Dienstag , 17. September 2019
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Ein Einbrecher kann’s nicht lassen

Lüneburg. Am 10. November 2017 öffnete sich das Gefängnistor für einen heute 54 Jahre alten Lüneburger, vier Jahre und zehn Monate hatte er wegen einer für Schl agzeilen sorgenden Einbruchsserie gesessen. Sieben Monate später, am 9. Juni 2018, startete er erneut eine Serie in Lüneburg. Dafür muss er nun weitere drei Jahre hinter Gitter. Die 9. kleine Strafkammer am Landgericht Lüneburg verwarf seine Berufung und bestätigte ein Urteil des Amtsgerichts.

Justizvollzugsanstalten, aber auch die Psychiatrie kennt der Mann bestens. Schon als Jugendlicher saß er wegen Diebstahls und sexueller Nötigung ein. Es folgten Aufenthalte hinter Gittern unter anderem wegen Diebstahls, Körperverletzungen und Beleidigungen. 1991 schließlich wies ihn ein Landgericht nach weiteren Taten aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung in eine psychiatrische Anstalt ein, in der er bis 2010 blieb. Kaum entlassen, fing er sich Geldstrafen wegen Betrugs und Urkundenfälschung ein.

Er wollte Schrott zu Geld machen

Der Vorsitzende Richter Matthias Steuernagel traf mit ihm jetzt auf einen alten Bekannten: Denn er hatte den Mann 2013 wegen siebenfachen Wohnungseinbruchsdiebstahls und sechs versuchten Einbrüchen zu den vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Damals wollte der Angeklagte Schrott zu Geld machen, sammelte Schrott und verkaufte ihn an einen wie er in Kaltenmoor lebenden Händler. Die beiden fassten den Plan, ihre Portemonnaies durch Einbrüche dicker werden zu lassen. Dabei setzten sie auf eine neue Masche. Sie besorgten sich in Discountern und andernorts haufenweise Prospekte. Dann marschierten sie mit einer Umhängetasche durch die Straßen, einer klingelte an den Häusern. Öffnete jemand, konnten sie vorgeben, Prospekte zu verteilen. Öffnete niemand, versuchten sie in der Regel über die Terrassentüren ins Gebäude zu kommen. Die Beute setzten sie dann bei Pfandleihern in Hamburg in Geld um.

„Das wird dann richtig teuer“

Allein aus einem Haus nahmen sie Gegenstände im Wert von 25.000 Euro mit, wobei sie allerdings keinen Expertenblick für Wertvolles bewiesen: Ein altes Besteck im Wert von 4000 Euro entsorgten sie im Müll. In seiner Urteilsbegründung machte Richter Steuernagel dem Angeklagten damals klar, was ihm bei erneuten Straftaten blühe: „Das wird dann richtig teuer.“

Richtig teuer wird‘s nun für folgende Taten: Am 9. Juni 2018 hebelte er am Finkenberg eine Terrassentür mit einem Schraubenzieher auf, kam so ins Gebäude. Doch die mutige, in Arizona lebende Hausbesitzerin, die nur die Sommermonate in Lüneburg verbringt, war im Gebäude, hörte Geräusche und traf schließlich auf den Einbrecher, der prompt das Weite suchte. Ohne Beute blieb er auch am 18. Juni, drei Versuche, eine Terrassentür am Moorweg aufzuhebeln, misslangen. Am 14. Juni allerdings gelang es ihm, aus einem Haus an der Straße Im Korb alten Schmuck, 250 Euro in bar und dänische Kronen zu erbeuten – geschätzter Schaden: 5000 Euro. Den Schmuck verkaufte er, wollte am Montag aber nicht den Käufer nennen: „Ich bin nicht verpflichtet, Leute zu denunzieren.“ Macht also unterm Strich zwei versuchte Wohnungseinbruchsdiebstähle und einen vollendeten Einbruch – und drei Jahre Haft.

Von Rainer Schubert