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Fünf Millionen Euro stehen für das Lüneburger Salzmuseum bereit. Das Haus ist regelrecht versalzen, Direktorin Hilke Lamschus zeigt es. Foto: ff

Das Feintuning beginnt

Lüneburg. Es bröselt allerorts. Hilke Lamschus wischt über das Mauerwerk und fördert mit dem Finger in den Fugen zwischen den Backsteinen bröseligen Sand ans Tageslicht. Die Mauer ist versalzen, in Jahrzehnten haben sich über die feuchte Luft Kristalle in Holz und Gemäuer eingenistet, die nun, je nach Wetter, mal nach innen und mal nach außen an der Substanz nagen. Wenn Hilke Lamschus, Chefin des Lüneburger Salzmuseums, über das Gelände geht, dann hat sie keine Probleme, Beispiele für dringenden Sanierungsbedarf zu finden. Jetzt ist es so weit: Zur Verfügung stehen fünf Millionen Euro.

Europaweite Ausschreibung

Gerade hat der Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, Horst Seehofer, die Förderliste für die „Nationalen Projekte des Städtebaus 2018/19“ vorgestellt. Insgesamt hatten sich Städte und Gemeinden aus ganz Deutschland mit 118 Projekten beworben, 35 werden mit insgesamt rund 140 Millionen Euro vom Bund gefördert. Das Lüneburger Salzmuseum ist ganz vorn mit dabei. Das freut Oberbürgermeister Ulrich Mädge, der die Anträge mit der nötigen Dringlichkeit anschob, und das freut MdB Eckhard Pols, der nun die frohe Botschaft überbrachte. Eine 90-Prozent-Förderung: Vom Bund kommen 4,5 Millionen Euro, Stadt und Landkreis zahlen jeweils 250.000 Euro.

Das Geld ist da, „jetzt beginnt das Feintuning“, so Hilke Lamschus, „die Architekten-Arbeiten müssen europaweit ausgeschrieben werden“. Mit Beginn der Arbeiten ist nicht vor Ende des Jahres zu rechnen. Das Gute: die Förderung ist nicht zeitlich befristet, einen kleinen Wermutstropfen gibt es auch: Das Salzmuseum bleibt zwar in seinem Bestand erhalten, „aber wir könnten eine erheblich größere Fläche bespielen.“ Das Museum ist im Kern in einer Salz-Produktionshalle aus dem Jahre 1924 untergebracht, der größte Teil beherbergt einen Supermarkt.

Künftig wird es Zäune geben

In den Achtziger-Jahren wurde erwogen, die Halle einfach abzureißen, konnte dann aber als Industriedenkmal unter Schutz gestellt und 1989 als Museum eröffnet werden. Improvisation war das Gebot der frühen Jahre, gebaut wurde, wenn mal Material da war, und Hilke Lamschus erinnert sich daran, wie ihr Mann Christian, immerhin Direktor des Hauses, mit Gasrevolver und Dobermann Streife ging. Denn das Areal hatte und hat immer wieder ungebetene Gäste. Künftig wird es Zäune geben, am Salinenwall beispielsweise, an dem gern anonym gegrillt wird.

Die Mauern müssen also dringend neu verfugt, in ihrem Bestand gesichert werden. Als erstes aber ist der Eselstall dran, in dem – immer noch – die ewig erfolgreiche Fünfziger-Jahre-Ausstellung (23.000 Besucher im Jahr!) untergebracht ist. Dort stehen dann die Schreibtische, dort ist die gesamte Verwaltung untergebracht.

Barrierefreiheit und moderne Medien

Der Brandschutz ist zu berücksichtigen, es sollen Toiletten und Garderoben gebaut werden. Wenn Schulklassen zu Besuch sind, dann liegen heute die Ranzen auf dem Boden herum, das ist kein Zustand. Die Mitarbeiter am Eingang werden sich freuen, denn bisher ist ihr Arbeitsplatz reichlich zugig. Ein Museumscafé mittendrin wäre nicht schlecht, in dem die Besucher Halbzeitpause machen können. Barrierefreiheit ist ein großes Thema, eine Rampe darf nicht mehr als sechs Prozent Steigung haben, aber es geht nicht nur um Schwellenfreiheit für Rollstuhlfahrer, sondern beispielsweise auch um Service für Hörgeschädigte. Denn Barrierefreiheit meint grundsätzlich, alle Inhalte möglichst leicht zugängig, also schnell erfassbar zu machen, und moderne Medien sind teuer. Da sind tausend Dinge zu tun. Nicht zuletzt: Die Dauerausstellung, die Siedepfannen, der eigentliche Kern des Hauses. Sie stammt in der Konzeption aus dem Jahre 2000 – noch nicht lange her, sollte man meinen, aber auch das ist heutzutage für ein Museum ziemlich alt.

Von Frank Füllgrabe