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Der Wolf steht seit seiner Rückkehr im Zentrum hitziger Debatten. So wie jetzt bei der CDU-Veranstaltung in Reinstorf. (Foto: be)

Wolf als Herausforderung

Reinstorf. „Die Herausforderung Wolf“ angehen, das zu tun, versprachen die aktuellen Abgeordneten und die möglicherweise künftige Abgeordnete der CDU auf Europa-, Bundes- und Landesebene, die sich im „One World“-Gasthaus in Reinstorf jetzt der Diskussion stellten. So, wie es in letzter Zeit gelaufen ist, mit zahllosen Rissen von Herden- und Weidetieren, geht es jedenfalls nicht weiter, waren sich die Christdemokraten einig.

Das Podium war hochkarätig besetzt: Der Bezirksvorsitzende Michael Grosse-Brömer, in Berlin ist er Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, begrüßte die knapp 100 Gäste. Es diskutierten Lena Düpont, am 26. Mai Kandidatin der CDU für die Wahl zum Europaparlament, der Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols und Landtagsabgeordneter Uwe Dorendorf. Der Kreisvorsitzende Felix Petersen leitete die Diskussion.

Schutzstatus absenken

Darauf, dass der Wolf es sogar in das gemeinsame Europawahlprogramm von CDU und CSU geschafft, wies Lena Düpont hin. Dort heißt es: „Wir nehmen die Sorgen angesichts der stark wachsenden Wolfsbestände in Deutschland und Europa sehr ernst. Deshalb ist der strenge Schutzstatus des Wolfs im europäischen Naturschutzrecht zu ändern – auch um eine entsprechende Bestandsregulierung zu ermöglichen. Wolfsbestände sind grenzübergreifend und nicht national zu betrachten.“

Eckhard Pols forderte angesichts eines „soliden Bestands“ den Schutzstatus des Wolfs abzusenken. „Es gibt keinen Grund, den Wolf in Deutschland nicht genauso zu regulieren wie in anderen europäischen Ländern.“ Werden Wölfe auffällig, müssten sie „vergrämt“ oder „entnommen“ werden. Uwe Dorendorf erinnerte an die „Mär“, die von Naturschützern verbreitet worden sei, als der Wolf 2007 in die Region zurückkehrte – etwa, dass Menschen den Wolf so gut wie nie zu sehen bekommen würden, oder, dass sich Wölfe nur von Wild ernähren. All das habe sich als falsch erwiesen.

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Bei der Wolfsdiskussion der CDU in Reinstorf auf dem Podium (v. l.): Uwe Dorendorf, Lena Düpont, Felix Petersen, Eckhard Pols und Michael Grosse-Brömer. (Foto: be)

Im Publikum, das wurde schnell deutlich, waren Wolfsgegner in der großen Mehrheit gegenüber Wolfsfreunden. Heftigen Gegenwind bekam einer, als er zur Vermeidung von Nutztierrissen verstärkte Bemühungen beim Herdenschutz forderte. „Es gibt viele Möglichkeiten, das durchzuführen.“ Im Übrigen habe es seit 1837 in Deutschland keinen Angriff eines Wolfs auf einen Menschen mehr gegeben.

Die immensen Kosten für einen wirklich wirksamen Zaun als Schutz vor dem Wolf hielt ein anderer Diskutant ihm entgegen – nannte als Beispiel für ein sechs Hektar großes Areal: „38 000 Euro für einen Zaun, das ist doch völlig weltfremd.“ Das werde vom Staat übernommen, ebenso wie ein Hütehund, hielt ihm der Kontrahent entgegen. Wendelin Schmücker, Sprecher der Berufsschäfer in der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände, sagte: „Wir können doch die Lüneburger Heide nicht einzäunen.“

Drastische Regulierung

Die Politiker auf dem Podium sicherten zu, dass sie sich dafür einsetzen wollen, es dem Wolf schwerer zu machen. Um Eltern zu helfen, die sich nicht mehr trauen, ihre Kinder in die freie Natur zu schicken. Oder um dem Reiterhofbetreiber zu helfen, der sich kaum noch traut, mit Kindern im Wald auszureiten – aus Angst, die Pferd gehen durch, die Kinder stürzen, wenn ihnen ein Wolf zu nahe kommt.

Wie seine Kollegen Düpont, Pols und Dorendorf sprach sich auch Michael Grosse-Brömer nicht dafür aus, „jeden Wolf in Deutschland zu entnehmen“, heißt: zu schießen. Aber, das sicherten die CDU-Politiker zu: Eine drastische Regulierung halten sie für notwendig.

Von Ingo Petersen