Mittwoch , 18. September 2019
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Gemeindebrandmeister Bardowick
Vor knapp fünf Jahren war die Welt noch in Ordnung: Der Radbrucher Sascha Melcher (2.v.r) wurde vom Samtgemeinderat zum neuen Gemeindebrandmeister der Samtgemeinde Bardowick ernannt. Der Handorfer Sascha Wenzl (2.v.l.) ist sein Stellvertreter. Die Urkunden überreichten Ratsvorsitzender Achim Gründel (l.) und Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann. (Foto: dth)

Feuerwehrspitze in Turbulenzen

Bardowick. Es brennt unter dem Dach der Bardowicker Feuerwehren. Sinnbildlich gesprochen. Und es gibt auch schon ein erstes „Opfer“ – Gemeindebrandmeister Sascha Melcher: Der hat überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Über die Gründe will sich Melcher gegenüber der LZ nicht äußern – „kein Kommentar“, sagte er gestern auf Nachfrage.

Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann dagegen bestätigt den Eingang einer entsprechenden Mail. „Sascha Melcher hat darum gebeten, dass er von seinen Verpflichtungen als Gemeindebrandmeister entbunden wird“, bestätigt der Rathauschef. Entbrannt ist der Streit innerhalb der Feuerwehren über die Idee, einen „Führungsdienst“ zu etablieren. Der soll sicherstellen, dass die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt werden kann. Das aber würde bedeuten, dass neben dem Gemeindebrandmeister und seinem Stellvertreter noch zwei weitere Feuerwehr-Führungskräfte in den „Führungsdienst“ berufen werden müssten. Nicht alle im Gemeindekommando aber sollen die Idee gut finden, für die sich Melcher und Luhmann gleichermaßen stark machen. „Die Reaktionen auf den Vorschlag waren sehr unterschiedlich“, sagt Luhmann diplomatisch.

Dabei geht es auch um ein Einsatzfahrzeug, das die Samtgemeinde für die Feuerwehr anschaffen will. „Es kann doch nicht sein, dass der Gemeindebrandmeister oder sein Stellvertreter ihre Ausrüstung in ihrem privaten Fahrzeug verstauen müssen,“ findet Luhmann. Deshalb hatte man sich auch für Bardowick ein Modell überlegt, das ähnlich wie das in Lüneburg funktionieren soll. In der Hansestadt teilen sich ein Dutzend Feuerwehrleute als „Brandmeister vom Dienst“ ein Fahrzeug. Wenn die Wochenschicht endet, übernimmt der Nächste das Fahrzeug.

Bruchstelle Führungsdienst

Diese Regelung sollte, die Zustimmung der Feuerwehren in der Samtgemeinde Bardowick vorausgesetzt, der Politik vorgestellt und in der Feuerwehrsatzung und im Bedarfsplan festgezurrt werden. Stattdessen jedoch kommt Kritik von den Blauröcken, die eine solche Lösung für die Bardowicker Wehr für reichlich übertrieben halten. Andere sehen in dem angedachten „Führungsdienst“ ein externes Gremium, durch das das Gemeindekommando letztlich „entmachtet“ werde. „Diese Reaktion hat uns wirklich überrascht!“, gibt der Samtgemeindebürgermeister unumwunden zu.

Melcher jedenfalls zieht aus den Querelen seine Schlüsse und hat nun seinen Rücktritt erklärt.

Am 26. April tagt die Feuerwehrspitze erneut. Dann stellt sich die spannende Frage, wie der stellvertretende Gemeindebrandmeister Sascha Wenzl die Situation bewertet, ob er im Amt bleiben will oder ob er ebenfalls seinen Rücktritt erklären wird.

Neu ist diese Situation für die Bardowicker Brandschützer jedenfalls nicht. 2014 war die damalige Feuerwehrspitze um Gemeindebrandmeister Claus Fehrmann und seinen Stellvertreter Bernd Wehling ebenfalls überraschend zurückgetreten. Die beiden waren damals gerade zwei Jahre im Amt, als sie das Handtuch warfen. Auch, weil es in den Führungskreisen der Bardowicker Wehren offenbar auch zwischenmenschlich gekriselt hatte (LZ berichtete). Als Nachfolger wurden damals Sascha Melcher und Sascha Wenzl gewählt. Doch zumindest für einen der beiden muss jetzt schon wieder ein Nachfolger gesucht werden.

Von Klaus Reschke