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Intelligenztest
Jörn Krack gilt als hochbegabt, weil er über einen IQ von 130 oder höher verfügt. Genau verrät er es nicht. Aös durchschnittlich intelligent gelten Menschen mit einem Wert zwischen 90 und 109. (Foto: t&w)

Ein ganz schlaues Köpfchen

Lüneburg. In der Schule habe er nicht gemerkt, dass andere Kinder anders ticken als er, erzählt er. Erst später, fast schon im Erwachsenenalter, sei ihm aufgefallen, dass sein Umfeld manchmal einfach länger braucht. Denn Jörn Krack ist das, was man hochbegabt nennt. Er ist intelligenter als 98 Prozent der Bevölkerung. Bei „Mensa in Deutschland“ hat der Lüneburger Gleichgesinnte gefunden. Gleichgesinnte deshalb, weil dem Verein nur jene beitreten können, die einen Intelligenzquotienten (IQ) von mindestens 130 haben. Inwieweit der 48-Jährige die 130er-Marke überschritten hat, verrät er nicht. „Das ist ein Ehrenkodex unter Mensanern. Keiner weiß den genauen IQ der anderen.“

Ermittelt wird der Wert durch einen normierten Test. Jörn Krack war 2003 durch einen Fernsehbeitrag auf Mensa aufmerksam geworden. „Ich habe es dann einfach mal probiert.“ Das Testergebnis kommentiert er mit einem Augenzwinkern: „Das Kriterium für die Mitgliedschaft hab‘ ich erreicht.“

Inzwischen ist Krack in Lüneburg derjenige, der einmal im Quartal die Intelligenztests anbietet (siehe Kasten). Was darin abgefragt wird? Das darf der Testleiter, einer von 80 in ganz Deutschland, nicht preisgeben. Sonst könnte man darauf kommen, um welchen Test es sich handelt. Und sich entsprechend vorbereiten. „Die Nettozeit liegt bei 53 Minuten. Es gibt mehrere Aufgabenblöcke. Die Herausforderung ist der Zeitfaktor.“

Wie eine zweite Familie

Mensa ist für den Mann, der nach seiner Bankausbildung an der Leuphana studiert hat und inzwischen als Wirtschaftspsychologe arbeitet, eigentlich ein Hobby. Er engagiert sich dort ehrenamtlich. Wer ihm zuhört, merkt aber schnell, dass er da­rin aber so etwas wie eine zweite Familie gefunden hat.

Fester Bestandteil ist der Stammtisch, den er in Lüneburg vor fünf Jahren mitinitiiert hat. „Damals waren wir so 20 Mensaner hier, wir wollten einen Anlaufpunkt haben.“ Seitdem trifft sich die Gruppe jeden ersten Montag im Monat ab 19 Uhr im Lanzelot. „Da sind auch Nicht-Vereinsmitglieder willkommen.“ Gespräche über Gott und die Welt, das gemeinsame Austesten neuer Brettspiele – Krack kommt regelrecht ins Schwärmen, wenn er von den Abenden berichtet. Kurios mutet sein Satz an: „Es ist schön, mal ein Strategiespiel aus dem Regal zu holen und nicht immer der Sieger zu sein.“

In dem Zusammenhang räumt er auch mit Vorurteilen auf, die ihm häufig begegnen. „Wir sind keine menschenscheuen Typen, die alles können, mit denen man sich nicht unterhalten kann. Wir sind ganz normal.“ Das macht er auch daran fest, dass in dem Verein Frauen wie Männer, zudem verschiedene Altersklassen und Berufe, vertreten sind. Mit Dax-Unternehmern, Ärzten, Anwälten, Übersetzern, Informatikern, Ingenieuren und Elektrotechnikern nennt er nur einige Beispiele.

Dass Mensa ein elitärer Verein für Superschlaue oder gar für Freaks ist, hört Krack auch hin und wieder. Das lässt ihn schmunzeln. „Hochintelligent zu sein, heißt nicht, alles zu wissen.“ Vielmehr sei die Vielseitigkeit ein typisches Mensaner-Attribut. Gefragt nach seinen Interessen zählt er Fotografie, Amateurfunk, Gestaltung von Internetseiten, Salsa tanzen und ein Faible für Sprachen auf. Letzteres reichte schon in der Oberstufe so weit, dass der Schüler freiwillig an zwei Gymnasien lernte.

In dem Verein fühlt er sich auch deshalb wohl, weil ihm dieser so viele verschiedene Dinge ermöglicht, neue Perspektiven aufzeigt: Die regionalen Gruppen, in Lüneburg und Umgebung sind etwa 60 Leute aktiv, bleiben nicht für sich. In ganz Deutschland gibt es sogenannte Special Interest Groups oder auch SIGs. Wenn Krack erzählt, dass Mensaner Wortspiele lieben, zeigt sich das vor allem daran.

Ein Faible für Wortspiele

So vereint eine „EsSIG“ Menschen, die sich gegenseitig zu sich nach Hause zum Essen einladen. „FelsSIG“ sind die Kletterfreunde, „RosSIG“ die Reiter, „TanzSIG“ die Tänzer. „GrauSIG“ vereint nicht etwa diejenigen, die gern Horrorfilme schauen, sondern „alle mit hellerem Haar“, wie Kratz es charmant umschreibt.

Mit seinen Mensa-Freunden feiert er auch Silvester: Weil das oftmals Partys sind, für die sich bis zu 1000 Leute anmelden, werden ganze Hotelkomplexe oder Jugendherbergen gemietet. Als Highlight nennt er auch die Jahrestreffen, die stets in einer anderen Stadt ausgerichtet werden. Dieses Jahr ist Hamburg an der Reihe, das Programm ist beeindruckend: Es reicht von 27 Firmenbesichtigungen über 20 Museen, Barkassenfahrten, eine iPad-Rallye durch die Hafencity bis zu Lasertags und einem Virtual-Reality-Wettbewerb.

Intelligenz testen

Wie hoch ist mein eigener IQ?

Am Sonntag, 14. April, gibt es in der Volkshochschule Lüneburg die Möglichkeit, den eigenen IQ ermitteln zu lassen. Den Gruppentest – die Teilnahme kostet 60 Euro – kann jeder absolvieren, der mindestens 14 Jahre alt ist. Im Anschluss werden die Unterlagen zur Auswertung an einen unabhängigen Psychologen weitergegeben, das Ergebnis wird dann nur dem jeweiligen Teilnehmer mitgeteilt, nicht dem Verein. Wer Fragen hat, kann sich an Testleiter Jörn Krack wenden: tl-lueneburg@mensa.de.

Anmeldungen im Internet: www.mensa.de

Von Anna Paarmann