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Unfallstatistik
Besonders für Nutzer von Pedelecs hat die Gefahr eines Unfalls im Straßenverkehr im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. (Foto: A/t&w)

Unfälle mit Pedelecs verdreifacht

Lüneburg. Mit einem Anstieg von über 200 Prozent nahmen die Unfälle mit Pedelecs im vergangenen Jahr im Landkreis Lüneburg dramatisch zu. Dies ergibt sich aus der Verkehrsunfallstatistik 2018, die jetzt von der Polizeiinspektion Lüneburg vorgelegt wurde. Insgesamt fiel die Bilanz dennoch positiv aus: Nach mehreren Jahren steigender Gesamtunfallzahlen kam es im gesamten Inspektionsbereich – er umfasst die Landkreise Lüneburg, Lüchow-Dannenberg und Uelzen – zu einem Rückgang um 427 auf 8154 Unfälle oder fast fünf Prozent.

Unfallzahlen sanken um fast fünf Prozent

„Die neue Verkehrsart ist in der Gesellschaft noch nicht richtig angekommen“, kommentiert Andreas Dobslaff, Verkehrsexperte der Polizeiinspektion, den Anstieg bei den Pedelec-Unfällen. Nicht nur die eigene Reaktionsfähigkeit und die körperliche Verfassung würden von den meist älteren Nutzern unterschätzt, auch die Autofahrer hätten sich an die deutlich höhere Geschwindkeit der Pedelecs noch nicht gewöhnt. Daraus, so Dobslaff, resultiere auch eine erhöhte Verletzungsgefahr, wie sich bei den insgesamt 52 Unfällen mit 48 Verletzten in den drei Landkreisen zeigte. Im Kreis Lüneburg kletterte die Zahl der Pedelec-Unfälle von 11 auf 35, ein Anstieg um 218 Prozent.

Einen deutlichen Anstieg gab es auch bei den Fahrrad-Unfällen. Sie nahmen im Landkreis um 21 Prozent auf 304 (Vorjahr 251) zu. Auch die Zahl der Motorradunfälle kletterte von 82 in 2017 auf 108 im vergangenen Jahr. Sowohl bei den Fahrradfahrern als auch bei den Motorradfahrern endete ein Unfall tödlich.

Weniger Schwerverletzte

Erfreulich hingegen entwickelte sich das Unfallgeschehen im Landkreis mit einem Rückgang von 4,3 Prozent auf 3841 Unfälle insgesamt. Allerdings gab es auch 6 Unfälle (Vorjahr 7) mit tödlichem Ausgang, 86 fanden unter dem Einfluss von Alkohol, 13 unter dem Einfluss von Medikamenten oder Drogen statt. Die Anzahl der schwerverletzten Personen sank um 8,9 Prozent auf 82, dafür stieg die Anzahl bei den Leichtverletzten in fast gleicher Größenordnung (+9,1 Prozent) auf 633 Personen. Positiv zeigt sich auch der Rückgang bei den Baumunfällen. Hier sank die Zahl um 9,8 Prozent auf 73 Unfälle.

Mit Sorge betrachtet die Polizei die Entwicklung bei der Unfallflucht. Zwar ist hier die Zahl um knapp 1 Prozent auf 1114 Fälle gesunken, die Aufklärungsquote aber sank ebenfalls von 50,4 Prozent in 2017 auf 45,4 Prozent 2018. Bei den Flüchtenden seien insbesondere die „Parkplatzrempler“ aufgefallen.

Polizei sieht Alleen skeptisch

Positiv entwickelte sich die Anzahl der sogenannten Baumunfälle. Sie sank um knapp 10 Prozent auf 73, im Vorjahr waren es noch 81. Allerdings verzeichnet die Polizeiinspektion auch einen Zunahme bei der Anlage neuer Alleen. Hier wünsche man sich eine stärkere Einbindung bei der Planung, um eine zu enge Bepflanzung an den Straßenbereich zu vermeiden.

Zu den Hauptursachen bei den Unfällen nennt Dobslaff nach wie vor Fahren mit erhöhter Geschwindigkeit. Anders als im gesamten Inspektionsbereich (-10,3 Prozent) kletterte hier die Zahl um 9 Prozent. Hingegen nahm die Zahl der durch zu geringen Abstand verursachten Unfälle sowohl insgesamt (-13,2 Prozent) als auch im Kreis Lüneburg (-16,3 Prozent) ab.

„An erster Stelle bei den Unfallursachen steht die Ablenkung durch den Fahrer“, berichtet Jens Eggersgleiß, Leiter der Polizeiinspektion. Schuld aber sei nicht nur das Handy, auch das Radio, das Navigationsgerät, Getränke „und sogar Körperpflege wie Rasieren oder Schminken während der Fahrt tragen dazu bei“. Insgesamt stelle die Zunahme der Vernetzung des Autos ein nicht zu unterschätzendes Risko dar.

Verkehrsunfallstatistik 2018

Die Zahlen im Vergleich

Die Verkehrsunfälle im Landkreis Lüneburg (außer Amt Neuhaus) haben sich gegenüber 2017 (Zahlen in Klammern) wie folgt geändert:

  • Unfälle insgesamt: 3841 (4012)
  • Unfälle mit Todesfolge: 6 (7)
  • Unfälle mit Schwerverletzten: 82 (90)
  • Unfälle mit Leichtverletzten: 633 (580)
  • Baumunfälle: 73 (81)
  • Motorradunfälle: 108 (82)
  • Fahrradunfälle: 304 (251)
  • Unfälle mit Pedelecs: 35 (11)

Von Ulf Stüwe