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Randolf von Estorff (Bürgermeister von Barnstedt): „Wir haben das Versprechen, dass der Glasfaserausbau bis Ende des Jahres fertig ist. Daran werden wir die Telekom erinnern.“ Foto: dg

Telekom nimmt Kündigungen zurück

Barnstedt. Vor Kurzem schlugen die Einwohner von Barnstedt Alarm: Der Breitbandausbau in dem Ort verzögert sich, die Internetverbindung ist schlecht, und zu allem Überfluss hatte die Telekom auch noch bestehende Verträge gekündigt (LZ berichtete). Bei der Infoveranstaltung am Mittwochabend im Gasthaus Grote stand den Einwohnern jetzt neben dem Ersten Kreisrat Jürgen Krumböhmer auch Günter Meier, Leiter des Infrastrukturvertriebs Nord von der Telekom, Rede und Antwort.

Nachdem Barnstedts Bürgermeister Randolf von Estorff Nöte und Sorgen, insbesondere der Gewerbetreibenden, vorgetragen hatte, wartete Meier zur Überraschung der Anwesenden mit einem Lösungsvorschlag auf: Er versprach, die Kündigungen der ISDN- und Analoganschlüsse zurückzunehmen und die ISDN-Technik noch bis Ende des Jahres weiterlaufen zu lassen. Meier sicherte außerdem zu, dass in Barnstedt bis Ende des Jahres das Glasfasernetz für schnelles Internet fertig sei.

Stellungnahme der Telekomzentrale in Hamburg

Bürgermeister von Estorff war ob dieser Zusagen mit dem Ausgang des Abends zufrieden, das Ziel, weiter telefonieren zu können, sei erreicht. „Wir haben ein persönliches Versprechen von Günter Meier von der Telekom bekommen, dass der Glasfaserausbau bis Ende des Jahres fertig ist, und daran werden wir ihn erinnern. Das ist alles mitgeschrieben worden.“ Das Protokoll ist Günter Meier bereits zugesandt worden, in Barnstedt wartet man nun auf die Gegenzeichnung.

Die Stellungnahme der Telekomzentrale in Hamburg klingt schon etwas verhaltener: „Richtig ist, dass wir die Fälle noch einmal prüfen und nach Lösungen suchen“, heißt es von Pressesprecherin Stephanie Halle auf Nachfrage der LZ. Von Estorff bleibt jedoch zuversichtlich und hofft auf das Glasfasernetz für Barnstedt als diesjähriges Weihnachtsgeschenk. Hinsichtlich der Anschlusskündigungen rät er den Betroffenen, Eigeninitiative zu ergreifen. Zwar sei man so verblieben, dass die Telekom alles für die Rücknahme der Kündigungen in die Wege leite, aber „dass die Telekom den Prozess in Gang bringt, daran glaube ich erst, wenn ich es sehe. Ich rate jedem, der nicht bald auf dem Trockenen sitzen will, sich selbst zu kümmern.“

Auch für Neubürger wird eine Lösung gesucht

Und noch an anderer Stelle drückt die Barnstedter der Schuh: Seit etwa zwei Jahren können Zugezogene keine Anschlüsse mehr anmelden und sind somit völlig abgeschnitten von der Außenwelt. Von Estorff sind sechs Fälle bekannt. „Bei denen geht nichts, wie in der Sahara oder am Nordpol. Kein Handy, kein Festnetz und LTE-Sendeplätze bei der Telekom oder Vodafone sind schon lange ausverkauft. Diese Leute sind nur an ihrem Arbeitsplatz erreichbar und vielleicht mal bei einem netten Nachbarn.“

Meier will sich laut von Estorff bemühen, dass diese Bürger einen Telefonanschluss bekommen, versprechen konnte er am Mittwoch aber nichts. „Da muss eine Lösung her“, sagt der Bürgermeister. „Wenn die Betroffenen denn überhaupt einen Anschluss bekommen, dann einen konventionellen, das wird richtig teuer. Aber die Hauptsache für sie ist natürlich, endlich mal erreichbar zu sein.“ Ende des Jahres sollen all diese Probleme mit einem Schlag vom Tisch sein, doch bislang ist das noch Zukunftsmusik.

Von Lea Schulze

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