Aktuell
Home | Lokales | BBS II kämpft um Schüler
Jürgen Rennekamp (vorn, l.), stellvertretender Leiter der BBS II, und die Schüler Max Vesper, Moritz Böhme, Anna-Marie Schwebke, Andreas Rzepa, Kevin Hafemann und Helge Groß bestaunen „Robotino“, mit dem die künftigen Schüler im Bereich Mechatronik arbeiten werden. Foto: be

BBS II kämpft um Schüler

Lüneburg. Die Vermittlung von Allgemeinbildung, wie sie auch an allgemeinbildenden Gymnasien gelehrt wird, verbunden mit berufsspezifischen Inhalten – das ist das Erfolgsrezept, das die Beruflichen Gymnasien an den Berufsbildenden Schulen (BBS) in den letzten Jahrzehnten so gefragt gemacht hat. In jüngster Zeit gehen die Anmeldezahlen dort aber zurück – besonders getroffen hat es in Lüneburg die Georg-Sonnin-Schule (BBS II).

Die negative Tendenz im Bereich der Beruflichen Gymnasien sei landesweit zu beobachten, berichtet Jürgen Rennekamp. Das gilt auch für die Berufsbildenden Schulen I und III in Lüneburg – wenn auch längst nicht so stark wie für die BBS II. Wohl der Hauptgrund sei die Umwandlung von Real- und Oberschulen in Integrierte Gesamtschulen, im Landkreis sind das zurzeit die IGS in Lüneburg und die IGS in Embsen, glaubt Rennekamp.

Rund 40 Anmeldungen für das Schuljahr 2019/20

Während früher zahlreiche Jugendliche von den Oberschulen mit ihrem erweiterten Realschulabschluss an die BBS gewechselt seien, um dort ihr Abitur zu machen, sei diese Zahl jetzt deutlich geringer. „Viele der Schülerinnen und Schüler bleiben jetzt einfach an ihrer IGS, machen dort ihr Abitur“, sagt Jürgen Rennekamp. Auch die Tatsache, dass an den allgemeinbildenden Gymnasien wieder das Abitur nach 13 Jahren, wie es das an der BBS schon vorher gegeben hat, eingeführt wurde, dürfte zur aktuellen Entwicklung beigetragen haben, glaubt der stellvertretende Schulleiter.

An der Georg-Sonnin-Schule seien es bis vor einem Jahr jeweils um die 80 Schülerinnen und Schüler gewesen, die in drei Klassen die gymnasiale Oberstufe in Angriff genommen haben. Rennekamp: „Rund drei Viertel davon sind von den Oberschulen gekommen, ein Viertel von den allgemeinbildenden Gymnasien.“

Zurzeit liegen, so Rennekamp, insgesamt erst rund 40 Anmeldungen für das Schuljahr 2019/20 vor, soviele Schülerinnen und Schüler wurden auch im Schuljahr 2018/19 aufgenommen. Das sei zu wenig, um das gymnasiale Angebot der Schule dauerhaft im bisherigen Umfang aufrecht zu erhalten.

Veränderte Schwerpunkte

Die Berufsbildende Schule II reagieren jetzt unter anderem mit veränderten Schwerpunkten. Wurden bisher die Bereiche Bautechnik, Metalltechnik und Elektrotechnik angeboten, so sind ab dem kommenden Schuljahr 2019/20 Informationstechnik und Mechatronik neu im Programm.

Gerade seien die Genehmigungen für die neuen Schwerpunkte erteilt worden – vom Landkreis über die Landesschulbehörde bis zu den Nachbarschulen, freut sich Jürgen Rennekamp. Der Bereich Bautechnik bleibt bestehen. „Da ist die Nachfrage weiter gut“, erklärt der stellvertretende Schulleiter.

Zu denen, die seit über einem Jahr an neuen Konzepten für die neuen Angebote arbeiten, gehören die Lehrer Mareike Wellmeier, Frank Lüdtke und Helge Otto. Um Jugendliche für die BBS II zu begeistern, soll ihnen „Robotino“ helfen, ein mobiles Robotersystem, an dem die Schülerinnen und Schüler des Schwerpunkts Mechatronik in ihren drei Jahren an der BBS II praxisnah lernen und arbeiten können. „Arduino“, eine „Physical-Computing-Plattform“ mit zahllosen Möglichkeiten, soll das Lernen im Bereich Informationstechnik lebensnah machen.

Anmeldefrist für das Schuljahr 2019/2020 verlängert

Auch mit verstärkter Öffentlichtkeitsarbeit will die BBS II um Nachwuchs werben. So werden ehemalige Absolventen der Georg-Sonnin-Schule an allgemeinbildenden Schulen über das Angebot informieren. Auch „Schnupperunterricht“ an den Berufsbildenden Schulen sei möglich, sagt Rennekamp.

Um noch Jugendliche, die auf das erneuerte Angebot der BBS II reagieren wollen, dorthin zu wechseln, zu erreichen, hat die Schule ihre Anmeldefrist für das Schuljahr 2019/2020 verlängert. Auch an den Berufsbildenden Schulen I und III sind Anmeldungen für das Berufliche Gymnasium weiterhin möglich.

Jürgen Rennekamp: „Was viele nicht wissen: Schülerinnen und Schüler erwerben bei uns die allgemeine Hochschulreife. Das heißt, sie können damit wirklich alles studieren.“

Von Ingo Petersen