Donnerstag , 24. Oktober 2019
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Die Nachwuchs-Sprecher mit ihren AG-Leitn: (v.l.) Johann Wolter, Luise Raddatz, Merle Germ, Paik Nissen, Henri Thielker, Laura Günzel, Lars Herklotz, Sophie Neumann und Emilja Kriszio. Foto: t&w

Kindernachrichten bald als Podcast

Lüneburg. Der Text, den sich Emilja ausgesucht hat, hat es in sich. Die Neunjährige steht am Pult in der Mitte des Klassenzimmers und liest die Überschrift laut vor: „Wassernebel löscht die Flammen.“ Kurze Pause, dann fährt sie fort. Nach wenigen Sekunden wird sie von Paik Nissen unterbrochen: „Das ist ein schwerer Text über Feuerlöscher. Da musst du übertreiben, um den Leuten zu zeigen: Es lohnt sich, zuzuhören!“, rät ihr der Erlebnispädagoge. Er hat sich an das andere Ende des Raumes gestellt, damit Emilja ihre Stimme anhebt, um bis zu ihm durchzudringen. „Die bei der ‚Tagesschau‘ müssen neutral sein. Wir dürfen ruhig zeigen, wenn wir etwas toll oder lustig finden.“, sagt er. „Los, verkauf uns den Feuerlöscher!“

Zusammen mit acht anderen Kindern der Grundschule Häcklingen übt Emilja seit Beginn des Sommerhalbjahres jeden Donnerstag das Lesen von Texten aus den Kindernachrichten der Landeszeitung. Doch nicht nur das: Sobald sie sich sicher fühlen, sprechen die Schüler der Arbeitsgemeinschaft „Kinder lesen Nachrichten“, die das Institut für Erlebnispädagogik in Kooperation mit der Landeszeitung anbietet, ihre Texte in ein Aufnahmegerät ein. Daraus soll ab April ein regelmäßiger Kindernachrichten-Podcast bei der Landeszeitung entstehen.

Als nächstes ist Henri mit einem Text über gefährliche UV-Strahlung im Winter an der Reihe. Der Achtjährige sprüht vor Begeisterung: „Ich finde es total spannend, dass man eine Sonnenbrille braucht, wenn Schnee liegt, sogar Hunde!“ Das Vorlesen vor dem Mikrofon macht dem Drittklässler am meisten Spaß. „Und die Übungen!“

Angebot ist keine Begabtenförderung

Davon gibt es reichlich. Betonung, Aussprache, Pausen – gemeinsam wird geübt, bis alles sitzt. „Bei jedem Kind gibt es etwas, an dem man arbeiten kann“, sagt Nissen, der auf 15 Jahre professionelle Sprecher-Erfahrung zurückblickt und die AG leitet. Dabei greift er zu spielerischen Methoden, lässt die Kinder auch mal durch eine geschlossene Glastür vorlesen, damit sie ihr Stimmvolumen ausnutzen und sich Gehör verschaffen. Trotz seiner Expertise ist auch Nissen erstaunt, wie schnell die Schüler dazulernen. „Ich habe mit professionellen Leuten gearbeitet, die haben länger gebraucht als diese Kids“, staunt er.

Trotzdem sei der Kursus keine Begabtenförderung, das ist Rektorin Barbara Hinzmann wichtig zu betonen. Die AG habe eine gute Durchmischung aus den 3. und 4. Klassen. „Wir waren von Anfang an von der Idee, die Kinder im Sprechen zu schulen und gleichzeitig das Interesse am öffentlichen Geschehen zu wecken, begeistert“, sagt die Schulleiterin. Die LZ-Kinderseiten werden an einem schwarzen Brett in der Schule ausgehängt. Welche Texte sie lesen wollen, wählen die Nachwuchs-Sprecher selbst aus. Das treffe den Nerv der Kinder und erweitere ihren Erfahrungshorizont, ist sich Barbara Hinzmann sicher.

Junge Sprecher sind sehr selbstkritisch

Im Nebenraum sitzt Nissens Kollege Lars Herklotz mit zwei Mädchen am Aufnahmegerät. Während Sophie liest, hört Luise die Tonqualität über den Kopfhörer ab. Zu Beginn braucht Sophie zwei bis drei Anläufe, die Pausen sitzen noch nicht richtig. Doch schon bald klappt es, sie liest den Text fehlerfrei. Anschließend wird getauscht.

Die Pädagogen heben alle Aufnahmen auf. „Die Kinder sind extrem selbstkritisch“, erzählt Nissen. „Es wird spannend, wenn wir in ein paar Wochen noch einmal die ersten Aufnahmen gemeinsam anhören und die Kinder sehen, was für Fortschritte sie gemacht haben“, freut er sich. Im Kindernachrichten-Podcast soll dann alles perfekt klingen.

Von Katja Grundmann