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Taxi Bleckede
Bedauern die Taxi-Situation in Bleckede: Brigitte und Arno Köhler Schwarzer Michel. (Foto: t&w)

Um 20 Uhr ist Schicht

Bleckede. Arno und Brigitte Köhler Schwarzer Michel sind auf dem Sprung, denn es ist Mittwoch. Schon seit 25 Jahren ist dieser Abend für ihren Stammtisch reserviert. Um 19 Uhr treffen sich die beiden mit einem befreundeten Ehepaar, immer im Wechsel bei dem jeweils anderen zu Hause. Einst lernten sie sich im Kegelclub kennen, schnell war die Sympathie groß. Man wollte mehr Zeit miteinander verbringen. „Wir feiern immer gemeinsam das Bergfest der Woche“, erzählt Arno Köhler Schwarzer Michel. „Da gibt es jedes Mal kräftig was zu klönen, die Gesprächsthemen gehen uns nie aus“.

Urlaub, Kochen, Haus und Garten, Familie – nur Krankheiten wolle man aussparen, solange es geht. Einmal im Jahr fährt das Quartett gemeinsam in den Urlaub, mehrfach waren sie schon in Ägypten zum Schnorcheln. Für die Reise wandert bei jedem Treffen ein Obolus in den Spartopf „Störtebeker“.

Brigitte Köhler Schwarz Michel ist 75, ihr Mann Arno 70 Jahre alt. Obwohl sie inzwischen seit dreizehn und ihr Mann seit immerhin fünf Jahren in Rente ist, stand es nie zur Debatte, die liebgewonnene Tradition des Bergfestes aufzugeben. „Wir planen nichts daran zu ändern, bis wir 100 sind“, sagt sie lachend. Oder, wie sich die aktuelle Situation darstellt, solange, wie die beiden noch Auto fahren.

Mittwochs-Stammtisch bereits seit 25 Jahren

Denn am Prozedere wird sich nun gezwungenermaßen etwas ändern, berichtet Arno Köhler Schwarz Michel. „Früher war es immer so, dass abwechselnd abgeholt wurde und gegen 22 Uhr ging es mit dem Taxi wieder nach Hause. Dann verstarb dieser Unternehmer, lange Zeit waren wir dann ganz ohne. Mit dem Nachfolger klappte einige Jahre alles ganz gut, schließlich kam die Aufforderung, dass wir das Taxi im Voraus für 21.45 Uhr bestellen sollen. Das war für uns kein Problem.“ Aber dass das Taxi unter der Woche ab jetzt nur noch bis 20 Uhr fährt, enttäuscht sie. „Wir finden es schade, dass einer von uns jetzt immer bei alkoholfreiem Bier bleiben muss, aber immerhin sind wir mobil, das ist doch eine Luxussituation,“ sagt der ehemalige Außendienstler. Er denke vor allem an ältere Mitbürger, die ohne Taxi abends nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen könnten. „Wir sind doch sicher nicht die einzigen in Bleckede mit so einem langjährigen Ritual“, mutmaßt er.

Diesen Einwand bestätigt Maurice Pacholsky vom Bleckeder Brauhaus: „Viele ältere Leute kommen aus dem Umland. Manche haben sich mit der schlechten Taxi-Situation arrangiert und lassen sich von Kindern oder Enkelkindern abholen. Aber wer diese Möglichkeit nicht hat, der überlegt sich dreimal, abends wirklich noch in eine Wirtschaft zu gehen. Konsequenz ist, dass die Leute lieber zu Hause bleiben.“ Verärgert zeigt man sich auch beim Restaurant Waldfrieden. „Unsere Gäste fallen teilweise aus allen Wolken, sie kommen nicht nach Hause “ , heißt es dort.

Stefan Heins vom Autoruf Bleckede kann die Aufregung nicht verstehen. „Unter der Woche passiert ab 20 Uhr in Bleckede nichts mehr, der Bedarf sinkt auf Null. Wir haben vier bis sechs Touren in der Woche. Ein Taxi eine Stunde bereitzuhalten kostet 23 Euro, es rechnet sich einfach nicht.“ Laut Heins spiegelten sich darin eben die Kehrseiten des Mindestlohns wieder. „Das machen wir ja nicht, um die Menschen zu ärgern, auch die KVG macht doch mal Betriebsschluss.“ Außerdem sei die Situation sicher schon schlechter gewesen.

RufMobil könnte Abhilfe schaffen

Trotz eigeschränkten Bedarfs scheint der Zustand für viele Bleckeder nicht zufriedenstellend zu sein. Abhilfe könnte Ende des Monats „Mein RufMobil“ schaffen: Ab dem 28. April gehen in Bleckede als Pilotprojekt im Landkreis Busse an den Start, die zusätzlich zum regulären Fahrplan per Telefon (04131-880777) oder über die Internetseite der KVG bestellt werden können. „Montags bis Freitags werden die Busse von etwa 4.30 Uhr bis 21.30 Uhr, Samstags von 7 bis 19 und Sonntags von 9 bis 19 Uhr einsatzbereit sein“, versichert Urte Modlich vom Landkreis Lüneburg. Für die Köhler Schwarzer Michels sicherlich eine Alternative zum Taxi.

Von Lea Schulze