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Förster Burkhard von List schaut sich die jungen Buchen an, die jetzt in Ruhe wachsen können. (Foto: t&w)

Kritik an Fällaktion in der Bennerstedt

Scharnebeck. Fast schon ein inniges Verhältnis hat Wilfried Riegel zur Bennerstedt. „Mein Großvater hat dort in Richtung Fischhausen einst Eschen mitgepflanzt“, erzählt der Brietlinger. Dementsprechend interessiert er sich für den Wald, hat diesen aufmerksam im Blick. Was er jetzt im nördlichen Teil der Bennerstedt beobachtet hat, in dem der Forst unter Naturschutz steht, verärgert ihn. „Es wurden immense Mengen Buchen abgeholzt“, berichtet er. Bei allem Verständnis dafür, dass die Forstverwaltung Geld durch den Holzverkauf verdienen müsse, hat er für die Abholzaktion im geschützten Bereich kein Verständnis. Zumal in diesem Bereich auch ein Naturwaldreservat besteht, in dem die natürliche Waldentwicklung Vorrang genießt.

„Dass vor einigen Jahren Windbruch beseitigt wurde, war in Ordnung. Aber jetzt geht es nur noch darum, dass das Forstamt schwarze Zahlen schreibt“, moniert Wilfried Riegel. Überdies sei bei den Forstarbeiten schweres Gerät eingesetzt worden. „Die Maschinen machen alles kaputt, was ihnen unter die Räder kommt.“ So befürchtet er, dass Pflanzen wie Einbeere, Zahnwurz und Milzkraut platt gemacht wurden. „Wenn Naturschutz, dann auch richtig oder gar nicht. Es kann doch nicht sein, dass Naturschutz extra für die Forst zurechtgeschustert wird“, kritisiert er.

„Wir arbeiten mit der Natur, nicht gegen sie.“

Verjüngung, Schutz, Pflege und Holzernte sowie Gewinnung von forstlichem Vermehrungsgut ist in der Bennerstedt zulässig. So steht es im Verordnungstext der damaligen Bezirksregierung Lüneburg zum Naturschutzgebiet „Bennerstedt“ vom 18. Dezember 1987. „Wir haben auf einer Fläche von ungefähr 30 Hektar verjüngt, damit die nächste Waldgeneration nachwachsen kann“, sagt der zuständige Förster Burkhard von List von der Revierförsterei Busschewald. Mit Motorsägen haben Waldarbeiter ihm zufolge im Februar etwa 300 rund 170 Jahre alte Buchen gefällt, die jedoch nicht Teil des Naturwaldes sind und bei denen zum Teil schon die Vorstufe zur Fäule erreicht war.

„Unter den großen alten Bäumen hatten sich in den vergangenen acht bis zehn Jahren seit dem bislang letzten Buchenhieb junge kleine Buchen ausgesät. Jetzt war es an der Zeit, ihnen das nötige Licht für ihr weiteres Wachstum zu geben“, erklärt der Förster. „Wir arbeiten mit der Natur, nicht gegen sie. Hätten wir die alten Bäume nicht gefällt, wären die jungen abgestorben und es hätte keine neue Waldgeneration gegeben. So haben nun die Mutterbäume Platz für ihre Kinder gemacht.“ Zusätzlich sei auch noch der Windwurf des vergangenen Sommers beseitigt worden, den eine Windhose verursacht hatte. „Das war ein enormer Schaden. Es waren viele Bäume stark beschädigt. Daher wirkt die Masse an gefällten Bäumen jetzt so enorm.“

Im Übrigen sei bei der Verjüngung nicht einmal die Hälfte von dem gefallen, was der Zehnjahres-Plan der Landesforsten Niedersachsen für die nördliche Bennerstedt bei den Buchen eigentlich vorgesehen habe, ergänzt er. „Wir sind deutlich unter der Vorgabe geblieben“, so von List. Bei den Arbeiten sei darüber hinaus kein schweres Gerät wie etwa ein Harvester eingesetzt worden. „Schlepper haben die Stämme aus dem Wald gezogen.“ Dabei seien diese auf den dafür vorgesehenen und eigens angelegten Rückegassen gefahren, schonend für den Waldboden.

Einige weitere Bäume hat Burkhard von List zwar auch markiert, doch werden sie nicht fallen. „Sie bleiben als sogenannte Habitatbäume auf Dauer stehen. Das sind Bäume, in denen beispielsweise Spechte, Kleiber, Meisen und Siebenschläfer Höhlen bewohnen“, erklärt der Revierförster.

Geschützt seit 1987

Die Bennerstedt ist ein 380 Hektar großes Waldgebiet zwischen Scharnebeck und Brietlingen. 152 Hektar im Norden stehen seit 1987 unter Naturschutz, knapp 30 Hektar davon sind als Naturwaldreservat ausgewiesen. Im Osten grenzt das Naturschutzgebiet an den Elbe-Seitenkanal, im Norden und Westen schließen landwirtschaftliche Nutzflächen an.

Die jetzt gefällten Buchen hätten wirtschaftlich keinen besonderen Stellenwert, so Burkhard von List. Nach seinen Worten bringt ein Stamm rund 200 Euro ein. „Die Buchen gehen nach China, einen Markt gibt es in Deutschland zurzeit nicht.“ Buche sei ein typisches Möbelholz, besonders gerne verbaut für Schulmöbel. Aber auch Fußböden, Treppen und strapazierfähiges Sperrholz werden aus Buche gefertigt.

Von Stefan Bohlmann