicht Gruppe!) der Vorsitz gebührt, wurde hier außer Kraft gesetzt.

Kommentar

Gelingt der Vorstoß, dürfte das Jamaika-Bündnis von CDU, Grünen und FDP auch formell beendet sein, inhaltlich existiert es seit einem Jahr nicht mehr. Verfehlt die SPD jedoch die Mehrheit, demontiert sich die einst so starke Partei auch in ihrer Hochburg Lüneburg.

Die fatale Schieflage im Rat beseitigt der Antrag jedoch mitnichten. Dazu wären ein Rückzug des Ratsvorsitzenden und deutlich mehr Rück(sicht)nahme des Oberbürgermeisters gegenüber anderen Meinungen im Rat nötig. Dann könnte wirklich die zweite Halbzeit unter neuen Vorzeichen beginnen.

Von Marc Rath
marc.rath@landeszeitung.de

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