Aktuell
Home | Lokales | Hoffen auf schnelles Internet

Hoffen auf schnelles Internet

Reppenstedt/Bardowick. Gemeinsam für den Breitbandausbau: Mit der Gründung eigener Unternehmen wollen die Samtgemeinden Bardowick und Gellersen den Bau eines Gl asfasernetzes auch für Bardowick, Vögelsen und Reppenstedt auf den Weg bringen.

Wie berichtet, hatte der private Investor NGN Telecom zuletzt in Reppenstedt einen Rückzieher gemacht, weil die Vorvertragsquote von 35 bis 40 Prozent zu niedrig war. Daraufhin hatten die Kommunen nach alternativen Wegen gesucht, um das Glasfasernetz in Bardowick, Vögelsen und Reppenstedt zu realisieren.

Diese drei Gemeinden gelten nicht als unterversorgt, da dort Bandbreiten von 30MBit pro Sekunde zur Verfügung stehen. In den anderen Mitgliedsgemeinden läuft derzeit der Ausbau des Glasfasernetzes in Kooperation mit der ElbKom auf Hochtouren.

Der Gesetzgeber verbietet den Kommunen zwar, in den als versorgt geltenden Bereichen selbst tätig zu werden, doch er verbietet nicht die Gründung eigener Unternehmen.

Gesellschaft umschifft Gesetzeshürde

Mit einem Kniff umschiffen Bardowick und Gellersen so die Hürde: Gegründet wird eine „Breitbandnetz Verwaltungsgesellschaft mbH“, die mehrheitlich in der Hand eines privaten Geschäftsmanns liegt. Den Part übernimmt das Planungsbüro LAN Consult aus Hamburg. Die Verwaltungsgesellschaft übernimmt Geschäftsführung und Haftung für die „Infrastrukturgesellschaft mbH& Co KG“, die das Glasfasernetz baut und vermietet.

Im Rat der Samtgemeinde Gellersen warb Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers für das Konstrukt, das „auf sicheren rechtlichen Beinen“ stehe: „Wir bauen das Netz und können mit den Pachteinnahmen Zins und Tilgung erwirtschaften.“ Zuhörerin Annette Richter mochte das nicht glauben: „Ich hab das Gefühl, ich sitze in einem schlechten Werbefilm.“ Sie wolle keinen Glasfaseranschluss und auch nicht, „dass das am Ende alle Bürger zahlen müssen.“ Röttgers versicherte, das Modell sei durchgerechnet für die bisherige Vorvermarktungsquote von 35 Prozent. Und: „Es wird definitiv kein Steuergeld für den Bau des Netzes eingesetzt.“

„Wir sind eben nicht gewinnorientiert“

Dass sich der Ausbau für die Kommune rechnet, während er für den Privatinvestor offenbar unattraktiv ist, erklärte Jürgen Hövermann (CDU) so: „Wir sind eben nicht gewinnorientiert.“

Auch in Bardowick warb Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann (CDU) tags darauf im Samtgemeinderat um Zustimmung: „Wir begeben uns auf den richtigen Weg, indem wir Eigentümer des Netzes werden.“ Dr. Markus Grube (CDU) sah das genauso: „Glasfaser ist so wichtig wie Wasser und Strom, das darf keine Frage des Ortes sein.“ Und Manfred Mundt (SPD) erklärte: „Unser Ziel ist eine zukunftsfähige Infrastruktur für alle Bürger. Der Deal ist nicht zu unserem Schaden.“

Beide Räte stimmten der Gründung der Gesellschaften einstimmig zu. Differenzen gab es in Gellersen jedoch um die Posten im Aufsichtsrat: Die Grünen wollten, dass von den zwei Sitzen einer an die Opposition gehen sollte. Die Gruppe CDU/SPD setzte jedoch mehrheitlich ihre Kandidaten Christian Purps (SPD) und Jürgen Hövermann (CDU) durch.

Laut Luhmann gilt für die bereits geschlossenen Vorverträge: „Wer darauf zurückgreifen will, kann das tun, muss es aber nicht.“ Das Angebot eines kostenlosen Anschlusses werde in jedem Fall bleiben. Ein zweiter Anbieter stehe ebenfalls bereit. Die Bürger würden dazu demnächst genau informiert.

Von Ute Klingberg-Strunk

Mehr dazu:

Investor macht Rückzieher bei Breitbandausbau

Spatenstich für Breitbandausbau

Breitbandausbau Landkreis Lüneburg: Samtgemeinden wollen nicht nur Kunden sein

NGN Telecom wird Netzbetreiber für Bardowick und Gellersen

Das neue Glasfasernetz wächst

Glasfaser kommt (vielleicht)

Frist verlängert, Messlatte tiefer gelegt

Die Zeit läuft ab