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Einen grausigen Fund machte ein Ehepaar beim Spaziergang in der Feldmark von Brietlingen. Ein toter Rabenvogel baumelte an einem Galgen. Der Landkreis untersucht den Fall jetzt. (Foto: privat)

Tote Krähe baumelt an Galgen

Brietlingen. Bei der Hunderunde am Nachmittag durch die Brietlinger Feldmark traute das Ehepaar, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, seinen Augen nicht. Mitten auf einem Acker entdeckte es einen Galgen, an dem ein größerer Vogel tot im Wind baumelte. „Es war schauderhaft. Zum Glück hatte unser Kind keine Lust, mit uns zu gehen, sodass ihm dieser Anblick erspart blieb“, sagt die empörte Spaziergängerin. Die Füße des toten Vogels waren mit einer Art Bindegarn zusammengeknotet und an einer Querstange des Galgens Marke Eigenbau befestigt. Das Tier hing mit dem Kopf nach unten an der Konstruktion. „Das ist doch völlig sinnfrei. Auf Bäumen in der Nähe saßen andere Vögel und krähten fürchterlich“, erzählt die Frau. Ihr Mann griff zum Handy und machte ein Beweisfoto von dem Galgen mit dem Vogel, das seine Frau am Tag darauf beim Veterinäramt des Landkreises in Lüneburg zeigte.

Die Behörde reagierte prompt. Ein Mitarbeiter machte sich auf den Weg zu dem Acker in Brietlingen und stellte das aufgeknüpfte Tier sicher. „Es ist ein Rabenvogel“, berichtet Urte Modlich, Sprecherin des Landkreises. Den Kadaver haben die Veterinäre eingeschickt ans Lebensmittel- und Veterinärinstitut nach Hannover. „Dort wird nun untersucht, um welche Art von Rabenvogel es sich handelt, wann und wie er zu Tode gekommen ist“, sagt sie. Das Ergebnis wird in etwa sechs Wochen erwartet. Anhand des Untersuchungsergebnisses überprüfen die Veterinäre des Landkreises dann, ob gegebenenfalls gegen den Artenschutz, den Tierschutz und/oder das Jagdrecht verstoßen wurde. Modlich: „Aus dieser Prüfung ergeben sich die weiteren Schritte.“ Zum Beispiel, ob gegen den noch Unbekannten, der den toten Vogel aufgehängt hat, ermittelt wird oder nicht.

Kreisjägermeister Cohrs: „Das macht man nicht“

Kreisjägermeister Hans-Christoph Cohrs sagt, er habe so einen Fall wie den in Brietlingen bislang noch nicht erlebt. „Der Sinn und Zweck einer solchen Aktion erschließt sich mir nicht. Das macht man nicht“, erklärt er und kritisiert den Vorfall als Gedankenlosigkeit. „Das geht nicht“, betont er.

Cohrs berichtet, dass früher in der Landwirtschaft tatsächlich tote Krähen als Abschreckung von Artgenossen eingesetzt wurden. Planen auf Mieten und Silos etwa sollten so vor der Zerstörung durch die Vögel geschützt werden, die mit ihren spitzen Schnäbeln die Abdeckung zerpicken. „Doch heutzutage gibt es Netze, die vor Schäden durch die Vögeln schützen“, sagt er.
Krähen sind intelligent und anpassungsfähig. Als Aasfresser erfüllen sie eine wichtige Aufgabe im Ökosystem. Sie ernähren sich aber auch pflanzlich. Und das kann zu Schäden in der Landwirtschaft führen, wenn die Vögel frisches Saatgut wieder aus der Erde picken oder Keimlinge aus dem Boden zupfen. Experten wie vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern etwa bezweifeln allerdings, dass sich Krähen durch Kadaver ihrer Artgenossen von einem Feld fernhalten lassen. Vielmehr seien die Vögel so intelligent, dass sie erkennen könnten, dass von leblosen Artgenossen keine Gefahr ausgehe.

Von Stefan Bohlmann