Aktuell
Home | Lokales | Fleischbranche im Wandel
Christoph Dahlmann (l.) im Gespräch mit Neuland-Geschäftsführer Martin Schulz. Foto: t&w

Fleischbranche im Wandel

Lüneburg. „Heute morgen habe ich überlegt, was ich zur Nachhaltigkeit berichten könnte. Ist Biofleisch da überhaupt die beste Alternative?“ Mit diesen Worten begrüßt Christoph Dahlmann, Vorstandsmitglied der Erzeugergenossenschaft Biofleisch NRW, seine Zuhörer. Er steht in einem Konferenzraum im Libeskind-Bau, spricht am Vorabend eines Workshops zum Thema „Die Fleischbranche im Wandel“ über Erfahrungen und Visionen eines Zusammenschlusses landwirtschaftlicher Betriebe.

Einen Tag lang befassen sich mehr als 50 Akteure aus der Fleischbranche, dem Handel, Politik und Wissenschaft mit ganz verschiedenen Themen: Sie diskutieren über das Tierwohl, tauschen sich über Haltungssysteme, Regionalität, Biofleisch, alternative Proteinquellen, Insekten und Laborfleisch aus.

Über 100 Bauern schließen sich zusammen

Bergkamen ist eine kleine Stadt im Ruhrgebiet, etwas mehr als 50.000 Menschen leben dort. Heute sind dort Themen wie Biofleisch und Produkte aus artgerechter Haltung mehr im Gespräch als je zuvor. Die Erzeugergenossenschaft, für die Dahlmann arbeitet, hat dort ihren Sitz. Über 100 Bauern haben sich zusammengeschlossen, um ihre biologisch aufgezogenen Schweine, Rinder, Lämmer und Geflügel gemeinschaftlich auf den Markt zu bringen. Ihr Anliegen: Sie möchten dem Kunden hochwertige Fleisch- und Wurstwaren aus einer ökologischen und vor allem kontrollierten Nutztierhaltung anbieten.

2001 haben sich die Landwirte aus dem Münster-, Rhein- und Sauerland zusammengetan, sie treiben seit Jahren etwas voran, was inzwischen deutschlandweit zu beobachten ist: Zerlege- und Weiterverarbeitungsbetriebe unterziehen sich einem Wandel, dem Wandel der Fleischbranche.

Futter stammt aus eigenem ökologischen Anbau

Biofleisch NRW arbeitet mit dem Verein Neuland zusammen. Die beiden Betriebe unterscheiden sich grundsätzlich darin, dass es sich bei dem erstgenannten Unternehmen eben um eine Erzeugergenossenschaft handelt. Die Tiere werden nach rein biologischen Richtlinien gefüttert.

Christoph Dahlmann erzählt, dass sie in Ställen mit viel Bewegungsraum, natürlichem Tageslicht und eingestreuten Liegeflächen leben. „Dadurch bleiben sie gesund und leistungsfähig. Es stärkt ihr Immunsystem und ihre Fruchtbarkeit.“ Die langsame Mast fördere außerdem die Fleischqualität, erklärt er. Das Futter stamme aus eigenem ökologischen Anbau. Antibiotika zur Leistungssteigerung seien ein absolutes Tabu, ebenso Futter, das gentechnisch verändert wurde.

Keine Behandlung mit Antibiotika

Das „Neuland“-Fleisch stammt von Schweinen und Rindern, welche artgerecht gehalten werden, jedoch konventionell gefüttert werden dürfen. Die Bauernhöfe mit den Tieren dürfen nicht weiter als 200 Kilometer entfernt voneinander liegen, um den Tieren eine lange Anfahrt und damit den Stress zu ersparen. Produziert wird nur von bäuerlichen Betrieben, welche durch regelmäßige Kontrollen die Einhaltung der Richtlinien sichern, sagt Dahlmann. „Es werden ausschließlich regionale Futterproduktionen für die Tiere verwendet.“ Eine Behandlung mit Antibiotika sei ebenfalls nicht erlaubt.

Um den Kunden ein abwechslungsreiches Sortiment anbieten zu können, kämen manchmal auch überregionale Produkte in den Verkauf. Doch wie wird da sichergestellt, dass etwa italienische Edelsortimente die gleiche Qualität und Normen vertreten wie die regionale Produktion? Dahlmanns Antwort: „Alle unsere Bauern wirtschaften nach den EU-Biorichtlinien und darüber hinausgehenden Vorschriften. Ebenso ist Vertrauen das, womit wir arbeiten.“

Von Malin Mennrich