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Der Bau der Arena hat begonnen, doch noch immer ist nicht klar, wie teuer die Veranstaltungshalle am Ende wird. (Foto: t&w)

Das Spiel mit den Millionen

Lüneburg. Die Ungereimtheiten bei Planung und Bau der Arena Lüneburger Land nehmen zu, die Liste an offenen Fragen wird immer länger. Zwar haben die Kreistagsabgeordneten unter Federführung des CDU-Fraktionsvorsitzenden Günter Dubber ihre Akteneinsicht beendet, am Dienstag den Abschlussbericht an Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) übergeben, doch scheinen mit jeder Antwort, die die Abgeordneten in den Unterlagen gefunden haben, gleich mehrere neue Fragen aufgetaucht zu sein. Das zumindest legt die Lektüre des siebenseitigen Berichts nahe, der der LZ vorliegt.

Rasta-Dome kostete 4,9 Millionen

Ausgeklammert haben die bis zu sieben beteiligten Abgeordneten der Fraktionen von CDU, SPD und Grünen sowie der Gruppe FDP/Unabhängige dabei die von ihnen eingangs formulierte Frage: „Inwieweit sind Mehrkosten durch unsachgemäße Planung bzw. Kontrolle entstanden?“ Die Verwaltung arbeite intern unter neuer Projektleitung die Bauakten auf, zudem sei die Rechnungsprüfung inzwischen mit Prüfung beauftragt – insbesondere auf Planungsfehler. Welcher Bedeutung dieser Frage zukommt, zeigen die Recherchen der LZ.

Ausgangspunkt ist der Rasta-Dome in Vechta, der als Vorlage für die Arena Lüneburger Land gilt und vom selben Architekten geplant wurde. Im Oktober 2012 nach einjähriger Bauzeit eingeweiht, ist der rund 2000 Zuschauer fassende Rasta-Dome bereits 2013 auf 3140 Plätze erweitert worden. Ergänzt wurde die Halle 2015 um einen VIP-Bereicht mit 100 Plätzen und eigener Küche. Insgesamt hat der Bau zwischen 2011 und 2015 rund 4,9 Millionen Euro gekostet.

Gegenüber der LZ hat Architekt Herbert Buddelmeyer schon vor einige Wochen bestätigt, dass die Arena Lüneburger Land in Ausmaß und Struktur nach seinen Plänen errichtet wird. Lediglich die Deckentraglast sei erhöht und eine Küche ergänzt worden.Zudem würden Module wie die Umkleidekabinen an anderer Stelle gebaut. Indes: Seit Mitte März schätzt die Kreisverwaltung die Gesamtkosten auf rund 25,8 Millionen Euro. Und nicht wenige Kreistagsabgeordnete fürchten, dass in absehbarer Zeit sogar die 30-Millionen-Euro-Grenze gerissen wird. Dann wäre die Arena rund sechs Mal so teuer wie der Rasta-Dome.

Kostensprung löst Misstrauen aus

Zwar sind die Baupreise seit 2011 extrem in die Höhe geschnellt, doch haben Gespräche der Landeszeitung mit verschiedenen Projektentwicklern und Planern ergeben, dass der Boom in der Baubranche lediglich eine Verdopplung, maximal eine Verdreifachung der Kosten für einen Bau wie die Arena rechtfertigen würde. Damit läge der Arena-Bau etwa in dem Bereich, den Buddelmeyer in seiner Kostenberechnung als Bestandteil der Ausführungplanung ermittelt hat: Darin beziffert der Architekt die Kosten für Planung und Bau auf 11,3 Millionen Euro.

Diese Zahl hat Bestand bis Ende August 2018. Dann schnellen die Kosten nach oben – bis Ende November auf 16,1 Millionen Euro. Bis zu diesem Zeitpunkt sind 70 Prozent der Arbeiten ausgeschrieben, die Masse der bepreisten Leistungsverzeichnisse erstellt, die Grundlage sind für die noch ausstehenden Ausschreibungen.

Der Kostensprung von mehr als 40 Prozent zwischen Kostenberechnung und Angebot/Leistungsverzeichnisse lässt die Fachleute, mit denen die Landeszeitung gesprochen hat, hellhörig werden. Tenor: Eine Kostenberechnung sei bereits sehr genau, eine Abweichung von mehr als fünf Prozent ungewöhnlich. Bei mehr als 40 Prozent gehen die Projektentwickler und Planer davon aus, dass etwas nicht stimmen kann.

Allzu detaillierte Auschreibung?

Erklären lässt sich der Kostensprung nach LZ-Recherchen durch zwei Faktoren: Zum einen schreibt das Architekturbüro, das mit der Bauausführung der Arena beauftragt ist, sehr detailliert aus. Folge ist, dass die Ausschreibungsunterlagen sehr umfangreich sind, viele kleinere und mittlere Firmen erst gar kein Angebot abgeben, weil die Bearbeitung zu zeitaufwändig und kompliziert, der Ausgang ungewiss ist. Doch sind es oft diese Betriebe, die helfen, die Baukosten niedrig zu halten, zudem bleiben lokale Handwerker nicht selten auf der Strecke.

Detailliert ausgeschrieben wird unter anderem, damit die Differenz zwischen Leistungsverzeichnissen und Angeboten möglichst gering ist. Dies ist bei der Arena zwar gelungen, doch offenbar zu einem deutlichen höheren Preis.

Nur lässt sich dieser nicht allein durch das Ausschreibungsverfahren erklären. Vielmehr mehren sich nach Informationen der LZ die Anzeichen dafür, dass ein Teil der Ausschreibungen nicht der Ausführungsplanung entspricht. Demnach könnten höherwertige Bauausführungen als ursprünglich geplant die Kosten weiter nach oben getrieben haben. Unter anderem wird genau das derzeit vom Fachdienst Gebäudewirtschaft geprüft. Ergebnis: noch offen. Unstrittig ist unter Kreistagsabgeordenten aber schon jetzt, dass die Kosten für den Arena-Bau komplett aus dem Ruder gelaufen sind.

Von Malte Lühr

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