Donnerstag , 19. September 2019
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Günther Wagener und Inga Seba-Eichert präsentierten Ende vergangenen Jahres den Übersetzer „Plattdeutsch - Hochdeutsch“ – eine von vielen Arbeiten des Plattdeutschbeauftragten. Foto: t&w

Niederdeutsche Sprache soll nicht sterben

Lüneburg. Das Plattdeutsche im Landkreis Harburg hat seit Montag eine hauptamtliche Vertreterin: Rike Henties ist die neue Plattdeutsch-Koordinatorin im Landkreis Harburg. Henties ist Nachfolgerin von Herbert Timm, der bis vor eineinhalb Jahren ehrenamtlich in diesem Amt tätig war. Die 31-jährige Muttersprachlerin kommt aus dem Landkreis Lüneburg, genauer aus Erbstorf. Henties widmet sich ab sofort in Teilzeit der Förderung des Niederdeutschen.

Ein Amt mit ungezählten Aufgaben

Zu ihrem Start begrüßten sie Harburgs Landrat Rainer Rempe, Heiner Schönecke als Vorsitzender des Fördervereins des Freilichtmuseums am Kiekeberg, Stiftungsratsvorsitzender Klaus-Wilfried Kienert und Museumsdirektor Stefan Zimmermann. Organisatorisch ist die Stelle im Kiekebergmuseum angebunden.
Dorthin, wo der Landkreis Harburg schon gekommen ist, möchte Günther Wagener, Plattdeutschbeauftrager für Stadt und Landkreis Lüneburg, in naher Zukunft hin: „Auch wir brauchen einen hauptamtlichen Plattdeutschbeauftragten.“

Wagener weiß, wovon er spricht: Der 71-Jährige, ein ehemaliger Lehrer, übernahm das Amt vor acht Jahren, ein Jahr, nachdem er in Pension gegangen war. „Es ist sehr arbeitsaufwändig.“. Wagener ist Ansprechpartner für Gruppen im Landkreis, gerade für solche, die neu gegründet werden, für Privatleute, die Fragen zum Plattdeutschen haben, er hat die Plattdeutsche Landkarte organisiert, kümmert sich um plattdeutsche Ortsschilder, erstellt Broschüren, arbeitet in übergeordneten Gremien mit, kümmert sich um Öffentlichkeitsarbeit und vieles mehr.

Anders ist die Arbeit nicht mehr leistbar

Spätestens 2021 wolle er seinen Posten zur Verfügung stellen, kündigt Wagener an: „Dann habe ich zehn Jahre voll.“ Und ob sich dann noch jemand findet, der den Posten ehrenamtlich und in der Freizeit übernehmen wird, daran habe er starke Zweifel. Alle niedersächsischen Landkreise westlich der Weser haben hauptamtliche Plattdeutschbeauftragte. Im übrigen Land habe der Landkreis Harburg nun eine Vorreiterrolle. Wagener sagt: „Wenn man es ernst meint mit dem Plattdeutschen, wenn man vermeiden will, dass diese Sprache ausstirbt, dann kommt man an der Hauptamtlichkeit nicht vorbei. Anders ist die Arbeit nicht mehr leistbar.“

An den Landkreis sei er mit seinem Wunsch noch nicht herangetreten. Von dort lobt Pressesprecherin Urte Modlich dessen Arbeit: „Wir sind froh, dass wir mit Günther Wagener einen sehr engagierten ehrenamtlichen Plattdeutschbeauftragten haben, der, auch durch seine Kontakte mit dem Verein Lüneplatt und der Referentin für Niederdeutsch beim Lüneburgischen Landschaftsverband, sehr effektive Arbeit leistet.“

Kiekeberg-Museum beteiligt sich

Zwei positive Entscheidungen schufen die Rahmenbedingungen für die Bestellung der ersten hauptamtlichen Plattdeutsch-Koordinatorin in Harburg: Der Kreistag sprach sich Ende 2018 mit großer Mehrheit und fraktionsübergreifend für die Einrichtung aus. Und: Die Personalkosten teilt sich der Kreis mit dem Förderverein des Freilichtmuseums am Kiekeberg.

Dessen Vorsitzender Heiner Schönecke erklärt: „Wir fördern die Kultur der Region, da gehört das Plattdeutsche zentral dazu. Wir haben im Vorstand gern den Beschluss gefasst, uns finanziell zu beteiligen.“ Die Stelle ist zunächst auf zwei Jahre angelegt. Eine Evaluierung wird dann Entscheidungsgrundlage für die Kreistagsmitglieder, die über die Ausrichtung nach dem Jahr 2020 abstimmen.

Von Ingo Petersen