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Nach den Sommerferien soll der Betrieb der neuen IGS starten. Die Christianischule, die keine neue fünfte Klasse mehr öffnet, wird parallel weitergeführt, bis alle Jahrgänge ihren Abschluss haben. (Foto: t&w)

Eine Schule für Stadt und Kreis?

Lüneburg. Im Sommer soll die neue Integrierte Gesamtschule (IGS) am Kreideberg mit fünf fünften Klassen an den Start gehen. Bekanntlich liegt seit Anfang März die Genehmigung der Landesschulbehörde vor. Kurz danach hat sich die Planungsgruppe, sie setzt sich aus zukünftigen Lehrern der IGS und Pädagogen der Christianischule zusammen, an die Arbeit gemacht und ein pädagogisches Konzept entwickelt. Die Eckpfeiler wurden jetzt im Schulausschuss vorgestellt. In der Sitzung musste sich Bildungsdezernentin Pia Steinrücke auch einigen kritischen Fragen stellen. So ging es etwa um die Empfehlung, die neue Schule auch für Jungen und Mädchen zu öffnen, die außerhalb der Stadtmauern wohnen.

Satzung müsste geändert werden

„An der IGS Kaltenmoor liegt der Anteil der Landkreis-Kinder bei 35 Prozent, an der Christianischule bei elf bis 15 Prozent“, sagte Bildungsdezernentin Pia Steinrücke, die deshalb damit rechnet, dass etwas mehr als ein Fünftel der Kinder, die die neue Gesamtschule besuchen, nicht in der Hansestadt zu Hause sind. Damit sie sich aber überhaupt anmelden können, müsste wie auch damals in Kaltenmoor nur für die IGS ein gemeinsamer Schulbezirk gebildet und die Satzung entsprechend geändert werden.

In der Vereinbarung mit dem Landkreis soll es auch um Geld gehen: Steinrücke verweist auf Empfehlungen, die der Schulgrundsatzausschuss in seiner Sitzung am 12. März erarbeitet hat. Danach werden Stadt und Kreis beauftragt, „die finanzielle Beteiligung des Kreises an den notwendigen Ausbau- und Unterhaltungskosten im Rahmen der bestehenden gesetzlichen Regelungen und der besonderen Vereinbarungen im Rahmen des neu abzuschließenden Finanzvertrages zu definieren“. In Verbindung mit dem sogenannten Lüneburg-Vertrag soll später auch eine Vereinbarung zum Ausbau einer möglichen gymnasialen Oberstufe an der Thorner Straße getroffen werden.

Noten erst ab Klasse 8

Doch wie soll die neue Gesamtschule aussehen? Da gibt das pädagogische Konzept Aufschluss, das den Stadtteil Kreideberg als Bildungsraum mitdenkt. Es sieht etwa Sportturniere und gemeinsame Projekte mit den Grundschulen und dem Gemeindehaus KredO vor. Zum Schulleben sollen unter anderem Klassenräte, Schülervertretungen und Konfliktlotsen zählen, Tischgruppen als „kleine, verlässliche Einheiten“ dienen.

Um die Rückmeldung über den individuellen Lernfortschritt des Schülers ins Zentrum zu stellen, sind Lernentwicklungsberichte und -gespräche geplant, Noten soll es erst ab Klasse 8 geben. Dass die IGS als „teilgebundene Ganztagsschule“ gedacht ist, bedeutet, dass der Unterricht bis 15.15 Uhr zumindest an zwei Tagen verbindlich ist. An zwei Weiteren steht es Schülern offen, ob sie die Angebote wahrnehmen möchten.

Frank Soldan (FDP) erinnerte daran, dass die zweite Gesamtschule im Stadtgebiet auch deshalb eingerichtet werden soll, um die stark angewählten Gymnasien zu entlasten. „Wieso sollen dann so viele Plätze an Landkreis-Kinder gehen?“ Steinrücke reagierte, in dem sie auf das bereits sechszügige Johanneum und die Option, auch die Herderschule breiter aufzustellen, verwies (LZ berichtete). „Ich sehe das Problem nicht. Es ist viel dramatischer, eine Grenze zu ziehen und festzulegen, wer nicht an die IGS kommen kann.“ Soldan hakte nach: „Und wenn es zu viele Anmeldungen gibt? Wird dann gelost?“ Die Dezernentin machte deutlich, dass kein Schüler bevorzugt behandelt werde, das Losverfahren so ablaufen soll wie an der anderen Gesamtschule auch. „Es geht danach, in welche Leistungsstufen wir die Schüler nehmen.“

Qualität muss erhalten bleiben

Höhere Chancen, alle Niveaustufen in der IGS zusammenzuführen, sieht SPD-Mitglied Philipp Meyn auch eher dann, wenn der Einzugsbereich größer ist. „Eine Öffnung der Schule für den Landkreis ist inhaltlich wichtig für den Erfolg. Wir haben mit der IGS in Kaltenmoor ein Best-Practice-Beispiel. Zentrale Aspekte sollten wir von da ruhig einfließen lassen“, sagt er.

Susanne Neuhaus (Grüne) machte auf die Bedenken des Kollegiums aufmerksam. „In Zukunft gibt es dann zwei Schulformen in einem Haus. Wie verträgt sich das?“ Steinrücke sagte, dass man sich dazu im Gespräch mit der Schule befände, zudem sei die Planungsgruppe, in der eben auch einige Lehrer der Christianischule säßen, als informierende Schnittstelle gedacht. Die Qualität zu erhalten, sei wichtig, schon allein weil alle aktuellen Jahrgänge dort auch noch ihren Abschluss machen können. Beim letzten Termin in der Schule habe es Kritik zu den Räumen gegeben, sagt Dezernentin Pia Steinrücke, die den Sanierungsbedarf auch sieht. „Der große Konfliktpunkt ist also nicht die Tatsache, dass die Schule zur IGS wird.“

Infoabend für Eltern

Details zu Konzept und Anmeldung

Was für Regularien bei dem Anmeldeverfahren zu beachten sind, darüber können sich Eltern am Donnerstag, 28. März, um 19 Uhr in der Aula der Christianischule, Thorner Straße 14, informieren.

Die Fünftklässler können an der neuen IGS am Montag, 29. April, von 8 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr, und am Dienstag, 30. April, von 8 bis 12 Uhr im Schulgebäude angemeldet werden.

Von Anna Paarmann