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Die Grünabfall-Deponie in Bardowick: Hier werden jährlich rund 35.000 Tonnen Grünabfall zu Kompost verarbeitet. Foto: phs

Votum für die Papiersäcke

Bardowick. Not macht erfinderisch. Und die Not war groß vor zwei Jahren bei der Gesellschaft für Abfallwirtschaft (GfA) in Bardowick – als die braunen Papiersäcke für die Grünabfälle knapp wurden. Damit die Gartenbesitzer in Stadt und Landkreis Lüneburg trotzdem nicht auf dem Grünschnitt, den sie nicht in den Biotonnen unterbringen konnten, sitzen blieben, hatte die GfA damals Ausnahmen zugelassen.

Statt in den den dafür vorgesehenen Papiersäcken durften Grünabfalle in dieser Zeit auch in in anderen Behältnissen an den Straßenrand gestellt werden. In ausrangierten Regentonnen oder Mörtel-Bottichen etwa. Die GfA-Mitarbeiter nahmen den Grünschnitt trotzdem mit. Doch der Engpass an sogenanntem „Kraftsackpapier“ auf dem Weltmarkt ist längst Geschichte – Grünabfallsäcke gibt es wieder in ausreichender Zahl zu kaufen.

Dennoch haben einige Gartenbesitzer die damalige Ausnahme für sich zur Regel erkoren. Sie verzichten nach wie vor auf die Papiertüten und stellen ihren Grünschnitt weiter ausschließlich in Eimern, Bottichen, Tonnen und Schubkarren an den Straßenrand. Bisher in der Gewissheit, dass die GfA-Mitarbeiter den Grünabfall schon mitnehmen werden.

„Ausnahmen wird es nicht mehr geben“

Doch damit ist jetzt endgültig Schluss, sagt GfA-Vorstand Oliver Schmitz, „künftig werden wir Grünabfälle nur noch mitnehmen, wenn er in der Biotonne oder im Grünabfallsack bereitgestellt wird, beziehungsweise gebündelt zur Abholung bereit liegt. Ausnahmen werde es jetzt nicht mehr geben. „Das sind wir schon unseren Mitarbeitern schuldig“, erklärt der GfA-Chef. Denn viele Gefäße, die unerlaubt zur Leerung an die Straße gestellt werden, seien nicht nur groß und unhandlich, sondern auch extrem schwer. „Solche Behälter zu händeln, ist für unsere Bediensteten einfach unzumutbar“, erklärt Schmitz.

Dass es trotzdem Bürger gibt, die die 50 Cent für die Papiertüte sparen wollen, kann der GfA-Vorstand daher nicht verstehen. „Wir geben die Grünabfallsäcke fast schon zum Selbstkostenpreis ab“, rechnet er vor. Zwischen 22 und 25 Cent koste die GfA die Herstellung eines Sacks. „Darauf kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer und der abgebende Händer möchte auch noch einen gewissen Obolus für seine Dienstleistung“, erklärt Schmitz. In den 50 Cent pro Sack ist dann auch noch die Abholung durch das GfA-Fahrzeug enthalten. „Da verdienen wir wirklich nichts dran“, versichert der GfA-Vorstand.

Die meisten Bürger muss er vom Vorteil der kompostierbaren Grünabfalltüte auch nicht überzeugen – das beweisen die Verkaufszahlen: Rund eine halbe Million Tüten verkauft die GfA pro Jahr. Eine beeindruckende Zahl, genau, wie die Grünabfall-Tonnage, die jährlich auf dem Deponiegelände in Bardowick angeliefert wird. „Rund 35.000 Tonnen Grünschnitt und Bioabfälle sammeln wir jährlich ein“, listet Schmitz auf. Davon werden rund 50 Prozent weiterverarbeitet zu hochwertigem Kompost.

Plastik hat im Kompost nichts zu suchen

Im vergangenen Jahr allerdings lag die Grünabfall-Tonnage bei „nur“ rund 30.000 Tonnen. Als Grund dafür nennt Schmitz den heißen und viel zu trockenen Sommer – „da hat dann auch der Pflanzenwuchs gelitten.“

Dass Gartenbesitzer Wert auf qualitativ hochwertigen Kompost legen, kann Oliver Schmitz gut nachvollziehen. „Und jeder kann etwas dafür tun, dass der Kompost diesen Ansprüchen genügt“, gibt auch Monika Schmitz, die stellvertretende Logistik-Leiterin bei der GfA, zu bedenken. Doch womit ihre Kollegen immer wieder zu kämpfen haben, sind Verunreinigungen – Plastik und anderer Abfall, der im Grünabfall nichts zu suchen hat. „Es gibt Spezialisten, die packen in die Grünabfalltüte einen Plastiksack, damit er nicht durchweicht“, schüttelt Monika Schmitz verständnislos den Kopf. Das Problem: Der gesamte Grünabfall wird geschreddert – und damit wird auch das Plastik in kleine Fetzen zerissen, die so wieder in die Umwelt gelangen können. Auf das eigene Gemüsebeet, auf die Äcker, in die Flüsse und Gewässer – und somit über kurz oder lang als Mikroplastik in die Nahrungskette des Menschen. Und dort will es nun wirklich niemand haben…

Von Klaus Reschke