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Sturm Versicherung
An der Halleschen Straße waren am 4. März Bäume auf zwei Autos gestürzt - zwei Fälle für die Kaskoversicherungen. (Foto: A/be)

Wer muss zahlen, wenn ein Sturm gewütet hat?

Lüneburg. Es sind stürmische Zeiten. Bereits Anfang März fegten Sturmböen über Hansestadt und Landkreis Lüneburg hinweg, richteten Schäden an, knickten etwa Bäume um. So fielen beispielsweise an der Halleschen Straße auf dem Kreideberg zwei abgebrochene Bäume auf zwei dort parkende Autos (LZ berichtete). Vor ein paar Tagen hinterließ Sturmtief „Eberhard“ seine Spuren. Mit weiteren Stürmen ist zu rechnen. Die LZ hakte nach bei Hendrik Hampel, Sprecher des Bezirks Lüneburg im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), wollte wissen: Welche Versicherung leistet Schadensersatz, was wird übernommen und was nicht?

Am einfachsten ist das bei Autos, die durch abgebrochene Äste, umgestürzte Bäume wie im Fall auf dem Kreideberg, Bautafeln oder Dachziegel beschädigt wurden, sagt Hampel: „Die Kaskoversicherungen zahlen, zwar abzüglich vereinbarter Selbstbeteiligungen, aber ohne Rabattrückstufung.“

Mancherorts Geschwindigkeiten über 140 km/h

Bei Wohnungs- und Gebäudeschäden sind ab Windstärke 8 (62,1 km/h und mehr) auch die Gebäude- und Hausratversicherungen für den Schadensersatz zuständig. „Eberhard“ beispielsweise erreichte mancherorts Geschwindigkeiten über 140 km/h. Die Folgen: abgeknickte und entwurzelte Bäume, abgedeckte Dächer, zertrümmerte Fensterscheiben, Überschwemmungen. Für solche Schäden sind die Gebäudeversicherung oder bei Mietern die Hausratversicherung zuständig.

Wenn allerdings Keller mit Regenwasser vollgelaufen sind, benötigen Hausbesitzer und Mieter eine sogenannte Elementarschadenversicherung. Hampel erklärt: „Diese kann in die bereits bestehende Gebäude- oder Hausratversicherung eingeschlossen werden und deckt auch Schäden von Starkregen, Erdrutschen und -senkungen und Lawinen ab.“ In Deutschland verfügten aber nur rund 40 Prozent der Wohnhäuser über diesen umfassenden Versicherungsschutz.

Mit dem Fernglas das Dach inspizieren

„Wenn Nachbars Baum oder ein Baum der Gemeinde sowie abgerissene große Äste schwere Schäden an Autos oder Häusern anrichten, hilft meistens nur die eigene Versicherung“, weiß der Experte: „Die kann später prüfen, ob dem Baumeigentümer ein Schuldvorwurf zu machen ist, ob er beispielsweise einen erkennbar kranken Baum vorher hätte entfernen lassen müssen und er daher Geld an die Versicherung erstatten müsste. Dies ist aber ein sehr seltener Fall, so dass man am besten die Jagd nach einem eventuell Schuldigen den Profis überlässt.“ Ist der eigene Baum umgefallen, sieht man nach, ob die hohen Entsorgungskosten für Holz und Geäst in der Gebäudeversicherung mitversichert sind.

Hauseigentümer, die nach erstem Anschein glimpflich davongekommen sind, sollten laut Hampel dennoch mal ihr Hausdach mustern: „Am einfachsten geht das mit einem Fernglas. Denn auch verschobene oder gerissene Dachziegel sind Sturmschäden, die auf Kosten der Gebäudeversicherung gerichtet werden sollten.“

Einen Tipp der Versicherer sollten alle Betroffenen beherzigen: Alle Schäden zügig melden, Dokumentationsfotos von Schäden sind wichtig und erleichtern die Schadensregulierung, die von den betreuenden Versicherungskaufleuten übernommen werden kann, sofern man seine Verträge direkt bei ihnen abgeschlossen hat.

Zunahme von Extremwettern

Wappnen für den Klimawandel

In der vergangenen Woche hat ein Tornado in der Eifel-Gemeinde Roetgen gewütet und Häuser abgedeckt. Für den Freitag werden in Niedersachsen stürmische Böen erwartet. Dass es im Klimawandel zu einer Häufung von Extremwettern kommt, erwarten nicht nur die Klimaforscher, sondern auch die Versicherer. Grund genug, abzuklären, ob die eigenen Versicherungen klimawandelgeeignet sind. lz

Von Rainer Schubert