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Günter Nehring mit Landrat Manfred Nahrstedt (l.) und Oberbürgermeister Ulrich Mädge (r.). Nehring und seind Hund Apollo gehörten ins Lüneburger Stadtbild. Jetzt ist er gestorben. (Foto: privat)

Der Mann mit dem Hund ist tot

Lüneburg. Günter hatte immer etwas zu erzählen. Herzlich, freundlich, neugierig. Er war das, was man zurückgeblieben nennt. Das spielte keine Rolle. Auf seinen Spaziergängen mit seinem Hund Apollo rund um den Kalkberg machte er Halt, um Bekannte oder Passanten anzusprechen. Gern mit der Bitte, ihn zu fotografieren oder ein kurzes Video zu drehen. Die Bilder stellte er dann bei Facebook online. Ein Beispiel seiner Texte: „Gute Morgen es ist eine neue Woche Heute am Montag den 7.1.2019 und Ich Günter und der Apollo Wau Wau wünschen alle eine Gute und Gesunde Woche mit viel Freude Lebe Grüße aus Lüneburg.“ Das zu lesen, zauberte vielen ein Lächeln ins Gesicht. Jetzt ist Günter Nehring im Alter von 55 Jahren an einer Lungenkrankheit gestorben, am Freitag war die Trauerfeier.

Sein Freund Markus Kröger sagt über ihn: „Ich hatte ihn sehr ins Herz geschlossen.“ Günter habe vor Jahren eines Tages im wilden „Zickengarten“ zwischen Kalkberg und Sülzwiesen gestanden, wo Pflanzen so wachsen dürft, wie sie wollten – und das gilt auch für die vielen Besucher, die eher unangepasst leben. Ex-Nachbar Daniel Wieblitz ergänzt: „Günter gehörte dazu, er war ein Altstadt-Unikat.“

Eine neue Bleibe für Apollo

Am Tag der Arbeit, also am 1. Mai, sprach er Landrat und Oberbürgermeister an, klar gab‘s hinterher ein Bild der drei Herren. Apollo Wau Wau war selbstverständlich dabei. Günter, der an der Salzbrückerstraße lebte, ging zur Tiertafel, um Futter zu besorgen und zu schnacken. Hinterher erzählte er von seinen Touren bei Facebook wie in einem großen öffentlichen Tagebuch. 288 Freunde hatte er dort, die ihn gern zurück grüßten.

Seit Monaten machte ihm die Gesundheit zu schaffen, Probleme mit den Augen und der Lunge plagten ihn. Viele nahmen Anteil und wünschten ihm gute Besserung. Jetzt ist er gegangen, einer der anders war und trotzdem dazugehörte.

Apollo hat über die Tiertafel eine neue Bleibe gefunden. Darum habe er sich gekümmert, sagen Freunde. Ehrensache, den Hund liebte er und fühlte sich verantwortlich. Günni, mach‘s gut auf Deiner letzten Reise. Wünscht Dir bestimmt auch Apollo Wau Wau.

Von Carlo Eggeling