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Die bisherigen Planungen sehen vor, 100 Tonnen Beton am Westtrog des Schiffshebewerks auszutauschen. Nun könnten es im schlimmsten Fall bis zu 500 Tonnen sein. Foto: t&w

„Betonkrebs“ plagt die Planer

Scharnebeck. Es ist eine Überraschung, auf die Helge Meyer gerne verzichtet hätte: Betonkrebs. So nennt der Volksmund die chemische Reaktion, die dem Projektleiter der Sanierungsmaßnahmen am Schiffshebewerk Scharnebeck gerade zu schaffen macht. „Für uns kam das unerwartet, es ist ärgerlich“, sagt der Ingenieur.

Seit Mai 2018 wird der Westtrog des 1976 in Betrieb genommenen Bauwerks grundsaniert. Rund zwei Jahre waren für die Arbeiten angesetzt und, gemeinsam mit der 2012 abgeschlossenen Sanierung des Osttroges, ein Gesamtbudget von knapp 50 Millionen Euro. Von den Planungen von einst, muss sich Helge Meyer nun verabschieden.

„Man kann das alles von außen nicht sehen“

Während der Arbeiten am Betonbau zeigten sich größere Schäden als zunächst erwartet. Alkali-Kieselsäure-Reaktion nennen Fachleute das Phänomen, das tief im Beton – von Prüfern und Gutachtern unbemerkt – sein Unwesen trieb. Dabei reagieren die verarbeiteten Kiesel mit dem Beton – es entsteht ein Alkali-Kieselgel, das dazu neigt, Wasser aufzunehmen und zu Rissen und Abplatzungen im Beton führen kann. „Damals wusste man nicht, dass diese Kiesel mit dem Beton reagieren“, erklärt Meyer. „Das Problem ist auch, dass man das alles von außen nicht sehen kann.“

Bei der Betoninstandsetzung wird schadhafter Beton abgetragen und neu aufgespritzt. In den ursprünglichen Plänen ist von 100 Tonnen Betonabtrag die Rede, nun könnten es schlimmstenfalls 500 Tonnen werden. „Wir erarbeiten gerade mehrere Szenarien“, erklärt Helge Meyer. Im schlimmsten aller denkbaren Fälle geht der Fachmann von Mehrkosten in Höhe von einer Million Euro und einem Verzug der Bauarbeiten um sieben Monate, bis Februar 2021, aus.

Auch Pfeiler sind betroffen

Doch noch stecken Helge Meyer und sein Team mitten in den Planungen, die Probleme an der Baustelle möglichst kostengünstig und schnell in den Griff zu bekommen. „Wir arbeiten an den Kapazitäten, aber das ist relativ komplex“, erklärt er.

Mehr Arbeiter für die Abtragung des Betons einzusetzen könne sich wiederum auf andere Arbeiten auf der Baustelle auswirken.

Insgesamt ein kleineres Übel für den Projektleiter der Großbaustelle. Da von den Beschädigungen auch Pfeiler betroffen sind, hatte der Ingenieur zwischenzeitlich die Befürchtung, die Standfestigkeit des Bauwerks könnte durch die tiefgreifenden Arbeiten beeinträchtigt werden. „Der Verdacht hat sich aber nicht bestätigt. Parallel zu den Arbeiten haben wir den Bau durch einen Statiker überprüfen lassen.“ Der gab grünes Licht für die umfassende Betonsanierung.

Von Anke Dankers

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