Mittwoch , 18. September 2019
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Wer Bienen helfen möchte, sollte darauf achten, dass es die gesamte Saison über im Garten blüht. Foto: Haase

(K)ein Schlaraffenland für die Bienen

Reinstorf. Gut gedacht, ist vielen Fällen nicht gleichbedeutend mit gut gemacht: „Ich habe es leider schon erleben müssen, das wohlmeinende Tierfreunde aus Unwi ssenheit ungewaschene Honiggläser ins Freie stellen, damit sich Bienen die Reste holen können“, berichtet Imker Holger Netzel aus Reinstorf. Diese falschverstandene Tierliebe ist ist aber hochgefährlich für die Insekten. Denn Honig aus dem Ausland enthalte häufig große Sporenmengen der Amerikanischen Faulbrut (AFB) – einer anzeigepflichtigen Tierseuche. Für den Menschen ist sie ungefährlich, für ganze Bienenvölker aber tödlich.

Waben vorher auf Unbedenklichkeit prüfen

Dass sich Netzel jetzt bei der LZ zu Wort gemeldet hat, hat einen Grund: Vor wenigen Tagen hatte die LZ das Foto einer Leserin veröffentlicht, die in bester Absicht Honigwaben in ihrem Garten ausgelegt hatte – als vermeintlich willkommene Futterquelle für die Insekten in noch blütenarmer Zeit. Aufgrund der AFB-Gefahr sei das aber ein Verstoß gegen das Bienenseuchengesetz, wenn die Waben zuvor nicht auf Unbedenklichkeit geprüft wurden. Dass das im konkreten Fall gemacht wurde, kann sich Netzel nur schwer vorstellen.

Holger Netzel aus Reinstorf ist Imker. Er erklärt was man für die Bienen tun kann und was man besser sein lassen sollte. Foto: kre
Holger Netzel aus Reinstorf ist Imker. Er erklärt was man für die Bienen tun kann und was man besser sein lassen sollte. Foto: kre

Diese Art der Bienenfütterung stößt auch bei Ludwig Schwab vom Lüneburger Kreis-imkerverein auf Unverständnis. Er erklärt: „Wenn die Ammenbienen die Bienenlarven mit infiziertem Futter versorgen, vermehrt sich der Erreger im Darm und tötet in wenigen Tagen.“

Nach dem Verwesen der Larven verwandeln sich die Bakterien in widerstandsfähige Sporen, die über Jahrzehnte infektiös bleiben. Im Honig und im Wachs der Bienenvölker sind Unmengen von Sporen, die alle nachwachsende Brut vernichten, das Volk wird schwächer und stirbt nach einiger Zeit an Überalterung.

„Es gibt nichts Schöneres“

Doch damit nicht genug: Gesunde Bienen kommen aus der Umgebung, holen den verbliebenen (infizierten) Honigvorrat und tragen so die AFB weiter.

Schwab weiß von einem Fall in einem norddeutschen Zoo zu berichten, in dem vor einigen Jahren Bären mit ausländischem Honig in Baumhöhlen verwöhnt worden seien. Den Bären habe der süße Honig geschmeckt, den Bienen sei er aber schlecht bekommen.

Was es bedeutet, wenn die Amerikanische Faulbrut in den eigenen Bienenvölkern festgestellt wird, musste Netzel 1995 schmerzhaft selbst erleben: „Ich konnte meine komplette Imkerei in die Tonne kloppen“, sagt er – „das war keine schöne Erfahrung.“

Aufgegeben hat der Reinstorfer aber nicht, betreibt die Imkerei bis heute mit großer Begeisterung. „Es gibt nichts Schöneres“, sagt der studierte Bildhauer: Ich arbeite schließlich in der Natur, mit der Natur und für die Natur!“

Deshalb begrüßt der Imker aus Reinstorf, dass sich immer mehr Menschen für das Wohl der Bienen engagieren, sich für den Erhalt der Arten- und Insektenvielfalt einsetzen wollen.

Die Auswahl der Blühpflanzen ist wichtig

Doch was können Grund- und Gartenbesitzer tun, um die Gärten bienenfreundlich zu gestalten? „Für ein gutes Nahrungsangebot sorgen“ bringt es Netzel auf den Punkt. Wichtig sei, dass man für die Bienen ein ganzjähriges Nahrungsangebot geschaffen werde. „Ein Staudenbeet kann so angelegt werden, dass zwischen März und Oktober immer etwas blüht“, empfielt auch der Nabu.

Achten müsse man jedoch bei der Auswahl der Blühpflanzen darauf, dass es sich bei Pflanzen um solche mit „ungefüllten“ Blüten handelt. Denn nur in denen finden Bienen die für sie überlebenswichtigen Pollen und Nektar. Überdies sollten die verblühten Pflanzenstängel nicht alle zurück geschnitten werden, denn einige Bienenarten nutzen sie als Nist- oder Schlafplatz. In den hohlen Stängeln überwintern die Larven und schlüpfen dann im Frühjahr.

Selbst auf kleinstem Raum kann man Gutes für die Insektenwelt tun, weiß Imker Netzel. Wege- und Rasenränder bieten sich an, um dort Blühpflanzen auszusäen, auch Blumentöpfe und -kübel können so bepflanzt werden, dass die Honigsammler auch noch im Herbst ein gutes Angebot an Pollen- und Nektarquellen finden.

Von Klaus Reschke

Hintergrund

Gutes für die Bienen tun

Der Nabu hat einige Beispiele für bienenfreundliche Gartengewächse aufgelistet:

Im Blumenbeet bieten sich demnach Schafgarbe, Akelei, Lavendel, Lupine, Wilde Malve und Astern an.

Bäume und Sträucher: Schlehe, Pfaffenhütchen, Kornelkirsche, Weißdorn, Wilder Wein und Efeu.

Gemüsebeet: Ackerbohnen, Kleeraten, Borretsch, Ringelblumen, Zwiebeln oder Gewürzkräuter.