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Fahrradfahren ist eine Disziplin beim Canicross. Foto: phs

Ausgleich für Mensch und Hund

Dahlenburg. Auf dem Campingplatz Elbtalaue in Dahlenburg herrscht am Wochenende reges Treiben. Er ist zu 90 Prozent ausgebucht, sehr ungewöhnlich für diese Jahr eszeit. Der Grund für die vielen Besucher: Mehr als 300 Starter aus ganz Europa hat das Canicross Event „1. Dryland Masters Gut Horn Dahlenburg“ gelockt.

Canicross ist ein Geländelauf, bei dem der Sportler mit einem oder zwei Hunden durch eine flexible Leine verbunden ist. So galt es also nicht nur viele Zweibeiner, sondern auch viele Vierbeiner in dem 3000-Seelen-Flecken unterzubringen. „Regulär machen wir erst am 1. April auf, für diese Großveranstaltung haben wir extra schon mal vorab unsere Pforten geöffnet“, erzählt Klaus Peter vom Campingplatz Elbtalaue. „Mit den vielen Hunden hätte das anders gar nicht funktioniert.“

Zum Glück spielt das Wetter mit, eine improvisierte Flaniermeile mit Foodtrucks und Hundeartikeln lädt zum Verweilen ein. Nicht nur Teilnehmer trifft man auf dem Gelände, der Trubel hat auch viele Schaulustige aus der Umgebung neugierig gemacht. In der Tat kommen Hundefans hier voll auf ihre Kosten, es sind verschiedene Rassen mit von der Partie. Und Hunde, die Menschen, Roller- oder Radfahrer über Feld und Wiesen ziehen, sieht man auch nicht alle Tage. Angeboten werden zwei Streckenlängen, 4,2 und 2,9 Kilometer. Das Credo beim Canicross: Führen darf nur der Hund, der Mensch hat zu folgen.

„Hund und Mensch müssen mental eins werden“

Organisiert hat die Hundesport-Veranstaltung für Einsteiger Ingo Babbel, der 2012 gemeinsam mit seiner Frau Sandra die Firma Canicross-outdoorsports gegründet hat, um den Geländelauf mit Hund in Deutschland bekannt zu machen. Babbel freut sich darüber, dass sein Einsatz langsam fruchtet. Den ehemaligen Bundespolizisten brachte über Umwege eine schwere Erkrankung zum Hundesport. „Hinter mir liegen drei Burn-Outs, ich konnte das Bett kaum noch verlassen, lag sehr lange im Krankenhaus. Danach in meinen früheren Beruf zurückzukehren, war ausgeschlossen, so habe ich erstmal Schlittenhunde betreut. Meine medizinischen Betreuer hatten mir dazu geraten, mit Tieren zu arbeiten.“

In gewisser Weise haben ihm Hunde das Leben gerettet, sagt Babbel. Das hat ihn nicht mehr losgelassen, „es kommt ja nicht von ungefähr, dass Hunde immer mehr zur therapeutischen Arbeit eingesetzt werden. Ihr Sozialverhalten hilft uns Menschen, einen Ausgleich zu finden zu dem hohen Druck, dem wir oft im Berufsalltag ausgesetzt sind.“ Gerade Canicross helfe, sich wieder ganz auf sich selbst zu besinnen, denn: „Der Sportler ist gezwungen, intuitiv und empathisch zu handeln, Hund und Mensch müssen mental eins werden, sind auf mehreren Ebenen miteinander verbunden und wachsen dadurch als Team zusammen.“ Der Hundetrainer hat ein Buch über Canicross geschrieben, zeigt stolz auf Hunde und ihre Besitzer, die er ausgebildet hat. Die Leidenschaft, mit der der Hundenarr dabei ist, spürt man sofort. Mehrere Hundert Tiere hat er schon ausgebildet, außerdem 20 Canicross-Trainer kostenlos, denn ihm liegt viel daran, den Geländelauf als Breitensport zu etablieren.

Der Hund erhöht die Laufgeschwindigkeit

„Auch aus sportlicher Sicht ist Canicross anspruchsvoll“, wirbt Babbel. „Denn der Hund zieht, die Laufgeschwindigkeit wird durch den Hund deutlich erhöht. Die im Run erzielten Höchstgeschwindigkeiten können bei über 30 km/h pro Stunde liegen.“ Deshalb rät der Profi Anfängern, langsam mit Walken zu starten. „Laufen mit dem Hund kann man etwa nach 3 Monaten. Und wer nicht so gut zu Fuß ist, der nimmt den Roller oder das Rad, Canicross ist vielseitig.“

Die Geländeläufer teilen Babbels Begeisterung für den Sport, bekunden einhellig, wie sehr sich die Beziehung zu ihren Vierbeinern durch ihn intensiviert habe. So auch Carolina Backeshoff, die durch die Fernsehsendung „hundkatzemaus“ auf den Laufsport aufmerksam geworden ist. Mit ihrem Labrador Luke ist sie am Freitag aus Dortmund angereist. „Der Tierarzt ist zufrieden, wir sind beide fitter geworden und vor allem ist Luke endlich richtig ausgelastet und entspannt geworden, früher war er gerade mit anderen Hunden oft ziemlich stinkstiefelig. Und dass ich ihm vertrauen und er auf mich hören muss, hat uns nochmal mehr zusammengeschweißt.“

„Endlich eine artgerechte Beschäftigung für den Hund“, schwärmt Katharina Wietscher aus dem Münsterland, während Frauke Frike-Hoffmann aus Verden das Miteinander von Hund und Mensch hervorhebt. Sie alle sind in verschiedenen Disziplinen am Sonnabend und am Sonntag angetreten und freuen sich ab Montag vor allem auf ihre wohlverdiente Erholung.

Neugierig gewordene Hundehalter animiert Ingo Babbel zum Ausprobieren: „Canicross ist geeignet für jeden, der stärker mit seinem Hund zusammen wachsen möchte oder nach einem Weg sucht, sich und das Tier mehr auszupowern. Bei uns darf jeder starten, auch Tiere, die auffällig sind, verbessern sich durch die Teamarbeit im Alltag, selbst viele Tierschutzhunde haben darüber gelernt, zu vertrauen.“

Von Lea Schulze