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Ein Gelenkbus biegt ab in die Gartenstraße: Doch solche Fahrten wollen die Anwohner künftig verhindern. Foto: kre

Busse lassen die Tassen im Schrank klappern

Dahlenburg. Risse im Mauerwerk, schlecht schließende Türen, Gläser und Tassen, die in den Schränken wackeln: Die Anwohner der Gartenstraße in Dahlenburg sind genervt. Von den Bussen, die durch ihre Straße rollen – und von der örtlichen Politik. „Die tut nichts, um das Problem zu lösen“, lautet der zentrale Vorwurf der Anwohner. „Wir sind den Verantwortlichen doch gleichgültig“, beschreibt der Dahlenburger Peter Ladewig die Stimmung in der Nachbarschaft. Doch dagegen verwehrt sich Bürgermeisterin Christine Haut (CDU): „Wir werden das Problem, das über Jahre köchelt, nicht von heute auf morgen lösen können“, erklärt sie auf LZ-Anfrage.

Das Problem – das sind aus Sicht von Ladewig und seinen Mitstreitern die rund 40 Busse, die täglich an ihren Häusern vorbeifahren. „Früher waren es die Lkw, die die Molda, die heute zur Döhler-Gruppe gehört, belieferten. Jetzt sind es die Busse“, ärgern sich Ladewig und sein Nachbar Joachim Würtz. Was die beiden ebenfalls ärgert ist, dass viele Busfahrer auch noch unerlaubterweise an ihren Häusern vorbeifahren, die Gartenstraße als schnellere und bequemere Strecke auf ihrem Weg zu den Bushaltestellen an der Fürstenwallschule nutzen.

Busse raus aus der Gartenstraße

Für Ladewig und Würtz kann es deshalb nur eine Lösung geben: Drastische Reduzierung, beziehungsweise Wegfall der Busfahrten durch die Gartenstraße. Damit im Rathaus niemand auf die Idee kommt, dass diese Forderung die singuläre Meinung von zwei Dahlenburgern sein könnte, haben Würtz und Ladewig eine Unterschriften-Aktion bei ihren Nachbarn gestartet. 33 Signaturen zieren das Schreiben das an die Politik gerichtet ist und das mit den Worten beginnt, dass die „Verkehrsführung in der Gartenstraße unter Einschluss der Park- und Halteregelungen in der Anwohnerschaft ein stetes Thema und zunehmend ein Ärgernis ist!“

Dass ihre Häuser unter den schweren Bussen leiden, ist für die Anwohner unstreitig. Erschwerend komme hinzu, dass dem Baugrund die Festigkeit fehle – „Dahlenburg ist auf Moor errichtet worden“, erinnert Ladewig.

Die überwiegende Reaktion war Achselzucken

Der Lieferverkehr zur heutigen Firma Döhler konnte durch Verlegung der Lkw-Waage auf dem Firmengelände schon vor einigen Jahren aus der Gartenstraße herausgenommen werden. Diesen Erfolg erhoffen sich Ladewig und Würtz jetzt auch für den Busverkehr. Aus gutem Grund: Die beiden beobachten immer wieder, dass zum Beispiel Busse aus Richtung Dannenberg kommend zunächst am Markt halten, dann durch den Ort bis zur Einmündung der Gartenstraße fahren und von hier aus die Haltestellen an der Schule anfahren. „Für eine Strecke von rund 100 Metern werden so nahezu zwei Kilometer durch den Ort gefahren, mit allen Nebenwirkungen, die sich daraus ergeben“, klagen Ladewig und Würtz an. Die Diskussionen über Abgase, Luftverschmutzung, Feinstaub und Fahrverbote scheinen in Dahlenburg noch nicht angekommen zu sein“, stellen die beiden verärgert fest.

Peter Ladewig hatte sich vor einigen Woche zudem die Mühe gemacht, insgesamt 34 Busfahrer auf ihre Routenwahl hin anzusprechen. Die überwiegende Reaktion bei den Fahrern aber war Achselzucken, fasst Ladewig seine Erfahrungen zusammen.

Ein Plan sorgt für Irritationen

Überhaupt hält der Dahlenburger den Schülertransport an der Fürstenwallschule für reformbedürftig: „In der Zeit von zwölf Uhr bis 16 Uhr stiegen 120 Schüler in 25 Busse“, protokollierte Ladewig. Anstatt große Busse auf Tour zu schicken, wären aus seiner Sicht mehrere kleine Fahrzeuge ökonomisch und ökologisch deutlich sinnvoller.

Für Irritationen – bei Anwohnern und bei Bürgermeisterin Christine Haut – sorgt ein angeblich ausgearbeiteter Plan, der die Streckenführung für die Linienbusse neu regle. Der sei vom Flecken auch bereits genehmigt. Man dürfe ihn aber den Bürgern nicht zur Verfügung stellen, wurde Ladewig vor wenigen Wochen beim Anruf im Kreishaus mitgeteilt. Für Haut ist diese Auskunft dagegen nicht nachvollziehbar: „Wir kennen diesen Plan nicht“, stellt die Bürgermeisterin unmissverständlich klar.

Unmut bei Anwohnern

Demnächst aber werde es einen gemeinsamen Termin mit Vertretern der KVG, dem Flecken, dem Kreis und Anwohnern geben“, verspricht Christine Haut. Dass es dazu noch nicht gekommen sei, sei der längeren Erkrankung eines Protagonisten geschuldet. Dann jedenfalls wird gewiss auch die Einbahnstraßen-Regelung zum Thema werden, dass Christine Haut in die Diskussion gebracht und das bei Anwohnern für Unmut gesorgt hatte.

Eine Möglichkeit, den Busverkehr zu reduzieren, sieht sie aber dennoch: „Man könnte zum Beispiel Nachmittags sowie an Sonnabenden, Sonn- und Feiertagen den Busverkehr an der Fürstenwallschule herausnehmen.“ Denn dann findet keine Schule statt – und somit auch kein Schulbusverkehr. Den Busverkehr aber komplett von der Fürstenwallschule hin zum Marktplatz zu verlegen – diese Möglichkeit sieht die Bürgermeisterin nicht. Nur in einem sind sich wohl alle Beteiligten einig: „Es wird noch Zeit brauchen, bis wir eine Lösung finden.“

Von Klaus Reschke