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Tödliche Messerstiche
Der Eingang liegt an der hinteren Seite des Hauses. Hier kam es zum tödlichen Streit, bei dem es mutmaßlich um Drogen ging. (Foto: ca)

Tödlicher Streit um Drogen

Lüneburg. Offenbar glaubten der 39-Jährige und sein Begleiter, dass sie am Sonnabend gegen 20.30 Uhr in der Wohngemeinschaft am Deutsch-Evern-Weg Drogen abzocken könnten – ein tödlicher Irrtum: Nach ersten Ermittlungen der Polizei setzte sich das Opfer zur Wehr, bei einem Streit stach der 44-Jährige auf den 39-Jährigen ein, verletzte ihn so schwer, dass der Mann seinen Verletzungen noch vor Ort erlag. Der 44-Jährige rief die Polizei und wurde festgenommen. Nach dem zweiten Eindringling suchten die Beamten am Sonntag Abend noch, aber sie wissen genau, wen sie suchen – das dürfte es einfacher machen.

Die dramatischen Szenen spielten sich im ehemaligen China-Restaurant nahe der Friedrich-Ebert-Brücke ab. In der Nachbarschaft gilt der rote Ziegelbau als „Chaos-Haus“. Anwohner schildern: „Dort ist ein ständiges Kommen und Gehen, wer da alles wohnt, wissen wir nicht.“ Das heruntergekommene Gebäude und Sperrmüll, der dort lagere, „nerven“, doch „mit den Leuten haben wir keinen Kontakt und keinen Ärger“.

Regelmäßig Streitereien

Die Polizei spricht von einer Tat „in der örtlichen Betäubungsmittelszene“. Nachbarn werden deutlicher. Nach ihren Worten kam es in der Vierer-Wohngemeinschaft im Erdgeschoss regelmäßig zu Streitereien. Ein Paar sowie zwei einzelne Männer sollen dort leben. „Als ich am Sonnabend mit meinem Hund abends zurückgekommen bin, war hier Polizei. Die haben mich gefragt, ob ich den Hund aus der WG erst einmal nehmen kann“, berichtet ein Hausbewohner, der nach eigenen Worten in einem Methadon-Programm lebt, also einen Drogenersatz erhält: „In der Wohnung war alles voller Blut, selbst der Hund hatte Blutspritzer im Fell.“

In der Szene im Clamartpark sei bekannt, dass man in der Wohnung Heroin und Kokain bekommen könne, erzählt ein anderer Bewohner. Beide sagen, dass regelmäßig Kunden klingeln: „Das geht morgens um halb neun los und geht bis abends.“ Der Mann, der nun bei dem blutigen Streit starb, sei „gerade aus dem Knast gekommen“, er habe gemeinsam mit einem Komplizen den 44-Jährigen „abzocken“ wollen: „Das erzählen die anderen.“ Am Sonnabend sei die Polizei mit einem halben Dutzend Streifen- sowie Zivilwagen vorgefahren: „Überall Blaulicht.“ Auch mehrere Krankenwagen standen vorm Haus: „Aber dem konnten sie nicht mehr helfen.“

War es Notwehr?

Polizeisprecher Kai Richter sagte am Sonntag: „Wir rekonstruieren, wie sich das Ganze abgespielt haben dürfte.“ Man ermittle in einem Tötungsdelikt, doch seine Kollegen prüften auch, ob der 44-Jährige in Notwehr gehandelt haben könnte. Die Spurensicherung habe die Tatwaffe in der Wohnung gefunden. Eine Obduktion sollte am Sonntag Einzelheiten klären.

Richter ließ die Frage nach der Anzahl der Stiche ebenso unbeantwortet, wie die Frage, ob sich das Messer in der Wohnung befand oder die beiden Angreifer es mitbrachten. Das Amtsgericht habe Haftbefehl gegen den „psychisch angeschlagenen“ 44-Jährigen erlassen.

Von Carlo Eggeling