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Althusmann Breitband
Die Kreisvorsitzende Sabine Block fordert stellvertretend für die 2000 Landfrauen, Mobilfunknetz und schnelles Internet in allen Dörfern zügig auszubauen. (Foto: t&w)

„Wir leben nicht hinterm Mond“

Echem. Den Landfrauen im Landkreis Lüneburg ist der Kragen geplatzt. In einem offenen Brief an den niedersächsischen Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) missbilligen sie die digitale Infrastruktur in vielen Orten im Landkreis. „Wir leben auf dem Land – aber nicht hinterm Mond!“, so die harsche Kritik.

„Wir möchten aufmerksam machen auf den in unserem Landkreis zum Teil katastrophalen Zustand der Mobilfunknetze sowie des Internets“, zitiert die Vorsitzende des Kreislandfrauenvereins, Sabine Block aus Echem, aus dem offenen Brief, der jetzt in das Wirtschaftsministerium nach Hannover geschickt wurde.

Übertragungsraten teilweise unter 1 Mbit/s

„Bei unserer Jahresversammlung am 1. April haben wir uns entschieden, dem Minister zu schreiben. Die meisten der 2000 Frauen im Kreisverband leben auf dem flachen Land und leiden unter der schlechten digitalen Versorgung“, sagt Sabine Block. Die Landfrauen fordern daher Althusmann auf, schnell dafür zu sorgen, jedes Dorf mit Glasfaseranschlüssen und einem funktionierenden Mobilfunknetz auszustatten. Zurzeit gebe es auf dem Land noch Übertragungsraten von teilweise unter 1 Mbit/s. Dies sei ein unhaltbarer Zustand angesichts der schnell fortschreitenden Technik in diesem Bereich, die bis zu 200 Mbit/s ermöglicht, schreiben die Landfrauen. In anderen Ländern wäre so etwas undenkbar.

„Im Moment sehe ich nicht, dass sich die Situation maßgeblich verbessert. “ – Sabine Block , Kreisvorsitzende

„Frauen und junge Familien sind es oft, die den Schaden haben von Versäumnissen, die in der Vergangenheit beim Aufbau einer modernen Infrastruktur gemacht wurden. Im Moment sehe ich nicht, dass sich die Situation maßgeblich verbessert“, meint die Echemerin.

So heißt es in dem Brief an den Minister auch: „Wir verstehen uns als die Interessenvertretung der Frauen auf dem Land aus allen Berufsständen und fordern deshalb den energischen Einsatz unserer politischen Vertreter, diese vorhandenen Missstände in unserer Region kurzfristig zu beheben.“

Kein Ehrenamt ohnebreitbandverbindung

Im Ehrenamt sei eine effektive Arbeit ohne funktionierendes Internet und Mobilfunknetz ebenfalls nicht möglich. „Ohne Ehrenamt läuft gar nichts. Das hören und lesen wir ständig. Unsere Mitglieder sind engagiert dabei, bewegen viel in ihren Dörfern, in ihrer Region, alles ehrenamtlich. Wenn aber einige unserer Damen in Orten wohnen, die inzwischen anscheinend wirklich hinter dem Mond liegen, weil sie weder Internet noch ein funktionierendes Mobilfunknetz nutzen können, lässt sich auch die Arbeit im Ehrenamt nur schwer bewältigen.“

Hochleistungstechnik für die Landwirte

E-Mails könnten nicht empfangen und versendet werden, für einen besseren Handyempfang müsse erst eine entsprechende Stelle im Ort oder außerhalb gesucht werden, skizziert sie den Alltag.

Doch auch der Wandel in der Berufswelt drohe auf dem Land durch die schlechte digitale Versorgung verschlafen zu werden. „Die Landwirtschaft ist das Rückgrat ländlicher Räume. Auch hier ist eine weitere Entwicklung ohne entsprechende Hochleistungstechnik nicht möglich. Dies gilt auch für Frauen, die über Homeoffice-Arbeitsplätze Familie und Erwerbstätigkeit besser miteinander vereinbaren könnten.“

Von Stefan Bohlmann