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Christian Voigt (l.) und Kreisjägermeister Hans-Christoph Cohrs haben 2019 alle Hände voll zu tun. Die Arbeit im Verein fordert die beiden ebenso wie die Bekämpfung der Schweinepest. Foto: t&w

Lüneburger Jägerschaft am Rande der Auflösung

Bardowick. Es war eine denkwürdige Sitzung der Lüneburger Kreisjägerschaft am Sonnabend in Bardowick, schwebte doch lange Zeit über den Köpfen der Jäger das Damoklesschwert: Denn was wohl nur wenige Eingeweihte und Vorstandsmitglieder der Kreisjägerschaft wussten – die Zukunft der Lüneburger Jägerschaft hing in der Tat buchstäblich am seidenen Faden. Warum? Das erklärte Vorsitzender Christian Voigt: Dem oblag nämlich in den vergangenen Wochen die schwierige Aufgabe, für die Posten des zweiten Vorsitzenden, des Schatzmeisters und des Schriftführers potentielle Interessenten zu begeistern. Dabei holte sich Voigt, der vor zwei Jahren den Vorsitz der Lüneburger Jägerschaft übernommen hatte, lange Zeit nur Absagen.

Amt des Schatzmeisters bleibt vakant

Der Vorsitzende der Lüneburger Jägerschaft hatte sich nach eigenem Bekunden deshalb bereits bei der Landesjägerschaft in Hannover juristisch beraten lassen für den Fall, dass auch am Sonnabend während der Hauptversammlung im Schützenhaus in Bardowick die vakanten Vorstandsposten unbesetzt bleiben. „Dann,“ so Voigt, „würden auch die verbliebenen Vorstandsmitglieder ihre Ämter niederlegen – mit der Folge, dass das auch das Ende der Kreisjägerschaft bedeuten würde, der Verein sich in diesem Fall auflösen müsste.“

Doch so weit kam es dann doch nicht. Buchstäblich im letzten Moment zauberte Voigt dann doch noch einen Personalvorschlag aus der Tasche, der von der Versammlung denn auch einstimmig akzeptiert wurde: Der bisherige Schriftführer Franz-Josef Flögel aus Barnstedt übernimmt den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden, zur neuen Schriftführerin wählten die Jäger dann – ebenfalls ohne Gegenstimme – Karin Teuchert aus Gödenstorf.

„Früherkennung ist alles!“

Für Schatzmeisterin Gretel Schulte, die sich wie angekündigt nach zwölf Jahren nicht mehr zur Wiederwahl stellte, fand sich am Sonnabend allerdings kein Nachfolger. Deshalb wird Vorsitzender Christian Voigt die Geschäfte des Schatzmeisters vorerst in Personalunion mit übernehmen. Sollte sich auch in nächster Zeit kein Interessent aus den Reihen der Jägerschaft finden, denkt Voigt darüber nach, für die Position des Schatzmeisters jemanden einzustellen. „Die Satzung gibt das her!“ betonte der Vorsitzende, der sich am Ende des Wahlganges ziemlich erleichtert – und auch ein wenig demütig – zeigte:

„Als ich vor zwei Jahren hier vorne stand und zum neuen Vorsitzenden gewählt worden war, hatte ich versprochen, vieles anders zu machen als mein Vorgänger“, rekapitulierte Voigt – „Ich versprach, alte Zöpfe abzuschneiden, die Jägerschaft zu erneuern.“ Jetzt aber müsse er einräumen, dass der Spagat zwischen Tradition und Zukunft schwerer sei, als anfänglich gedacht.

Nichtsdestotrotz aber habe die Jägerschaft im Kreis auch viele Erfolge vorzuweisen. Darauf wieß nicht nur Voigt, sondern auch Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) hin: Etwa bei der Bekämpfung der Amerikanischen Schweinepest (ASP): „Glaubt man den Experten, dürfen wir uns nicht darauf verlassen, dass unsere Region von der Seuche verschont bleibt“, mahnte der Kreis-Chef und appellierte daher an die Jägerschaft: „Früherkennung ist alles!“ Denn nur wenn man die ASP als solche schnell erkenne und entprechend handle, habe man die Chance, eine großflächige Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Deshalb Nahrstedts dringende Bitte: Bei jedem Stück Schwarzwild, das geschossen oder tot gefunden wird und bestimmte Auffälligkeiten zeigt, sollte eine Blut- oder Organprobe genommen und eingeschickt werden.

Im Einsatz gegen die Seuche

Diesen Ratschlag kann auch Kreisjägermeister Hans-Christoph Cohrs nur unterschreiben: „Wichtig ist, dass wir die Augen offenhalten und jede gefundene Sau beproben: Der Erfolg der ASP-Prävention liegt im schnellen Auffinden toter Sauen.“

„Die Jagd, so wie wir sie lieben, wird eine andere sein, wenn es uns nicht gelingt, die ASP im Keim zu ersticken“, warnte der Landrat, der sich auch zum Thema Wolf äußerte: Er sehe die Rückehr des Raubtieres kritisch, zumal der Landkreis Lüneburg der mit den meisten Wolfsrissen in ganz Niedersachsen sei. Für die Natur mag die Rückkehr des Wolfes ein gutes Zeichen sein, „aber die Sicherheit der Menschen muss an erster Stelle stehen“, betonte der Landrat, der in dieser Funktion das letzte Mal an der Versammlung teilgenommen hatte.

Wie berichtet, scheitet Nahrstedt auf eigenen Wunsch vorzeitig zum 31. Oktober aus dem Amt aus. Mit der „Ehrenfanfare“ der Böhmsholzer Jagdhornbläser unter Leitung von Wolfgang Jentsch verabschiedeten die Jäger Manfred Nahrstedt aus ihren Reihen.

Von Klaus Reschke