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Im Arche-Park zwischen den Stadtteilen Kreideberg und Ochtmissen können Schüler artgerechte Landwirtschaft kennenlernen. Frank Corleis leitet das Schubz seit 15 Jahren. (Foto: A/phs)

Feuer und Flamme für die Natur

Lüneburg. Rolf-Harald Krause wollte den „verkopften“ Biologieunterricht spannender machen. Nur Präparate und Filme zeigen – das war dem Lehrer zu wenig. In der Hauptschule auf dem Kreideberg zeigte er Kindern in der „Schulbiologiestelle“ Spinnen, Maden, Gespenstschrecken, ließ später aus Kokons Schmetterlinge in den Händen von Mädchen und Jungen das Licht der Welt erblicken. Die Anfänge liegen drei Jahrzehnte zurück, jetzt feiert das Schulbiologie- und Umweltbildungszentrum seinen 30. Geburtstag. Aus einem Ein-Mann-Engagement ist ein kleines Unternehmen mit 40 Mitarbeitern geworden.

15 000

Schüler haben 2018 Angebote des Schubz genutzt.

Vor 15 Jahren hat Frank Corleis die Geschäftsführung übernommen. Krause, inzwischen im Ruhestand, hatte eine Menge aufgebaut: Vom Kreideberg war er mit Mitarbeitern und Projekten auf den Uni-Campus umgezogen. Corleis und seine Kollegen haben all das noch größer werden lassen. Die Hauptstelle betreiben sie seit 2015 im ehemaligen Anna-Vogeley-Heim an der Wichernstraße, eine Außenstelle an der nahen Jugendherberge, dazu seit 2017 den Arche-Park im ehemaligen Ochtmisser Gehege. Sie kooperieren mit dem Landwirtschaftlichen Bildungszentrum in Echem sowie Landwirten.

Immer mehr Kinder nehmen Angebote wahr

Der 45-Jährige sagt: „Vor 15 Jahren haben wir im Jahr 4000 Schüler betreut, vor fünf Jahren waren es dreimal so viele, im vergangenen Jahren kamen 15 000 Kinder und Jugendliche.“ Auch wenn sich fast alles verändert hat, verfolgt er die Grundidee weiter: Junge Leute für die Natur begeistern, den Unterricht möglichst lebendig gestalten. Nicht nur Schulklassen kommen, auch Geburtstage werden im Schubz gefeiert. In den Ferien bieten die Macher Naturprojekte an.

Mit 50 Themenangeboten locken Mitarbeiter ihre Gäste. Am Hasenburger Bach recherchieren sie, welche Tiere dort leben und warum der Bach Kurve um Kurve nimmt, im Wald erkunden sie Tierspuren und schauen, wer dort krabbelt und kriecht, Imker zeigen, wie Bienen leben und man Honig macht. Im Archepark lernen die Besucher alte Haustierrassen kennen, Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen leben dort – ein bisschen wie ein alter Bilderbuch-Bauernhof. Corleis sagt dazu: „So kann Landwirtschaft natürlich nicht funktionieren, aber wir können einen Eindruck von artgerechter Tierhaltung vermitteln.“

Der studierte Förster und Lehrer ist längst eine Art Manager geworden. Eine Million Euro Umsatz habe das Schubz im vergangenen Jahr erzielt, aber keinen wirklichen Gewinn. Immer sei die Finanzierung eine Herausforderung. Stadt und Kreis gewähren eine Grundfinanzierzung von 100 000 Euro, doch den Rest muss er über Förderanträge, Spenden und Beiträge der Schüler zusammenbekommen. So wirbt er gleich um Unterstützung: Im Arche-Park haben sie gerade für 15 000 Euro einen Schweinestall gebaut, dafür hätte er gerne einen Obolus.

Wunsch nach einer besseren Finanzierung

Wer für das Schubz arbeitet, ob angestellt oder auf Honorarbasis, verdiene nicht gerade üppig, verdeutlicht der Leiter der Einrichtung: „Mit einem tollen Gehalt kann ich niemanden locken.“ Eine Befragung habe ergeben, wer sich hier engagiert, „macht das im Bewusstsein, seine Themen in Sachen Umwelt an die Kinder weiterzugeben“. Gleichwohl brauche es verlässliche Strukturen, deshalb hat Corleis einen Wunsch zum Geburtstag: „Eine bessere Finanzierung.“

Wenn der Bär den Apfelbaum plündert

Vor drei Jahren hat das Schubz eine Außenstelle am Rande der Karpaten in Rumänien gegründet. „Wir wollen Tiere und Lebensweisen vergleichen“, sagt Corleis. Während in Deutschland ein Streit um den Wolf tobt, sei das in Südosteuropa anders: „Wölfe sind da nichts Besonderes.“ Schäfer nähmen hin, dass sie jedes Jahr ein paar Tiere verlieren. Sie leben allerdings auch anders mit ihren Herden: „Die schlafen bei ihnen, haben Schutzhunde.“

Daher passiere vergleichsweise wenig. Eine Schlagzeile sei ein Wolfsriss ebenso wenig wert wie ein Bär, der auf dem Land im Garten von einem Apfelbaum nascht: „Das kennen die Menschen und wissen, wie sie damit umgehen.“ Es gehe um den Vergleich im Umgang mit der Natur, so könne man Schüler einen anderen Blickwinkel eröffnen.

Am Donnerstag, 4. April, feiert das Schubz mit Wegbegleitern und Freunden von 12.30 Uhr an im Haus an der Wichernstraße Geburtstag. Es soll zurück und in die Zukunft geschaut werden. Unter anderem wird Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne erwartet.

Von Carlo Eggeling